Fahrradausleihe mit dem Semesterticket

Nach ähnlichen Projekten in Leipzig, dem Ruhrgebiet und anderen Städten gibt es sie auch in Dresden: Seit dem Wintersemester 2017/18 können Studierende der TU und der HTW mit ihrem Semesterticket Leihfahrräder von Nextbike nutzen. Doch die Einrichtung war aufwändiger als gedacht. Ein Blick in die Vergangenheit. Und ein Ausblick in die Zukunft.

Studenten und Fahrräder – eine innige Beziehung. Wer kennt nicht das typische Bild des DDR-Fahrrades, das liebevoll gepflegt und aufbereitet wird, um damit zu Vorlesungen und Bibliothek zu fahren? Dieses Bild ergänzen seit einiger Zeit silberne Räder mit auffälliger Radnummer und Werbung. Das Leipziger Unternehmen Nextbike ist bereits seit einigen Jahren in Dresden aktiv und betreibt die Räder durch eine Partnerschaft mit der DDV Mediengruppe unter dem Namen sz-bike. Durch die Kooperation mit dem Unternehmen können Studierende das Leihfahrrad für 0,50 Euro pro halbe Stunde nutzen, die ersten 60 Minuten sind frei.

„Derzeit befinden wir uns in der Testphase“, erklärt Daniel Duschik vom Referat Mobilität des Studentenrates (StuRa) der TU Dresden. 1,5 Jahre dauerte es von der Idee bis zur Umsetzung. Das liegt nicht nur an der komplexen Konstellation aus zwei Unternehmen und zwei Hochschulen, sondern auch am Campus. „Die Flächen der Universität und des Studentenwerkes gehören nicht der Stadt, sondern werden vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) bereitgestellt. Auf diese Flächen dürfen gewerblich agierende Dritte nur mit einem entsprechenden Nutzungsvertrag zurückgreifen. Auf öffentlichen Flächen ist das Abstellen aber kein Problem“, erklärt Daniel. Das führte unter anderem am Schumann-Bau zu Problemen, denn dort wurden die Räder am Fahrradständer abgestellt – obwohl das nur an der nahe gelegenen Station oder auf der gegenüberliegenden Straßenseite erlaubt war. Die Station wurde daher leicht versetzt und ein Schild aufgestellt. Auch die Einrichtung einer Flexzone ist schwierig. Innerhalb dieser Zonen können Räder nicht nur an Stationen abgegeben werden, sondern überall.

Ein weiteres Problem sind die Verfügbarkeit von Rädern und deren Umverteilung. „Besonders nachmittags, wenn die Studenten den Berg herunterfahren, findet sich auf dem Campus kein einziges Rad mehr“, berichtet Daniel. „Das ist ein strukturelles Problem, das man nicht so schnell lösen kann.“ Hinzu kommt die Anzahl, denn 1/3 der Studierenden nutzt das System – bei 600 Rädern in ganz Dresden sind das 0,046 Räder pro Student. Und auch der Verkehr wird wenig entlastet. „Die Busse sind leerer, aber nicht spürbar“, ergänzt Daniel.

Das Feedback der Studenten ist positiv. Besonders ausländische Studierende freuen sich über das Angebot. Und auch die Ausleihzahlen steigen – bis zu 1.600 Ausleihen waren es im Juni pro Tag. Besonders beliebt sind dabei die Stationen am Hauptbahnhof und der SLUB, auch die Kesselsdorfer Straße/Tharandter Straße ist ein Schwerpunkt. Doch es gibt auch Kritik – manchmal gab es technische Probleme mit der App und manche wünschen sich, dass der Ablauf der 60 Freiminuten angekündigt wird. Und auch die Kosten verärgern manche – für die Radnutzung sind 2,40 Euro im Semesterticket enthalten. „Das ist nicht einmal ein Döner“, formuliert Daniel.

Erste Verbesserungen waren schon im Oktober spürbar: 17 neue Stationen wurden eingerichtet, etwa an den Wohnheimen an der Gret-Palucca-Straße und der Louisenstraße. Auch die Gebäude der HTW in Pillnitz sollen eine Station bekommen.

Und wie geht es weiter? „Die Testphase läuft bis zum Ende des Wintersemesters 2019/20, im Frühjahr wird es eine Befragung der Studierenden über den Fortbestand des Projektes geben“, erklärt Daniel. Außerdem ist geplant, die Schließung auf elektronische Schlösser umzustellen und die Anzahl der Räder auf 700 zu erhöhen.

Text: Vivian Herzog

Foto: Amac Garbe

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