Campuskolumne

Die E-Mail, welche auf meinem Handybildschirm angezeigt wird, wurde von meinem Vermieter gesendet, und nun ist es meine Aufgabe, sie zu lesen und zu antworten. Mein Kopf beginnt zu glühen und das einzige, an was ich denken kann, ist die stressfreie Zeit, in der Umzug und Spamnachrichten vorbei sind. Bleibt nur die Frage, wie ich es schaffen kann, die Schwierigkeiten zu beheben.

Die Temperaturen steigen, sowie mein Stresspegel. Denn ich bin auf der Suche nach einem Nachmieter. Meine Wohnung liegt nicht zentral und ihr Preis-Leistungs-Verhältnis ist für die Landeshauptstadt Dresden wirklich sehenswert. Am Anfang meiner Suche war ich davon überzeugt, in kurzer Zeit einen potentiellen neuen Mieter zu finden. Da ist mir wahrscheinlich die Hitze in den Kopf gestiegen, es war ein Irrglaube.

Nachdem ich auf Internetplattformen meine Wohnung attraktiv hergerichtet und hochgeladen habe, warte ich auf Nachrichten aller Art. Nach wenigen Tagen findet sich auch ein netter Mann und sein Interesse ist überzeugend. Mein Vermieter jedoch wendet sich gegen ihn, da er nicht aus Deutschland kommt, und mit diesem Argument werde ich ein verärgerter Student, der verzweifelt nach einem Nachmieter sucht. Die Uhr tickt, mein Auszug muss geplant werden, das Geld wird immer weniger und der Zorn gegenüber meinem Vermieter steigt, denn er lehnt auch die nächste potentielle Nachmieterin ab.

Mir wird es sichtlich nicht leicht gemacht, bis es mir egal wird.

Wenige Menschen kommen bei mir vorbei, jedes Mal nehme ich mir die Zeit und räume zuvor die gesamte Wohnung auf. Ein guter Eindruck ist alles, denke ich. Die meisten sagen mir nach einer Nacht bereits ab oder halten es nie für nötig, mir eine Rückmeldung zu geben. Die Wohnungssuche in einer großen Stadt ist nicht einfach, aber eine Wohnung los zu bekommen auch nicht.

Ich beginne, die Sozialen Medien zu nutzen, um meine Wohnung anzupreisen, was sich als guter Tipp erweist. Zudem lösche ich die Anzeigen auf anderen Onlineportalen und lade sie erneut hoch, damit mein Angebot in den Tiefen des Internets aktuell bleibt.

Während meine Verzweiflung immer größer wird, kümmere ich mich um alles andere: Strom und Internet kündigen, Möbel loswerden … In solchen Situationen frage ich mich oft, warum die Vorgehensweise, Rechte und Wichtigkeiten nie gelernt werden. Hätte ich mich vor zwei Jahren nicht allein in den Wohnungsjungle gestürzt und aus meinem Fehlerhaufen gelernt, wäre ich dumm in eine Großstadt gezogen. Ein Dach über dem Kopf zu haben ist wichtig, ein Bedürfnis. Und wie das funktioniert, werde ich meinen Kindern später auf jeden Fall erklären, damit sie weniger Stress haben.

Doch vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken, denn als es mir egal wird, platzt der Druck im Kopf und ich schmiede einen Plan B. Zu Hilfe hole ich einen Freund, der mir gern konstruktive Kritik mit auf den Weg gibt. Er ist im Gegensatz zu mir mehr rational und vernünftig und somit habe ich eine Handvoll Lösungen. Nicht optimal, aber die wenigen Möglichkeiten, die ich noch habe.

Irgendwann kommt eine junge Frau zur Besichtigung meiner Wohnung. Müde und mit einem Kaffee in der Hand öffne ich meine Tür und bitte sie herein. Nach zehn Minuten steht ihr Entschluss fest, dass sie die Wohnung übernehmen möchte. Vielleicht lohnt es sich manchmal, sich weniger Gedanken und Sorgen zu machen, damit man nicht zu verkopft die Hürden vergrößert und leichter mit schweren Situationen umgehen kann. Also: Nicht aufgeben, der nächste Mieter kommt bestimmt!

Text: Anne Pollenleben

Foto: Amac Garbe

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