Dresden, dein Kino

Dresden hat den Ruf einer Kinostadt. Doch woher kommt dieser Ruf und was macht die Liebe zum bewegten Bild aus? Ein Streifzug durch Lichtspielhäuser, Initiativen & Co., zuerst erschienen im aktuellen achten Band von Stadtluft Dresden.

Ein Löwe brüllt, eine Fanfare ertönt, ein Hahn legt ein Ei. Kurzum: Ein Film beginnt. Der mitunter so realistisch ist, dass Menschen schreiend den Kinosaal verlassen. So erzählt man es sich zumindest von „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“ der Gebrüder Lumière.

Ob es sich hierbei um eine moderne Sage handelt oder die Menschen am Ende des 19. Jahrhunderts wirklich dachten, der Zug würde die Leinwand durchbrechen, sei dahingestellt. So oder so verdeutlicht es die Magie, die Filme ausüben. Dass die im Kino besser wirken kann, dafür ist ein abruptes Zappeln eines Wäschebündels im japanischen Horrorfilm „Audition“ bei einer Vorführung im Rahmen des Asian Filmfestivals irgendwann Mitte der 2000er nur ein persönliches, aber immer noch eindrückliches Beispiel. Nicht umsonst hieß ein Werbeslogan fürs Medium einst: „Kino. Dafür werden Filme gemacht.“

Gemeinsam im Dunkeln

„Für mich ist Kino konzentriertes Sehen und das Zusammenspiel der Elemente – da gehört natürlich die Dunkelheit dazu, aber vor allem auch der Klang“, insistiert der freie Dresdner Film- und Musikjournalist Andreas Körner. Matthias Pfitzner, Geschäftsführer der PAN Veranstaltungslogistik und Kulturgastronomie GmbH und damit auch der Filmnächte am Elbufer, geht recht häufig ins Kino und ist dabei in verschiedenen Dresdner Spielstätten zu Gast: „Es gibt ja nichts Schöneres, als Filme mit vielen Leuten auf der großen Leinwand zu gucken. Das macht Spaß und das Filmprogramm ist nach wie vor sehr abwechslungsreich.“

Filmjournalist Andreas Körner
Filmjournalist Andreas Körner

Dass die Menschen in Sachsen eine besondere Beziehung zum Kino haben, das ist nicht neu. 2007 schrieb Carola Zeh in ihrer Dissertation über Kinoarchitektur, dass sich das Bundesland aufgrund seiner hohen Dichte an Filmtheaterbauten besonders für ihre Untersuchung eigne. „Sachsen, eine der frühen Industrieregionen Deutschlands, weist ein dichtes Städtenetz auf. Spätestens ab den 1920er Jahren gehörte ein Filmtheater zur kulturellen Grundausstattung jeder Kleinstadt …“ Schaut man sich die Kulturdenkmalliste Deutschlands unter dem Stichwort Kino an, hat Sachsen die größte Dichte an diesen Gebäuden vorzuweisen. Zudem: „Der Bezirk Dresden gehörte 1982 mit einem Anteil von 11% am Gesamtbesucherergebnis der DDR neben Karl-Marx-Stadt und Halle zu den wichtigsten Lichtspielbetrieben.“

Michael Rudolph, zur Jahrtausendwende sieben Jahre lang Betreiber des Einsaalkinos Casablanca, erinnert sich: „In der Zeit, als es internationale Filme nur sehr ausgewählt zu sehen gab, ist mit den DDR-Studiokinos eine Filmklubmentalität entstanden, die im Zuge der Wende mit den Spielstätten weitergewachsen ist.“

Für das Stadtgebiet zählt Carola Zeh seit 1896 160 solcher Spielstätten auf. Und da sind das Zentralkino als neuester Spross der Familie und das wieder geschlossene Kino in der Fabrik gar nicht dabei. Sowohl das Programmkino Ost als auch die Schauburg feiern wiederum bald 100-jähriges Bestehen.

Ein Projektor mit Geschichte

Ebenfalls nicht in Zehs Aufzählung: das Museumskino Ernemann VIIB in den Technischen Sammlungen, das seit über 20 Jahren auf Dresdens Vergangenheit als Kamerastadt verweist. Titelgebend ist immerhin der seit 1938 in den Ernemann-Werken hergestellte Projektor, der nur ein prominentes Beispiel Dresdner Filmtechnik darstellt. Diese Vergangenheit sowie die Dresdner Filmproduktion hat schon das Dresdner Heft Nr. 82 umrissen, so wie Carola Zeh in ihrer Doktorarbeit die Architektur ausführlich widerspiegelt.

Diese illustre Filmvergangenheit könnte ein Grund für die Kinoaffinität der Dresdner:innen sein – und da sind Namen wie das DEFA-Studio für Trickfilme samt dem Nachfolgearchiv Deutsches Institut für Animationsfilm oder der Regiekameramann und Sammler Ernst Hirsch noch gar nicht gefallen.

Einen anderen sehen Kinomacher:innen und Kenner:innen in der besonderen Geschichte der Landeshauptstadt als sogenanntes Tal der Ahnungslosen. „Dass Dresden eine Kinostadt werden konnte, hängt für mich mit dem DDR-Fernsehen zusammen. Dadurch sind wir mit den großen Filmnationen groß geworden, weil wir ja nicht viel anderes sehen konnten. Da liefen französische und italienische Filme. Bei mir war das die Grundlage für meine Liebe fürs Kino. In dem Moment würde ich also Tal der Ahnunghabenden daraus machen, denn unweit von Dresden hörte das schon auf. Wenn du Westfernsehen hattest, hast du ja kein DDR-Fernsehen geguckt“, erklärt Andreas Körner, Ende 1962 in Elbflorenz geboren, seine Theorie von der Kinostadt. Und resümiert: Nicht umsonst wären die Französischen Filmtage im Programmkino Ost so erfolgreich.

Sven Weser, einer der Geschäftsführer des Programmkino Ost, ergänzt: „Nach der Wende konnten kleine Arthouse-Betreiber wie wir davon profitieren, dass in Dresden überwiegend kein Westfernsehen empfangen werden konnte. Da war der Nachholbedarf das weltweite Filmschaffen betreffend vielleicht ein bisschen größer als im Rest des Landes und das Tal der Ahnungslosen ein kleiner Startvorteil, denn wir haben über Jahre hinweg Repertoirefilme gespielt. Danach konnten wir auf diesem Interesse aufbauen.“

Der Dresdner „Kinomogul“

Frank Apel, sagt Andreas Körner, sei in der DDR – auch durch seine Arbeit in der Bezirksfilmdirektion – durch sowjetische Filme beeinflusst worden. Der Dresdner „Kinomogul“, wie er gern genannt wurde, dies selbst aber nicht gemocht haben soll, da er damit einen Herrscher verbinde, der sich nicht um seine Untertan:innen kümmere, nennt an erster Stelle der Top 50 seines Filmkanons dann auch „Andrej Rubljow“ von Andrej Tarkowski. „Unerreichbar“, so sein Urteil, das nur jene nachlesen können, die mit Frank und seiner Familie verbunden sind. Letztere hatte nach dem plötzlichen Tod des 64-Jährigen im März 2020 ein kleines Heftchen mit ebenjenem Kanon, der viele westliche und auch zeitgenössische Werke enthält, an Wegbegleiter:innen herausgegeben.

Mit seinem Tod, der zufällig mit dem Beginn der Corona-Pandemie zusammenfiel, wurde das bis dahin jüngste Kind der Dresdner Spielstätten, das Kino in der Fabrik, nach 14 Jahren Betrieb wieder geschlossen. Begonnen hatte Apel aber während seines Studiums in den 1980er Jahren im Filmklub Marschnerstraße, den er im Oktober 1990 ins Nickelodeon, das erste Programmkino der neuen Bundesländer, überführte. Es folgte das kleine Einsaalkino Casablanca und wenig später der Umbau der Schauburg zu einem Dreisaalfilmtheater, wobei Apel „kein Problem damit hatte, die Visionsbar 1993 […] abzuschaffen“, wie er 2005 im Dresdner Heft schrieb. Er selbst hätte es nie für angemessen gehalten, Filme „mit Messer und Gabel klappernd aus einer Bar zu verfolgen“.

Mit der Umwidmung des 2001 geschlossenen Multiplex Bofimax im Waldschlösschenareal zum Arthouse-Tempel Metropolis hatte sich Frank Apel vielleicht verhoben – obwohl allein die künstlerische Ausgestaltung des Foyers durch Tilo Schiemenz angelehnt an den titelgebenden Film jeden Besuch wert war. „Dresden ist verrückt, was Kino betrifft. Dresden ist stabil, Dresden ist treu. Aber da wurde der hiesigen Kinolandschaft die Grenze aufgezeigt“, sagt Andreas Körner heute.

Programmkinos stocken auf

Während der Bauarbeiten an der Waldschlösschenbrücke 2009 wurde das Metropolis geschlossen. Apel zog sich aus der Mitarbeit im Cinemaxx und schließlich auch aus der Schauburg zurück, die nun Stefan Ostertag führt. Der ließ das Filmtheater in der Neustadt ab Frühjahr 2017 erneut umbauen und auf fünf Säle aufstocken – so wie Sven Weser und Jana Engelmann das Programmkino Ost knapp zehn Jahre zuvor.

„Frank Apel war kinoverrückt und kinoverliebt. Das war ein Kinonarr und das wiederum Teil seines Ichs. Und er hat sich immer über den Film genähert. Das war ein absolutes Original – sowas braucht eine Stadt. Die Kinoszene in Dresden würde anders aussehen ohne ihn“, sinniert Andreas Körner heute.

Heuer zählt Dresden vier Multiplexe und vier Programmkinos, die jeden Tag gewerblich spielen. „Stephan Raack ist auf einer anderen Ebene filmverrückt. Er passt sich neuen Umständen an und ist dadurch immer modern. Der zeigt in seinem Einsaalkino jede Woche den Film, den er zeigen will. Und ich denke, er steht auch hinter jedem Film“, resümiert Körner über den Betreiber des 2004 eröffneten Thalia-Kinos in der Dresdner Neustadt. „Ich glaube, seine Idee von Kino ist in Dresden ein Unikat. Er hatte sein Haus zum Beispiel fürs Rauchen geöffnet.“ Jetzt vervollständigt er sein Kino-und-Bar-Konzept ums „Cycling“. „Im Prinzip hat er die Casablanca-Idee weitergeführt – ein Wohnzimmerkino mitten in der Neustadt, ohne sich anzubiedern“, sagt Körner.

Preisgekrönte Kinoarchitektur

Das Casablanca ist nun seit 2013 geschlossen. Doch jedes Kino in Dresden habe seine eigene Rolle, findet Filmjournalist Körner. „Das ist abhängig vom Programm, von der Art und Weise, wie das Haus geführt wird, oder auch von der Architektur.“

Für letzteres ist das Rundkino ein gutes Beispiel. 1972 als Filmtheater Prager Straße eröffnet, war es der einzige Kinoneubau der Nachkriegszeit in Dresden und das erste Zweisaalfilmtheater in der DDR. „Wir haben uns damals in die Architektur und den großen Saal verliebt. Für uns ist das Rundkino eines der schönsten Kinos in Deutschland gerade durch die ikonische Architektur“, sagt Paulina Mertins, Geschäftsführerin des Cineplex Dresden, wie das Rundkino seit 2011 offiziell heißt. „Das Kino besticht vor allem durch unseren Saal 1. Mit fast 900 Plätzen haben wir damit Sachsens größte Leinwand und einen wirklich außergewöhnlich großen Kinosaal. Wir haben ihn auch technisch auf den neusten Stand gebracht und mit Laserprojektion und Dolby-Atmos-Sound einen ganz besonderen Saal.“

Im Oktober 2022 wurde das 50-jährige Bestehen des runden Kinobaus gefeiert – natürlich mit reichlich audiovisuellem Material und einer Diskussion zur Rettung der Ostmoderne. Die wiederum ist heute an diesem Beispielbau nicht mehr so gut sichtbar. Bei der Errichtung fast freistehend, wird das Rundkino nun von Wohn- und Geschäftsbauten eingefasst. Im Süden grenzt zudem ein ebenfalls sehr auffälliger Kinobau an.

1997/98 nach Entwürfen des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au als Erweiterung des Rundkinos entstanden, stand der UFA-Kristallpalast nach den Schäden des für Dresden wegweisenden Jahrhunderthochwassers 2002 und dem Rückzug der UFA aus dem Rundkino ganz für sich. Dabei lässt sich die namensgebende Architektur am besten vom Rundkino aus, das ebenso wie der Kristallpalast mittlerweile sieben Säle zählt, erfassen.

Neues in der Mitte

„Das UCI – für mich faszinierend – hat Umlandbedeutung“, erzählt Andreas Körner. Vor ein paar Jahren habe er zu dem Thema recherchiert und herausgefunden, dass die Jugend aus dem Umland dafür Ausflüge zum Multiplex in den Elbepark im Dresdner Nordwesten macht, anstatt in die Spielstätten vor Ort etwa in Meißen oder Pirna zu gehen.

„Jedes Kino hat für sich genommen seine Berechtigung“, sagt Körner. Generell ist er von der Vielfalt in der sächsischen Landeshauptstadt begeistert. „Diese Ballung an Kinokultur gibt es nur hier“, sagt er und zählt im gleichen Atemzug Initiativen und Filmfestivals wie die schmalfilmtage, das Kino im Kasten, den Club Passage oder auch die Filmnächte am Elbufer auf. Er selbst verantwortet zusammen mit dem Programmkino Ost die Veranstaltungsreihe Körners Corner, die seit mehr als zwölf Jahren Filme und ihre Macher:innen in ausführlichen Gesprächen dem Publikum zur Disposition stellt. „Und dann der extreme Mut von Bernhard Reuther, jetzt noch das Zentralkino aufzumachen.“

Bernhard Reuther, der 20 Jahre lang das kleine Kino im Dach in Striesen betrieben hat, eröffnete 2020 das Zentralkino im Kraftwerk Mitte. „Ich habe schon viele Jahre nach einem sinnvollen Platz für ein Kino gesucht. Denn neben der unmittelbaren Nähe zum Programmkino Ost war das Kino im Dach nicht barrierefrei und bei sommerlichen Temperaturen hat man es fast nicht ausgehalten.“ Da kam es ihm gelegen, dass die DREWAG die kulturelle Umgestaltung des ehemaligen Kraftwerk Mitte vorangetrieben hat. Sein Konzept: „Ich versuche, Kino für alle zu machen. Das bezieht sich auf die Filme, aber auch auf die Barrierefreiheit.“ Schwerpunkte setzt er bei Dokumentarfilmen, dem queeren Programm und Nachwuchsarbeiten.

Prämiertes Studikino

Hinzu kommen Spielstätten wie das studentische Kino im Kasten, das zuletzt den Hauptpreis für das beste Jahresfilmprogramm 2022 für alternative oder nichtgewerbliche Abspielstätten der Mitteldeutschen Medienförderung bekommen hat – und schon 2018 den Sonderpreis. Kein Einzelfall! Den Hauptpreis für das beste Jahresfilmprogramm 2022 staubte das Thalia ab. Auch Programmkino Ost, Zentralkino, Schauburg und das Clubkino im Lingnerschloss waren unter den Gewinner:innen.

Ähnlich sieht es auf Bundesebene aus. Auf der Liste der Kinoprogramm- und Verleiherpreise der Bundesregierung sind die Dresdner Kinos regelmäßig vertreten. Das Programmkino Ost etwa hatte den Spitzenpreis für das deutschlandweit beste Jahresfilmprogramm 2013 bekommen. Um die Jahrtausendwende war dies auch der Schauburg gelungen. Preisgelder fließen in die sächsische Landeshauptstadt nun regelmäßig.

Dass auch das Publikum das Programm der Dresdner Kinos honoriert, das zeigen die jährlichen Kinobesuchszahlen der Filmförderungsanstalt. Während deutschlandweit 2022 0,93 Tickets pro Einwohner:in verkauft wurden, gingen die Dresdner:innen durchschnittlich 2,1-mal ins Kino. Öfter besuchten nur die Menschen in Freiburg (2,38-mal) und Bochum (2,24-mal) ein Lichtspieltheater, wenn man die Großstädte über 200.000 Einwohner:innen und mit genügend Spielstätten betrachtet. Kassel liegt gleichauf. Damit hatte Dresden den größten Zuwachs im Vergleich zu 2021.

Dresden an der Spitze

Im ersten Corona-Jahr 2020 lag Dresden mit durchschnittlich 1,2 Besuchen sogar bundesweit an der Spitze. In ganz Deutschland waren es zu dieser Zeit 0,46 Tickets. Vor der Pandemie hatte sich die sächsische Landeshauptstadt bei knapp drei Tickets pro Einwohner:in eingependelt und sich damit auf den vorderen fünf Plätzen unter den Großstädten in der Bundesrepublik bewegt.

Eine Gefahr durch Streamingdienste sieht Andreas Körner nicht. „Die Diskussion gab es ja schon früher. VHS-Kassette: Kino tot. DVD: Kino tot. Beamer: Kino tot. Bei allem Neuen wurde der Tod des Kinos vorausgesagt. Nichts ist eingetreten.“ Bernhard Reuther sieht das ähnlich. Zwar haben Streamingdienste durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen einen deutlich größeren und schnelleren Zuspruch erhalten. „Leute, die nicht ins Kino gehen wollen und zu Hause gucken, kann man eh nicht erreichen. Ich kenne aber viele, die gern ins Kino gehen und Streaming eher als Ergänzung sehen.“ Man könne dann zum Beispiel einen Vorgängerfilm gucken, der sowieso nicht mehr im Kino läuft.

Nicht oder nur selten im Kino sind Kurzfilme zu sehen. Dem entgegen wirkt aber nicht nur die Arbeitsgemeinschaft Kurzfilm, die seit 2002 als Verein in Dresden besteht, sondern vor allem auch das Filmfest Dresden. 1989 als Filmfest Dresden-Süd gegründet, entwickelt es sich nach und nach zum International Short Film Festival, das jedes Jahr über 300 kurze Filme in den Dresdner Kinos und auf dem Open Air zeigt. „Das Filmfest hat uns Internationalität gebracht. Damit erscheinen wir auch außerhalb auf der filmischen Landkarte und das ist für Dresden ein Geschenk“, sagt Andreas Körner.

„Wir bringen den deutschen und internationalen Kurzfilm nach Dresden und damit auch internationale Filmschaffende“, stimmt Anne Gaschütz, Co-Leiterin des Filmfestes, zu. „Die Kinos, mit denen wir zusammenarbeiten, sind ein großer Bestandteil des Filmfestes, und jedes Kino hat seine Besonderheiten. Damit tragen sie sehr zur Atmosphäre des Festivals bei und wir bringen wiederum anderes Publikum in die Kinos. Das ist eine gegenseitige Befruchtung“, ergänzt sie.

Das erfolgreichste Open-Air-Kino Deutschlands

Eine Zusammenarbeit gibt es auch mit den Filmnächten am Elbufer, wo nicht nur die Kurzfilmnacht stattfindet, sondern seit einigen Jahren auch „Vorfilme“ vor Langfilmen gezeigt werden. 1990 gab es zunächst ein Open-Air-Kino im Alaunpark, 1991 war dann die Geburtsstunde der Filmnächte am Elbufer. „Heute ist es fast einmalig, wenn man hier eine ausverkaufte Filmveranstaltung mit 3.800 Leuten hat – das gibt es bundesweit sonst nirgends“, erzählt Filmnächte-Chef Matthias Pfitzner. „Es freut uns, dass die Identifikation sehr hoch ist.“ Für das Jahr 2018 bekamen die Filmnächte von der Filmförderungsanstalt so auch erstmalig den Sonderpreis für das erfolgreichste Open-Air-Kino in Deutschland.

Es ist die Begeisterung aller fürs Metier, die die Kinostadt Dresden ausmacht. Seien es neugierige Kinder in der Trickfilmschule Fantasia, die erste Filmversuche machen, volle Filmvorlesungen an der TU Dresden oder Amateurfilmer:innen, die in 40 Stunden einen Beitrag fürs Festival Dogs, Bones and Catering drehen. Es gibt schmalfilmtage für Fans des Analogen und Stummfilmtage für den Film ohne gesprochenes Wort. Junge Menschen kommen bei den Schulkinowochen oder auch dem Kinolino auf ihre Kosten, wofür der Objektiv e. V. mit seinem medienpädagogischen Ansatz sorgt. Die Osteuropäischen Filmtage erweitern den Blick gen Osten. Hinzukommt das Menschenrechtsfestival MOVE IT! und Studierende der Medizin, an der Fachhochschule sowie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft haben sogar ihr eigenes Hochschulkino. Bei Balance Film entstehen Fritzis Wendewundergeschichten und die Filmgalerie Phase IV steht nicht nur für Freund:innen des Home Entertainment offen, sondern sie tut sich auch immer mehr als soziokulturelles Zentrum hervor.

Schon 1929 begann Victor Klemperer mit seinem Kinotagebuch, in dem er seine Kinobesuche resümierte. 2016 veröffentlichte der Schriftsteller Michael Wüstefeld seine Kinogeschichten. Zuletzt Frank Apels Filmkanon. Das macht Lust, die eigene Kinokartensammlung zu durchstöbern. Oder in der Dresdner Kinolandschaft eine Karte hinzuzufügen. Und der nächste Film beginnt.

Das Bookzin Stadtluft Dresden ist gerade zum achten Mal erschienen. Die drei Herausgeber Amac Garbe, Thomas Walther und Peter Ufer sowie die zahlreichen Autor:innen wollen die Stadt Dresden in all ihren Facetten zeigen – besonders jenen, die es nicht in die überregionale Darstellung schaffen. Die Mischung aus Buch und Magazin ist im deutschsprachigen Buchhandel erhältlich. 

Text: Nadine Faust

Fotos: Amac Garbe

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