Die reichste Frau der Welt verschenkt eine Milliarde Euro. Und zwar an einen Fotografen, der sie gekonnt um den Finger wickelt. So geschehen in Frankreich vor etwa 20 Jahren, als die L’Oreal-Erbin Liliane Bettencourt u. a. deswegen in die Schlagzeilen geriet. Sie hatte dem französischen Fotografen François-Marie Banier über Jahre hinweg ebenjene Milliarde Euro in Form von Schecks, Kunst und auf anderen Wegen vermacht und ihn sogar als Erben eingesetzt – sehr zum Missfallen ihrer Tochter Françoise Bettencourt-Meyers.
Auch der französische Filmemacher Thierry Klifa verfolgte die sogenannte Bettencourt-Affäre, die bis in die Politik und zum französischen Präsidenten Niolas Sarkozy reichte, und fragte sich, was sich wohl hinter den Kulissen abgespielt hat. Entstanden ist eine verdichtete und fiktionalisierte Geschichte, die sowohl einen persönlichen als auch universellen Zugang wagt. Klifa macht dabei vor der historischen Verantwortung mächtiger Industrieller nicht Halt, war Bettencourts Familie doch vor der Besetzung Frankreichs durch Nazideutschland mit der rechtsextremen Gruppierung Cagoule und während der Besetzung mit dem Vichy-Regime verstrickt.
Der Regisseur betrachtet seine Figuren aber weder mit Pathos noch mit erhobenem Zeigefinger. Er zeigt sie als Menschen – und natürlich mit anderen Namen. Zusammen mit seinen Ko-Autoren hat er sich für eine Komödie entschieden, „um dieses zutiefst menschliche Drama mit einer gewissen Distanz anzugehen“. Und so schwanken Zuschauende zwischen Staunen und einem ungläubigen Lachen. Denn Laurent Lafitte mimt den großkotzigen Fotografen derart überzeugend, dass er dafür einen César als bester Schauspieler abgeräumt hat. Ganz zu schweigen von Isabelle Huppert, die als abgehobene Milliardärin überzeugt.
Text: Nadine Faust
Foto: Geheimnisse, Intrigen und jede Menge Geld: Die schattenreiche Vergangenheit der Familie Farrère scheint Marianne (Isabelle Huppert) einzuholen. Wie ein moderner Mr. Ripley wird der Fotograf Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) immer mehr zum Teil der Familie. © Neue Visionen Filmverleih