Von Verena Bogner, erschienen im April 2026 beim Ullstein Verlag.
„I am cringe, but I am free“ erzählt davon, wie leicht man sich selbst aus den Augen verlieren kann, wenn man ständig versucht, Erwartungen zu erfüllen. Gleichzeitig macht das Buch Mut, wieder zu den Dingen zurückzufinden, die man wirklich mag, auch wenn andere darüber die Augen verdrehen. Besonders die Freundschaften im Roman zeigen, dass Familie nicht immer nur die Menschen sind, mit denen man verwandt ist. Ein warmherziges Buch mit Figuren, die Ecken und Kanten haben und gerade deshalb so nahbar wirken.
Sich beim Verlieren wiederfinden
Schon der Titel macht klar, worum es geht: Sei nicht cool, um perfekt zu sein, sondern bleib dir selbst treu! Während früher alle den Cool Kids nacheiferten, feiert dieses Buch das Gegenteil. Warum sollte man sich schämen, wenn man lieber die Outfits der No Angels nachstylen wollte, als die Basics von Fast-Fashion-Unternehmen anzuziehen? Warum sollte man Interessen verstecken, nur weil sie nicht in irgendein Bild passen?
Die Ich-Erzählerin verbringt einen großen Teil ihres Lebens damit, es allen recht zu machen. Ihrem Vater versucht sie eine Tochter zu sein, die sie eigentlich gar nicht ist. Bei ihrer Mutter fühlt sie sich freier, echter, weniger verurteilt.
Als sie mit Fabian zusammenkommt, setzt sich dieses Muster fort. Sie möchte die Kunst mögen, die er mag. Seine Musik, Filme, Familie. Vor allem aber möchte sie, dass die Beziehung funktioniert. Dabei verliert sie Stück für Stück den Kontakt zu sich selbst.
Das Buch beschreibt sehr treffend etwas, das wahrscheinlich viele Menschen kennen: Man verliebt sich nicht nur in eine Person, sondern manchmal auch in die Vorstellung davon, wer man für diese Person sein könnte. Und irgendwann merkt man, dass man auf dem Weg dorthin die eigene Begeisterung für das verloren hat, was einen früher glücklich gemacht hat.
Cringesein ist manchmal Ehrlichkeit
Verena Bogner zeigt, dass es völlig in Ordnung ist, Dinge zu mögen, die andere peinlich finden. Dass man sich nicht entschuldigen muss. Wenn bestimmte Musik, Filme oder Hobbys einem Freude machen, dann reicht das eigentlich schon als Begründung.
Dabei wirkt das Buch nie belehrend. Die Figuren sind keine perfekten Vorbilder, sondern Menschen mit Unsicherheiten, Widersprüchen und schlechten Entscheidungen. Gerade deshalb fühlen sie sich so echt an. Viele Millennials werden sich vermutlich in den Gedanken und Erfahrungen der Erzählerin wiederfinden.
Ein Buch wie eine Umarmung
„I am cringe, but I am free“ ist witzig, ehrlich und an vielen Stellen überraschend berührend. Es feiert Individualität, ohne kitschig zu werden, und macht Mut, sich nicht ständig an anderen auszurichten.
Vor allem aber erinnert Verena Bogner daran, dass das eigene Leben besser wird, wenn man aufhört, jemand anderes sein zu wollen. Auch wenn das von außen vielleicht ein bisschen cringe aussieht.
Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses Romans: Wer mit sich selbst im Reinen ist, muss gar nicht cool sein. Dafür frei.
Text: Alexandra Caspar
Foto: Amac Garbe