Filmtipp des Monats: Die Unbeugsamen

Gerade frisch aufgehangen sind sie nun da, die Wahlplakate zur Bundestagswahl 2021. „Familien Mainstreaming statt Gender-Politik“ steht da auf einer Pappwahlwerbung in Dresden, erdacht von einer Kleinpartei. Auch wenn besagte Partei das in ihrer offiziellen Erläuterung vielleicht etwas anders auslegt, kann man es so verstehen: Soll doch alles so bleiben, wie es ist. Und das heißt neben sprachlicher Ungleichheit auch: geringere Löhne für Frauen, sexuelle Übergriffe (meist durch männliche Angreifer), Beschimpfungen im Netz.

Auch in der Politik selbst werden Frauen lange Zeit belächelt. Zwar gilt in Deutschland seit 1918 das Frauenwahlrecht, aber dass Frauen auch in politische Ämter gewählt werden, lässt noch etwas auf sich warten. Und welche dieser Damen ist uns überhaupt bekannt? Rita Süssmuth, okay. Aber wie steht es um Dr. Elisabeth Schwarzhaupt, der ersten weiblichen Bundesministerin? Oder Christa Nickels, die anlässlich der Wehrmachtsausstellung 1997 eine ergreifende Rede im Bundestag hält und von ihrer eigenen Familie berichtet?

Die Frauen in der Politik leben lange im Schatten der Männer. Geht es um die Bonner Republik, fallen einem die Namen Adenauer, Brandt, Schmidt und Kohl ein. Sieht man Fernsehausschnitte von damals, sind es sie, die zu Wort kommen. Männer. Auch der Journalist und Dokumentarfilmer Torsten Körner hat sich lange Zeit hauptsächlich mit Männern beschäftigt, sich für Bücher mit Heinz Rühmann, Franz Beckenbauer und Götz George befasst. Als er sich mit der Familie Willy Brandt auseinandersetzt, rücken die Frauen in seinen Fokus und er ändert seine Perspektive. Mit „Die Unbeugsamen“ legt er nun einen Kinodokumentarfilm vor, der den oft unbekannten Frauen der Bonner Republik Raum gibt. Und sieht man die Reaktionen mancher Männer der damaligen Zeit, möchte man kotzen. Noch mehr, wenn man weiß, dass es solche Männer und ähnliche Bemerkungen und Handlungen noch immer gibt. (Dafür sei der ebenso sehenswerte Thriller „Promising Young Woman“ empfohlen.)

Wie sagt FDP-Politikerin Marie-Elisabeth Lüders schon 1958 bei einem Straßeninterview, als sie nach dem Stand der Gleichberechtigung gefragt wird: „Wenn die Leute nicht weiterkämpfen, dann werden sie das, was sie haben, wieder verlieren.“ Und die Sozialdemokratin Käte Strobel 1959: „Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie alleine den Männern überlassen könnte.“ Spannend zu sehen, wie sich Frauen unterschiedlichster politischer Couleur schon vor 60 bis 70 Jahren für die Gleichberechtigung eingesetzt haben. Und trotz ihres Einsatzes gibt es noch viel zu tun.

Text: Nadine Faust

Archivbild: Renate Hellwig beim CDU-Parteitag 1989 ©Majestic/SZ

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