Rad i. O.?

Inzwischen hat sich der Frühling ordentlich Mühe gegeben und die ersten wunderbar warmen und sonnigen Tage beschert. Die Winterstarre fällt von uns und wir sind motiviert, den Seriensonntag gegen einen Ausflug zu tauschen, vielleicht eine Fahrradtour? Doch herrje, das treue Gefährt befindet sich ja noch im Tiefschlaf. Zeit es aufzuwecken!

Wer kennt das nicht? Wenn es um Reparaturen am Fahrrad geht, findet sich immer schnell eine Ausrede: „Es fährt ja noch!“ Doch am liebsten möchte man sich die Ohren zuhalten bei dem Lärm. „Mir fehlt das passende Werkzeug.“ „Ich habe keine Ahnung, wie ich das Problem beheben kann.“ „Keine Zeit und Geld für die Werkstatt gibt mein Budget auch grad nicht her.“ Auch diese Rechtfertigungsversuche fallen oft.

Abhilfe schafft die studentische Dresdner Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt Rad i.O. Hier kann jeder Radfahrende sein Gefährt eigenhändig wieder i.O. = in Ordnung bringen und bekommt dabei „Hilfe zur Selbsthilfe“. Zweimal in der Woche, montags und donnerstags, öffnet die Werkstatt von 16 bis 19.30 Uhr ihre Türen. Sie liegt campusnah in der Wundtstraße, im Erdgeschoss des Studentenwohnheims WU9. Bei gutem Wetter sieht man schon von Weitem eine Schar Schraubender vor der Tür. Hier geht es um das gemeinsame Lösen der großen und kleinen Probleme. Mittendrin laufen die ehrenamtlich Helfenden umher und stehen jedem beratend zur Seite, dem die Fahrradmechanik gerade ein Fragezeichen beschert. Denn auch Bastelwillige ohne Kenntnisse sind immer willkommen.

Rund 15 Studierende engagieren sich zurzeit in der Werkstatt. Im Wechsel betreuen sie die Öffnungszeiten. Gelegentlich, wie jetzt zum Auftakt der Fahrradsaison, wird am Samstag auch mal ein Zusatztermin angeboten. „Die Werkstatt gibt es schon seit mehr als 25 Jahren“, erzählt Studentin Christiane Gloger. Sie ist im Vorstand des Vereins Rad i.O., der seit einigen Jahren den „organisatorischen Rahmen bildet“. Gemeinsam wurden auch schon Fahrräder von und für Geflüchtete wieder fit gemacht. Und seit Kurzem hat in der Friedrichstadt mit Zum Rostigen Ross eine zweite Selbsthilfewerkstatt des Vereins geöffnet, die als Projekt vom Europäischen Sozialfonds unterstützt wird.

Neben der Gemeinschaftsförderung spielt für das Team auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Dass manche selbst ihr Fahrrad wie ein Einwegprodukt behandeln, sorgt bei Christiane Gloger nur für Kopfschütteln und Unverständnis. Fast alle Bauteile im Werkstattlager sind gebraucht. Hier findet sich immer ein passender Ersatz zum Selbstkostenpreis, wenn etwas gar nicht mehr zu reparieren geht. Viel Funktionsfähiges, was sonst in Kellern verstaubt oder bereits auf dem Schrott gelandet wäre, findet so noch einen glücklichen Nutzer. Es werden sogar kaputte Sättel wieder neu aufgepolstert und bezogen, sagt Christiane Gloger stolz.

Neben einem helfenden Auge der Freiwilligen hinter der eigenen Schulter ist für das eigene Reparaturprojekt natürlich auch das passende Werkzeug vorhanden: vom Abzieher für die Tretkurbeln bis zum Zentrierständer, um das eiernde Hinterrad wieder auf Kurs zu bringen.

Ist der zweirädrige Begleiter aus dem Winterschlaf geweckt und wieder in bestem Gesundheitszustand, kann es dann endlich auf Tour gehen. Die schönsten Ziele tragen wir für Euch in einer der nächsten Ausgaben der Sommerserie zusammen.

Text: Richard Rudat

Foto: Amac Garbe

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