Eine Uni weiter

Ein Uniwechsel bringt Veränderungen mit sich. Was vor der Pandemie schon galt, das gilt jetzt erst recht. Umzug, Wohnung, Studium – tausend Dinge wollen erledigt werden. Und wenn der erste Schritt erst einmal getan ist, bleibt immer noch viel zu tun.

Meinen ersten Schritt tat ich im Februar 2020 – mit der Bewerbung auf einen Wohnheimplatz in Heidelberg. Damals erschien die Pandemie noch fern und die Zukunft berechenbar. Im August erhielt ich dann die gute Nachricht: Ich hatte einen Platz erhalten. Zum ersten Mal von zu Hause ausziehen. Ein großer Schritt für mich. Es gab vieles, an das es zu denken galt: Pfannen, Bücher oder Steckerleisten. Ein buntes Sammelsurium an Ramsch stapelte sich langsam, aber sicher im Kofferraum meines Autos. Während dieser Berg immer höher wurde, wuchsen auch meine Sorgen. Hatte ich an alles gedacht? Schon am ersten Abend fiel mir auf, dass es sich ohne Topf schlecht kochen lässt und ohne Besen schlecht kehren. Meine CDs und eine bunte Mischung Lampen verstauben dagegen seitdem in den Regalen. Auch meine Sporttasche vereinsamte in den letzten Monaten zusehends.

In der Woche danach stellten sich mir nach und nach die nächsten Fragen: Bis wann den Wohnsitz ummelden? Was ist mit dem Rundfunkbeitrag? Wie werden die kommenden Monate aussehen und was wird sich im Studium verändern? Im Studium? Ja, auch dort stand für mich nach Erhalt der Wohnheimzusage und meiner Bewerbung im Oktober ein Wechsel an: Ostasienwissenschaft ersetzte nun Philosophie als Nebenfach. Anfangs war ich unsicher, ob die Immatrikulation für meine neue Fächerkombination klappen würde. Doch wider Erwarten machte mir nur die Anrechnung der Prüfungsleistungen im Hauptfach Geschichte Probleme: Noch im September fehlten mir die Ergebnisse einer Prüfung aus dem Wintersemester 2019/ 2020. Erst kurz bevor das neue Semester begann und ein halbes Dutzend Telefonate mit meinen Fachstudienberater*innen später wusste ich sicher, welche Kurse ich tatsächlich belegen musste. Aber hey, mit Bologna ist schließlich alles einfacher geworden.

Für extra Nervenkitzel sorgte auch eine neu hinzugekommene Orientierungsprüfung in Geschichte, die es an der TU Dresden nicht gab. Diese bestand in einer Klausur, die ich wegen meines höheren Fachsemesters im ersten Versuch bestehen musste. Sonst drohte die Exmatrikulation. Latein für das Geschichtsstudium nachlernen zu müssen, reicht schließlich nicht. Wobei mir aber zumindest das Anmeldeverfahren für den Latinumsvorbereitungskurs in Heidelberg einfacher erschien als noch zuvor in Dresden.

Je näher nun die Klausurenphase rückte, desto nervöser wurde ich. Die Vorgabe war, die Onlineklausuren handschriftlich zu lösen. Viele Klausuren waren aber auch zeitlich knapp bemessen und mit einer Abgabe per Mail verknüpft. So wurde das Scannen und Abschicken der Lösungen in den letzten Minuten einer Onlineklausur zum Wettlauf gegen die Zeit – vor allem mit einem langsamen Scanner oder einer schlechten Handykamera. Eine Erfahrung, die wahrscheinlich auch viele andere während der letzten Semester gemacht haben dürften. Umso glücklicher fühlte ich mich aber, als die letzte Prüfung geschrieben und die letzte Hausarbeit endlich abgegeben war.

Im Nachhinein erscheint vieles häufig besser und leichter, als es das tatsächlich war. Und doch bin ich überrascht, dass trotz des zweiten Shutdown-Semesters, der anfänglichen Schwierigkeiten um die Onlinelehre und vor allem trotz der vielen und schnell wechselnden Beschränkungen mein Uniwechsel so möglich war und gut funktioniert hat. Mein Semesterstart war zwar etwas chaotisch und chaotisch blieb es bis zu den Prüfungen auch. Trotzdem freue ich mich schon darauf, wenn es wieder weitergeht. Auch wenn die Onlinelehre viele Macken hat und selbst wenn das meiste vorerst so bleibt wie es ist: Irgendwas wird sich schon verändern. Und selbst wenn nicht – immerhin wird es wärmer und draußen bleibt es länger hell. Das ist auch schon mal etwas wert.

Text: Johannes Knop

Foto: Amac Garbe

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