Was bedeutet es für ein Huhn, wenn es auf einer riesigen Hühnerfarm geboren wird und schon in den ersten Lebenstagen auf Förderbändern landet? Wenn wir ihm die Eier wegnehmen, sie aufschlagen und ein Omelett daraus machen? Wenn es auf einen Lastwagen verfrachtet wird, der es zum Schlachthof bringen soll? Der ungarische Filmemacher György Pálfi gibt potenzielle Antworten darauf.
Getauschte Perspektiven
Pálfis Henne, die von acht realen Hühnern verkörpert wird, gelingt die Flucht vom LKW. Und nun beginnt ihre eigentliche Odyssee. Füchse und Hunde wollen ihr an den Kragen, schließlich landet sie auf dem Hinterhof eines heruntergekommenen griechischen Restaurants. Hier verdreht sie dem Hahn den Kopf und entwickelt einen unbändigen Wunsch: Kükenmutter werden. Allerdings drängen sich alsbald die Probleme der Menschen in den Vordergrund, die Pálfi hier geschickt einfließen lässt. Und die kosten sie fast das Leben. Doch es wird sich zeigen, wer sich in dieser Tragikomödie durchzupicken weiß.
Pálfi gelingt mit seinem neuesten Werk eine amüsante Fabel über grundlegende Fragen des Lebens. Vor allem aber stellt er menschliche Hierarchien auf den Kopf, sehen wir uns doch oft als die Krone der Schöpfung an. Beachtenswert ist, dass der Regisseur ohne CGI oder KI gearbeitet und dabei einen so unterhaltsamen wie lehrreichen Film erschaffen hat. Darauf ein Korn!
Text: Nadine Faust
Foto: Neue Visionen Filmverleih