Theatertipp des Monats: Der Wanderer über dem Nebelmeer

Es ist ein ungewöhnlicher Weg zu einem Theaterbesuch von einem Supermarktparkplatz entlang von Industrie- und Wohnbauten bis zu einem verwunschenen Schloss. Die Comödie Dresden selbst spricht von einem Dornröschenschlaf, aus dem es das einstige Barockschloss 2019 erweckte. Und märchenhaft wird das Ambiente dann vor allem, wenn die Sonne untergeht und der Garten des Schlosses durch kleine Lampen erhellt wird. Bis zum 3. September ist dort noch das Musical „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ zu sehen.

Zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich hatte der künstlerische Leiter der Comödie, Christian Kühn, die Lebensgeschichte des berühmten Künstlers der Romantik mit der Musik von Silbermond verflochten. Schon beim Platznehmen fällt das spartanische, aber äußerst stimmige Bühnenbild auf, das eindeutig an Friedrichs „Eismeer“ angelehnt ist und der Geschichte den passenden Rahmen bietet – von der Kindheit Friedrichs mit Bruder Christoffer über die frühe Ehe mit Caroline Bommer bis hin zum Sprung ins Jetzt, in dem das Thema Klimaaktivismus eine gewichtige Rolle spielt. Kühn, der das Stück extra für die sommerliche Spielstätte als eine Art Protagonistin entwickelt hat, verbindet so drei Zeitebenen miteinander: die des Lustschlosses, das August der Starke nutzte, mit Friedrichs Zeit der Romantik und dem Jetzt, für das auch die Musik von Silbermond Pate steht. „Für mich ist genau das die Aufgabe von Theater: Vergangenheit nicht zu konservieren, sondern sie mit unserer Gegenwart ins Gespräch zu bringen“, sagt Kühn.

Wanderer zwischen den Zeiten

Diese Gegenwart wird verkörpert durch Edgar, Lasse und Sabine, die alle einen anderen Blick auf den „Wanderer über dem Nebelmeer“ haben. Für die einen ist er Mittel zum Zweck zum Erreichen politischer Ziele, für andere eine lukrative Geldquelle. Doch Edgar bekommt dann auf wundersame Weise einen völlig neuen Zugang zu Friedrich und seinem Gemälde. Friedrich, der mit sich und der Welt hadert und dadurch auch seine junge Ehe gefährdet – zumal der smarte Carl Gustav Carus im Haushalt der Friedrichs ein und aus geht. Und Carolines Mutter Friederika ist der düstere Caspar eh nicht ganz geheuer.

Luftaufnahme Elbschloss Übigau © Robert Jentzsch
Luftaufnahme Elbschloss Übigau © Robert Jentzsch

Die Songs des Silbermond-Albums „Leichtes Gepäck“ wirken dabei mehr wie ein Kommentar als wie ein integraler Bestandteil des Stücks. Und wer Konzerte der Bautzner Band kennt und mag, dürfte die Stimmung und die Stimme von Stefanie Kloß dann doch vermissen. Zumal nicht allen Darsteller:innen immer die passenden Töne entweichen. Besonders Florentine Beyer als Caroline Friedrich, Felix Heller als Carl Gustav Carus und Nicole Klünsner als Sabine stechen aber positiv hervor. Alles in allem gelingt die Fusion aus Barockkulisse, düsterer Romantik und mehr oder weniger aufgeklärter Neuzeit jedoch. Und wenn nicht, dann muss der gute alte Goethe helfen – der war nämlich auch hier.

Wer noch mehr über Caspar David Friedrichs Werk erfahren möchte, dem seien die Sonderführungen im Albertinum ans Herz gelegt, die noch bis zum 13. September stattfinden. Außerdem erhalten Musical-Besucher:innen bis zum Ende des Jahres ermäßigten Eintritt im Albertinum. Ticket nicht vergessen! Eine immersive Ausstellung gibt es zudem in Bad Schandau.

Text: Nadine Faust

Foto: Daniel Tille alias Caspar David Friedrich im Kreise seiner Mitspieler:innen. © Robert Jentzsch

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