Weniger ist manchmal mehr

Jahrhundertflut. Ein Wort, das vermutlich nicht mal ansatzweise beschreibt, wie es den Menschen ergeht, die davon betroffen sind, sich medial aber wunderbar ausschlachten lässt. Sondersendungen, die unsere Neugier befriedigen sollen, obwohl es mangels Strom, Internet und Telefonnetz eigentlich wenig zu berichten gibt. Kinder, die man vor die Kamera zerrt und denen man zweimal die gleichen blöden Fragen stellt. Oder Menschen, die aus dem Urlaub kommen und mit der Kamera begleitet werden, als sie erstmals nach der Flut ihr Haus betreten.

Bei letzterem hätte man der Familie den fertigen Beitrag gezeigt und sie vor die Wahl gestellt, ob er ausgestrahlt werden soll oder nicht. Nachdem das Filmteam die ganze Arbeit hatte. Aber die Familie wolle wohl auch zeigen, was es heißt, wenn das Haus unter Wasser steht.

Auch beim Besuch von Angela Merkel in betroffenen Gebieten der Eifel waren sich die Anwohner:innen nicht sicher, ob sie die Anwesenheit der Kanzlerin gutheißen sollen oder ob die Regierungsdelegation bei den Aufräumarbeiten vielmehr im Wege stehe – zumal es Berichte gibt, dass in einigen Orten Technisches Hilfswerk und Feuerwehr noch nicht einmal gesichtet wurden. Zumindest kann man Merkel kaum Wahlkampfgeplapper vorwerfen und wenigstens der an Multiple Sklerose erkrankten Malu Dreyer reichte sie eine helfende Hand, während Armin Laschet sich in ebenjenem Wahlkampf lachend selbst demontierte.

Nun bleibt abzuwarten, ob die unlängst versprochenen Soforthilfen und andere Versprechungen schneller bei den Menschen ankommen als die nächste Flut. Bei den Corona-Hilfen hat das ja auch ganz wunderbar funktioniert.

Text: Nadine Faust

Foto: Amac Garbe

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