Unsere Tipps der Woche

Die erste Maiwoche startet politisch und endet mit Kleinkunst, vielleicht. Ihr könnt auch was anderes machen – sind ja nur Vorschläge. Ihr macht ja so oder so wieder, was Ihr wollt …

Montag, 1.5.

Nachdem die Glut der Hexenfeuer erloschen ist, der Tanz in den Mai ausgetanzt, heißt es Flagge zeigen – für Gerechtigkeit, gegen Ausbeutung, Hungerlöhne und niedrige bis gar keine Renten. Es gibt am 1. Maitag zahlreiche Veranstaltungen – politische wie unpolitische. Die Linke, die SPD und der DGB laden in den Alaunpark (ab 11 Uhr), in den Fichtepark (ab 10 Uhr) und auf den Schützenplatz (ab 10 Uhr). Auf der Hauptstraße geht das Familienfest „Neustädter Frühling“ (ab 11 Uhr) in den letzten Tag und an der Scheune treffen sich zum vierten „Thanks Jimi Festival“ (ab 14 Uhr) Saitenkünstler_innen, um sich mit den Breslauer Hendrix-Fans zu solidarisieren und das Guinness-Buch zu rocken.

Und wer den Streifen „The New City“ von Javier Sobremazas noch nicht gesehen hat, muss das unbedingt beim Montagscafé im Kleinen Haus (19 Uhr) nachholen. Der Film ist super sympathisch und bietet einen fast rührenden Blick auf Dresdens (Achtung, Meinung!) charmantesten Stadtteil. Szenenbild, Komposition und die Auswahl der Musik sowie der Gesprächspartner_innen ist besonders gelungen. Und am Ende zaubert einem der Film nicht nur einmal ein Lächeln ins Gesicht. Ein Facebook-Kommentar trifft es auf den Punkt: „Das ist Dresden.“

Dienstag, 2.5.

Im Hole of Fame gibt’s am Dienstag ab 20.15 Uhr eine neue Folge der Shipwreck Shows, in Kooperation mit misch masch sounds – diesmal mit den Folk-Bands MY SISTER GRENADINE und TED BRASKO. Alle, die nicht wissen, was Super-Folk ist, sollten auf jeden Fall zur Erweiterung ihres musikalischen Vokabulars hingehen. Als allumfassend gebildete Campusrauschen-Autorin weiß man solche Dinge natürlich, aber ich muss Euch ja nicht alles verraten …

Im Kino im Kasten geht es vielleicht auch „musikalisch“ zu: Gezeigt wird wohl der Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder ein anderer Western. Der Eintritt ist in jedem Fall frei, Beginn 20.30 Uhr.

In der Chemiefabrik bekommt Ihr „PowerPopPunk“ von LOS PEPES (21 Uhr) – von der Insel, die nicht mehr zur EU gehören will, für einen Fünfer. Auf Facebook verspricht die Band: „Possibly the loudest powerpop band on Earth!“ Aber seht selbst.

Mittwoch, 3.5.

„Oh yeah, we’re jammin’…“, na ja, eigentlich they’re, aber Ihr könnt auch mitmachen. Know what I mean? Ab 20 Uhr beim Musikerstammtisch im Club Novitatis.

Spannend ist sicher auch die Lesung mit Gespräch „Abwaschbar und alltäglich. Sex als Arbeit und Literatur“ im Hygiene-Museum (19 Uhr). Es diskutieren Nora Bossong und Clemens Meyer, die sich beide in ihren Werken mit den Themen Lust und Frust beschäftigt haben.

Wer nichts verkehrt machen will, gehe geradewegs in die Schauburg (20 Uhr). Begebt Euch direkt dorthin. Denn dort liest der einzigartige Heinz Strunk aus seinem neuen Buch „Jürgen“. Schon der erste Absatz ist bezaubernd komisch: „Wenn am Montag in aller Herrgottsfrühe der Wecker klingelt, bin ich meist schon hellwach und grüble darüber nach, was die neue Woche wohl bringen wird. Ob alles halbwegs glattgeht, damit man am Freitag durchschnaufen und sich ‚Puh, das wäre wieder mal geschafft.‘ sagen kann. Ich weiß ganz genau, irgendwann, vielleicht viele Jahr in der Zukunft, wird ein Tag kommen, an dem man das nicht mehr so unbeschwert sagen kann und spürt, dass das der Anfang vom Ende ist und man bald den Regenschirm zuklappen muss. Aber bis es so weit ist, verstreicht hoffentlich noch ein erkleckliches Weilchen.“

Donnerstag, 4.5.

Donnerstag ist Kinotag, das ist klar. Denn am Donnerstag gibt es ein neues Kinoprogramm – was keiner mehr sehen will, das wird gestrichen, neue Filme müssen her. Am ersten Donnerstag im Mai laufen drei Filme an, die kurios bis spannend klingen: Der deutsche „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ von Lars Montag, der verschiedene Generationen und „ihre Macken“ aufs Korn nimmt, die Doku „Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft.“ von Thomas Binn über den Alltag von Schulkindern mit oder ohne Förderbedarf in einer Grundschule in NRW und die Doku „Trockenschwimmen“ von Susanne Schulz, die Senior_innen begleitet, die in einer Leipziger Schwimmhalle ihr Seepferdchen machen wollen.

Freitag, 5.5.

Beim Kurzfilmwettbewerb „One Take Wonder“ des Studentenclubs HängeMathe (19.30 Uhr) können sich alle begabten Smartphone-Videokünstler_innen für ihre Machwerke rühmen lassen. Der Film muss in einem Take, mit einer Handykamera, aufgenommen worden sein und darf zehn Minuten nicht überschreiten. „Heimvideos“, extremistische oder menschenfeindliche Beiträge sind vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Thematisch passend gibt es auch in der Schauburg Kurzfilme zu bestaunen, die innerhalb des „Dogs, Bones and Catering“, eines 40-Stunden-Kurzfilmfestes in der Neustadt, entstanden sind. Ab 20 Uhr werden alle eingereichten Filme gezeigt. Später darf im Ostpol mit der Dresdner Band UP IN THE CLOUDS gefeiert werden.

Samstag, 6.5.

Dass einige Dresdner_innen und Umländler_innen noch etwas in Sachen Offenheit lernen können, zeigt sich nicht nur jeden Montag aufs Neue. Am Samstag gibt es deshalb – wobei sich die kleinkarierten besorgten Bürger_innen wohl nicht dahin verirren werden – an der Evangelischen Hochschule von 14.30 bis 19.30 Uhr einen Aktionstag für eine offene Stadtgesellschaft – mit Workshops, Vorträgen und einer Podiumsdiskussion. Anmeldungen sind erwünscht.

Im Hole of Fame gibt es von 16 bis 22 Uhr einen „Schallplatten- und Gearflohmarkt für Liebhaber, DiscJockeys und Freaks“ – mehr der Erklärung unnötig.

Wer mal rauskommen will, kann auch beim Anfänger-Kletterkurs des USZ in der Sächsischen Schweiz mitmachen. Bedingungen und Anmeldung hier.

Sonntag, 7.5.

Spätestens seit Marc-Uwe Kling mit seinem kommunistischen Känguru unsere Herzen erobert hat, hat der Begriff „Kleinkünstler“ („Ahhh, das böse Wort!“) einen ganz anderen Klang bekommen. Beim Kleinkunstfestival im HSZ, dem „TU in Szene“, wird sicher auch wieder der eine oder andere herzerwärmende Beitrag dabei sein.

Am Sonntag endet übrigens auch die Ausstellung „Blutiger Boden – Die Tatorte des NSU“ mit großformatigen Schwarzweißaufnahmen von Regina Schmekens im Militärhistorischen Museum.

Text: Marie-Therese Greiner-Adam

Foto: Amac Garbe

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