Kurzer Dresdner

Die Dresdner Produktionsfirma Greenhouse feierte mit ihrem ersten 3-D-Animationskurzfilm „Sealand“ Weltpremiere auf dem diesjährigen FILMFEST DRESDEN und gewann den Goldenen Reiter des Publikums im Nationalen Wettbewerb.

Eine kriegsversehrte Großstadt. Ein offensichtlich verängstigter und gebeutelter Mann in Fliegermontur. Zwischen den Häuserschluchten schwirren Feuerbälle und furchterregende Eisenvögel. Während die Soldaten vor ihm schnurstracks ins Inferno laufen, strömen Vogel- und Rattenschwärme in die entgegengesetzte Richtung. Der Mann folgt ihnen und landet am Hafen, wo das Meer Rettung und Sackgasse zugleich verheißt. Er desertiert, steigt in ein verlassenes U-Boot und manövriert es geradewegs ins Ungewisse. Eine unheimliche Begegnung später öffnet er seine Augen in einer geradezu unwirklich schönen Welt. Ein Junge führt ihn durch einen Vergnügungspark auf einer Insel mitten im Meer und erst zum Schluss offenbart sich die Kehrseite dieses utopischen „Sealand“.

Was sich ein wenig wie der Plot eines Science-Fiction-Blockbusters liest, das ist der erste 3-D-Animatonskurzfilm aus dem Hause Greenhouse Production, der vom 9. bis 14. April beim 31. FILMFEST DRESDEN seine Weltpremiere feierte. Die Dresdner Produktionsfirma, die auf Werbefilme und 3-D-Visualisierungen spezialisiert ist, hat sich mit dem 18-minütigen Film einen Herzenswunsch erfüllt: „Wir fanden es wichtig, dass sowas mal angepackt wird. Unsere Region ist kein typisches Animationszentrum, aber so langsam kommt da einiges ins Rollen“, erklärt Greenhouse-Geschäftsführer Carsten Krätzschmar. „Gerade mit Kurzfilmen können sich junge Kreative ausprobieren und erste Erfahrungen mit diesem Medium sammeln.“

Regisseur des Kurzstreifens ohne Dialoge ist der 35-jährige Till Giermann. Er hatte bereits 2014 den Animationskurzfilm „Rue des Fleurs“ produziert und zwei Jahre später den Nachwuchsförderpreis des Filmverbands Sachsen erhalten. So wundert es nicht, dass das Produktionsteam mit Giermanns Drehbuchidee für „Sealand“ vor anderthalb Jahren wesentliche mitteldeutsche und sächsische Filmförderer überzeugen und die Finanzierung weitgehend sichern konnte. Eine Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr 2018 schloss die letzten Finanzierungslücken und die damit einhergehende ideelle Unterstützung spornte zugleich zum finalen Produktionslauf an.

Wenn Till Giermann von seinem Film spricht, ist ihm die Liebe zum Projekt anzuhören. Er erzählt von der Uridee einer utopistischen Insel, die von der kleinen Bohrinsel vor Großbritannien inspiriert sei, auf der ein paar Aussteiger in den 60er-Jahren die Mikronation Sealand nebst eigener Währung und eigener Flagge proklamiert hatten.

Dass es einen Deserteur geben würde, war von Anfang an klar. Die Idee einer zerstörten Stadt, von der aus der Deserteur in eine vermeintlich heile, utopische Mikrowelt flüchten würde, ist nach und nach gewachsen. Die Skyline erinnert dabei sicher nicht zufällig an jene New Yorks, die nicht nur im Katastrophenfilm, sondern spätestens seit 2001 auch real als Synonym für die nunmehr angreifbare westliche Welt steht. Der Vergnügungspark als Sehnsuchtsort unserer Kindheit erschien Giermann schließlich als ideales Szenario für das Ziel der Flucht. Was sonst lebt so sehr vom schönen Schein? An der Umsetzung waren schließlich bis zu zwanzig Menschen beteiligt, die in der Dresdner Greenhouse-Zentrale auf dem Weißen Hirsch beziehungsweise an den eigenen Rechnern in Dresden, Leipzig oder Berlin die Figuren und (Alb-)Traumwelten zum Leben erweckt haben.

Vor der Weltpremiere beim FILMFEST DRESDEN, wo der Animationsfilm im Nationalen Wettbewerb lief, ist Regisseur Till Giermann sichtlich aufgeregt. Zwar hat der Film bereits einer internen Preview mit Kollegen und Angehörigen standgehalten, „das Filmfestpublikum ist aber erfahrungsgemäß ziemlich anspruchsvoll. Ich bin sehr gespannt, wie unser Film da ankommt.“ Doch schließlich gewinnt der Film den mit 4.000 Euro dotierten Publikumspreis. In jedem Fall bietet „Sealand“ viel Raum zum Nach- und Weiterdenken.

Text: Susanne Magister

Zum Foto: Ralf Daniel, Till Giermann und Carsten Krätzschmar (v. l.) freuen sich über den Gewinn des Goldenen Reiters.

Foto: Amac Garbe

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