Clubtest: Aquarium

Unweit des Hauptbahnhofes, in einem denkmalgeschützten Plattenbau aus den Jahren 1960-63, befindet sich der Studierendenclub Aquarium. Er wurde 1983 von Studierenden der Hydrowissenschaften gegründet und lag ursprünglich im Dachgeschoss des Hochhauses. 2001 musste er aus Gründen des Brandschutzes in den Keller ziehen. Und so erkennt man den Club schon von Weitem an der Leuchtschrift und den Treppen, die nach unten führen.

Vorteilhafte Lage

Die Innenstadtnähe des Clubs hat Vor- und Nachteile. „Zur Weihnachtszeit haben wir  einen größeren Andrang von Leuten, die von den Weihnachtsmärkten herkommen. Entweder nehmen sie uns einen Teil der Kundschaft weg oder sie sorgen dafür, dass wir überfüllt sind“, erklärt Artur Revinskiy. Er studiert Molekularbiologie und Biotechnologie im Bachelor an der TU Dresden und kam durch seine Liebe zu Getränken zum Club. Er erzählt: „Vor dem Studium habe ich eine Zeitlang als Vollzeit-Barkeeper in der Systemgastronomie gearbeitet. Und dann habe ich mir gedacht, dass ich immer noch gerne Getränke zusammenmixen würde, aber ohne den Gastrostress. Während der Erstiwoche war ich hier und es hat mir gefallen. Also habe ich mich an die Bar gesetzt und nachgefragt, wie ich Vereinsmitglied werden kann.“

Alexandra Apel, die im Master Chemie an der TU Dresden studiert, betont das Gemeinschaftsgefühl: „Ich mixe gerne Drinks, ich habe das nach dem Abi eine Weile als Aushilfsjob gemacht. Ich war oft als Gast hier und mochte die Atmosphäre. Und dann hat mich jemand gefragt: ‚Wenn du das schon mal gemacht hast, willst du es nicht hier probieren?‘ Ich finde es einfach schön hier, grade an einem Abend, wenn Mitglieder aus anderen Clubs hier sind, dann werden Spiele gespielt und es wird gequatscht.“

Besonderheiten des Clubs

Auf der Getränkekarte stehen fast 100 Cocktails, viele davon haben einen Bezug zum Wasser-Thema. Dazu kommen Longdrinks und Shots sowie eine Auswahl an Spirituosen. Das günstigste Getränk ist Mineralwasser, das teuerste und einer der Bestseller die „Pure Sünde“: ein Cocktail, den man gemeinsam mit anderen trinkt.

Eine Besonderheit: die Tischbedienung. Das führt dazu, dass man an stark frequentierten Abenden wie dem Kneipenquiz oder einer Länderparty des Erasmus Student Networks etwas länger warten muss, dafür entfällt das Schlangestehen an der Bar. Außerdem hat der Club, etwas versteckt, einen Raucherraum.

Neben dem Quiz findet im Club regelmäßig Karaoke statt sowie Abende, an denen gilt: „Würfel dein Getränk“! Auf Wunsch kann man dann die Zutaten seines Cocktails über den titelgebenden Würfel bestimmen lassen. Manchmal treten auch lokale Bands auf. An der Bar können sich die Besucher:innen außerdem Brettspiele ausleihen.

Engagement gesucht

Ähnlich wie andere Studierendenclubs kämpft das Aquarium mit Personalschwund. Alexandra Apel fasst zusammen: „Ein Problem ist, dass unsere Mitglieder langsam älter werden, teilweise mit dem Studium fertig sind. Es fehlen ein paar neue.“ Artur Revinskiy ergänzt: „Die Leute denken, dass wir so viele sind. So viele sind wir aber nicht.“

Einen Grund dafür sieht Alexandra Apel im Finanziellen: „Das Leben ist teuer. Wer zusätzlich zum Studium Zeit hat, geht eher arbeiten und macht nicht ehrenamtlich etwas.“

Im Aquarium bedeutet Engagement, dass man circa alle zwei Wochen einen Bardienst macht, der von 19.30 bis 1 Uhr nachts gehen kann, dazu das Putzen am nächsten Tag. Bei großen Veranstaltungen gibt es Schichten. Und auch hier kommt dem Club zugute, dass zwischen Tisch- und Bardienst unterschieden wird. Denn so werden die Aufgaben auf zwei Bereiche aufgeteilt.

Doch die Arbeit zahlt sich aus – finanziell und sozial. Alexandra Apel erklärt: „Wir kriegen hier und in allen anderen Studentenclubs auf Getränke, die wir bezahlen, Rabatt. Hier sind es 70 Cent, in einem anderen Club sind es z. B. 50 Cent. Und wir kriegen pro Dienst auch ein bestimmtes Guthaben, das wir für Getränke und Snacks verwenden können. Außerdem gehen wir auf Events, z. B. einmal jährlich auf die Clubfahrt. Letztes Mal waren wir an der Ostsee.“ Artur Revinskiy ergänzt: „Essen und Trinken gehen auf Kosten des Clubs. Man könnte sagen, es ist ein kurzer All-Inclusive-Urlaub.“

Ein Wermutstropfen

Abgesehen vom fehlenden Nachwuchs bereitet dem Club auch das Klientel Probleme. Denn mit steigendem Pegel scheint sich der Anstand zu verflüssigen. Artur Revinskiy beschreibt: „An manchen Abenden wünscht man sich, dass sich die Gäste ein bisschen mehr benehmen würden. Wir haben in letzter Zeit bei manchen Veranstaltungen den Club echt in katastrophalen Zuständen wiedergesehen.“

Text: Vivian Herzog

Foto: Amac Garbe

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