Wie trauert man richtig? Mit dieser Frage wird Lore schlagartig konfrontiert, als ihre Mutter stirbt. Zwar war ihr Tod abzusehen, doch inwiefern kann man sich darauf vorbereiten? Lore jedenfalls kämpft erst mit zugefrorenen Autoschlössern, dann mit Konventionen und letztlich auch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Sechs Wochen lang bekommt sie keine rechte Unterstützung. Ihre Großmutter würde alles ganz anders machen, will aber nicht mit zum Bestatter kommen. Die Schwester taucht gar nicht erst auf, schickt aber einen Pfarrer vorbei. Onkel und Tante überlegen, wie sie den Spargel ernten sollen, wenn keine billigen Arbeitskräfte ins Land kommen. Vor allem wollte ihre Mutter aber auch, dass ihre Asche verstreut wird …
Überzeugend trotz fehlender Förderung
Jacqueline Jansen legt mit „Sechswochenamt“ ein Spielfilmdebüt vor, das unter die Haut geht. Wir alle verlieren Menschen, viele von uns vermeiden das Gespräch darüber. Besonders über die letzten Wünsche, die damit einhergehen. Und niemand weiß so recht, was möglich ist. Jansen verarbeitet in ihrem Film den Tod der eigenen Mutter und anderer Angehöriger, eigene Erfahrungen, ihren Lernprozess. Die Geschichte ist trotzdem fiktionalisiert, auch wenn sie im heimischen Erkelenz spielt. Die Filmemacherin musste dabei einige Hürden überspringen. Förderer:innen ließen sich nicht überzeugen, ihr Budget in Eigenproduktion belief sich auf nicht mal 100.000 Euro. Umso überzeugender, was sie daraus gemacht hat.
„Sechswochenamt“ feierte seine Premiere 2025 auf dem Filmfest München und konnte dort schon die ersten Preise abräumen. Seitdem war Jacqueline Jansen auf etwa 20 Festivals zu Gast und hat viel Zuspruch erhalten, zuletzt auf dem 23. Neiße Filmfestival. Der Film ist am vergangenen Donnerstag in den deutschen Kinos gestartet, die Spieltermine sind allerdings übersichtlich – besonders in Sachsen. Dabei ist Hauptdarstellerin Magdalena Laubisch in Leipzig aufgewachsen. Die nun 28-Jährige spielt die Lore so klar und unaufgeregt in ihrer Trauer, ihrer Wut und ihrem Kampfgeist, dass auch sie schon in München ausgezeichnet wurde – absolut zu Recht.
Sechs Wochen ohne Pause
„Für mich ist Trauer eine sehr reine und pure Form, seine Liebe zu jemandem oder etwas zu äußern“, sagt Jansen. Und so wird in der römisch-katholischen Kirche sechs Wochen nach dem Tod oder der kirchlichen Begräbnisfeier noch einmal dem verstorbenen Menschen gedacht. Für Lore ist dies der erste wirkliche Moment, um innezuhalten. Selbst das Ende von „Sechswochenamt“ ist perfekt.
Die Dresdner Aufführung im Rahmen von Körners Corner im Programmkino Ost sei also unbedingt empfohlen. Auch die Passage Kinos in Leipzig zeigen den Film.
Text: Nadine Faust
Foto: Magdalena Laubisch als Lore © Filmweh, Markus Ott