Filmtipp des Monats: Das Mädchen mit den goldenen Händen

Ein Film, gedreht und handelnd im Osten Deutschlands, an tristen Orten, langsam und grau. Eine Mutter, die versucht, ihre Vergangenheit zu halten. Eine Tochter, die versucht, sich in der Vergangenheit der Mutter, ihrer Vergangenheit zu finden.

Aufgrund des 60. Geburtstag von Gudrun (Corinna Harfouch) reist ihre Tochter Lara (Birte Schnöink) zurück in ihr Heimatstädtchen, in die Provinz Ostdeutschlands. Gudrun erfährt während ihrer Geburtstagsfeier, welche in dem Waisenhaus stattfindet, in dem sie groß geworden ist, dass es verkauft werden soll. Das versucht sie vehement zu verhindern und stößt auf einen Zwiespalt der Dorfgemeinschaft. Ihre Tochter hingegen möchte mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter, ihren leiblichen Vater und letztlich über sich erfahren und stößt bei ihrer Mutter damit auf Granit. Während der Streit um das Waisenhaus zu eskalieren droht, indem Gudrun das alte Haus besetzt, möchte Lara verstehen, warum dieses Gebäude für ihre Mutter so existenziell ist, und begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Dies führt sie nach Berlin, wo sie auf eine Jugendaffäre von Gudrun stößt, die scheinbar Antworten auf Laras Fragen geben kann.

Eine Geschichte über Figuren, die als Familiendrama oder auch als Symbolik der deutschen Geschichte und ihre Konsequenzen gesehen werden kann. Ein Film über Suche, Verbitterung, Verletzungen, Fragen und Hoffnung im Unerwarteten.

„Das Mädchen mit den goldenen Händen“, das Regiedebüt von Katharina Marie Schubert, ist ein Film, der langsam, atmosphärisch ist, die Geduld der Zuschauenden brauchend, um sie in die Stimmungen der Figuren einzuführen. Es braucht etwas Geduld, sich auf das langsame Tempo einzulassen. Doch mit dem Film entwickelt sich ein Gefühl für die einzelnen Figuren und das lässt erahnen, was es heißt, sich in Zeiten der DDR verloren zu haben und sich in den Zeiten nach der Wende wiederfinden und neu entdecken zu müssen. Einblicke in eine Mutter-Tochter-Beziehung, die auf Verlust und Suche verweisen. Der von den Bildern und der Atmosphäre lebende Film wirft die Frage auf, wie und wann man die Vergangenheit loslassen soll und was man aus ihr lernen kann und lässt einen mit dem Sinnbild der goldenen Hände zurück, welches als Symbolik für die Verbindung von Tochter und Mutter und die Gemeinsamkeit ihrer Vergangenheit verstanden werden kann.

Ein Familiendrama eingebettet in gesellschaftlich-historischen Kontext oder viel mehr ein Film über historische Nachwehen, aufgezeigt anhand einer Familienproblematik.

Text: Anika Radewald

Zum Foto: Gudrun (Corinna Harfouch) auf dem Fahrrad

Foto: © 2021 Wild Bunch Germany

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