Inseln der Kritik

Kreta ist zwar auch eine griechische Insel, doch bei den Kritischen Einführungstagen (Kreta) geht es nicht ums Urlaubmachen, sondern um eine alternative Einführungswoche in das neue Semester. Die alternativen Einführungstage gibt es nach den ersten Kreta im Oktober 2016 nun bereits zum zweiten Mal in Dresden – wobei die Elbmetropole damit bereits etwas hinterherhinkt. In Jena, Leipzig und Berlin gibt es das Pendant bereits seit ein paar Jahren.

In zahlreichen Veranstaltungen werden noch bis zum 13. April politische Themen diskutiert. Die Hauptorte dieser Diskussionen sind der jeweilige Campus von TU, der Evangelischen Hochschule (ehs) und der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden. Dabei thematisiert man hochschulpolitische Problematiken wie das Bachelor/Master-System und die Exzellenzinitiative, formuliert gesamtgesellschaftliche Kritik an der „zunehmenden Vereinzelung der Menschen“ oder der „Pseudo-Individualisierung“.

Anhand der Auswahl dieser Themenbereiche wird schon klar, dass bei den Kreta hauptsächlich das „Große und Ganze“ in den Blick genommen wird – dennoch konzentrieren sich zahlreiche Vorträge und Workshops auch mit Angelegenheiten, die allein auf Dresden zugeschnitten sind. In diesen Bereich fällt die Thematisierung der Pegida-Bewegung, die Veranstaltung zur Vernichtung von Juden und Jüdinnen in Dresden von 1933 bis 1945 sowie die kritische Beleuchtung der Rolle der Dresdner Hochschulen im Nationalsozialismus.

Das Hauptanliegen der Kreta ist laut der 24-jährigen Lydia Hofmann, welche Verfahrenstechnik an der TU Dresden studiert und eine der Aktiven bei den Kreta ist, die „kritische Reflexion von Themen rund um Hochschule, Gesellschaft und Politik und die gemeinsame Erarbeitung von möglichen Alternativen“. Neben all der Kritik sollen die Einführungstage aber auch eine Vernetzung von kritischen studentischen Gruppen ermöglichen. Das wäre z. B. die relativ neue Gruppierung „Die Uni kritisch verändern“ oder auch die TU-Umweltinitiative. Zudem gehe es auch um die Vernetzung mit Dozierenden und anderen Menschen, die für die Universitäten arbeiten.

Für den 25-jährigen Richard, Student des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU Dresden, war das Hauptmotiv, bei Kreta aktiv zu werden, eine sozial-ökologische Motivation: „Mich treibt die Frage um, wie wir bei Einhaltung der ökologischen Grenzen eine global und lokal gerechte Zukunft gestalten können.“ Richard möchte seinen Nachnamen nicht nennen.

Neben zur Diskussion einladenden Themen sollen den interessierten Studierenden laut Richard aber auch ganz praxisorientierte Fähigkeiten vermittelt werden. Die Veranstaltungen mit praktischen Tipps und Tricks für aktive Studierende sind zwar bereits vorbei, allerdings wird es ja auch wieder neue Kreta zum Wintersemester geben und Workshops, wie man eine Demo anmeldet oder eine Hochschulgruppe gründet, vielleicht noch mal angeboten.

An den letzten beiden Tagen am 12.4. und 13.4. sind zum Beispiel noch ein postkolonialer Stadtrundgang, ein Workshop über Verdrängungsprozesse innerhalb von Städten oder ein Vortrag über die Rolle der Universitäten im Nationalsozialismus im Repertoire. Das Programm ist also auch in den letzten Tagen vielfältig. Besonders einladend ist das Kreta-Café direkt vor der U-Boot-Mensa im Potthoff-Bau der TU Dresden am Fritz-Förster Platz. Dort wurden extra für die Kreta aus Holzpaletten recht gemütliche große Sitzbänke geschaffen. Das Café soll noch bis zum Ende der Woche stehen bleiben und für Raum für Zusammenkunft und Diskussionen sorgen.

Übrigens waren die zweiten Kreta laut Aussage der Kreta-Verantwortlichen schon deutlich besser besucht als die ersten. Die Veranstaltung „PorYes! Feministische Konzepte in der Pornographie“ hatte mit 80 Gästen die größte Anziehungskraft, bei den anderen Veranstaltungen waren zumeist 20 bis 40 Menschen. Weil die dritten Kreta wohl noch größer werden, werden noch Menschen gesucht, die Lust an Mitwirkung haben. Natürlich werden bei den Kreta eher linkspolitische Themen angesprochen, doch solange man die Gesellschaft kritisch verändern will und nicht menschenfeindlich ist, könne laut Lydia bei den Kreta alle, die Interesse haben, mitmachen.

Text: Martin Linke

Foto: Amac Garbe

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