Was trinkst Du?

Der Sommer zeigt sich in diesem Jahr von seiner besonders lauschigen Seite. Zeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Heißt: Das Campusrauschen-Teamgrillen haben wir für einen Test Dresdner Biere genutzt. Doch auch abseits vom Geschmack gibt es Wissenswertes über das kühle Blonde.

Dresden, Deine Biere

Die größte Dresdner Brauerei ist die Feldschlösschen Aktiengesellschaft, die zur Frankfurter Brauhaus GmbH in Brandenburg gehört. Gegründet 1858, kommen aus der Brauerei in Coschütz aber heute neben dem Feldschlösschen Pilsner, dem Urbock, dem Alkoholfreien, dem Radler oder dem Coschützer auch das Dresdner Felsenkeller oder der Schwarze Steiger, nachdem es die Ursprungsbrauereien heute nicht mehr gibt. Das Stammhaus der Feldschlösschen-Brauerei auf der Budapester Straße fungiert als Gastronomiestandort, das Männel auf dem Etikett ist vor allem seit 2013 wieder in aller Munde, veranstaltet die Brauerei seitdem doch alljährlich ihr Pichmännel-Oktoberfest.

Schon 1836 wurde das Brauhaus am Waldschlösschen gegründet und zwei Jahre später eröffnet. Nachdem das Haus 1981 im VEB Dresdener Brauereien und im Coschützer Brauhaus aufgegangen war, eröffnete es 1997 erneut. Hier gibt es neben dem Original, dem Dunkel, dem Zwickel und dem Hefeweizen auch saisonale Biere wie Maibock und Sommerbier. Das Zwickel kann man in der Flasche mitnehmen, auch Siphons und Fässchen gibt es.

Aus dem 1898 erbauten Ballhaus in Pieschen wurde 1996 das Ball- und Brauhaus Watzke der Hausbräu im Ballhaus Watzke GmbH. Pils, Altpieschner Spezial und das Monatsbier, im August ein Dunkles Weizenbier, werden an den vier Standorten am Dr.-Külz-Ring, am Goldenen Reiter und im Ballhaus ausgeschenkt und können dort im Siphon oder im Fässchen mitgenommen werden. Das beliebteste Bier ist mit 3.500 Hektolitern Jahresproduktion dabei das Altpieschner Spezial. 12.000 Hektoliter produziert Watzke insgesamt.

Im März 2002 kam die Neustädter Hausbrauerei Schwingenheuer hinzu. Gründer und Inhaber Christian Schwingenheuer hatte gerade das Lehramtsstudium an der TU Dresden versemmelt und setzte alles auf eine Karte. Heuer hat er sechs Angestellte und braut 900 Hektoliter Bier im Jahr. Die Hälfte davon ist Elbhang Rot. Die Vermutung Schwingenheuers: Die Hälfte seiner Kund*innen seien Frauen und würden ein süffiges, nicht so herbes Bier bevorzugen, also genau das Gegenteil von Pils. Außerdem momentan in seinem Repertoire: ein leichteres Bio Mittagsbier, das Hecht Alt, das Starkbier Zitzschewig Death sowie das Bio Neustadt Hell – laut eigener Aussage seinerzeit das erste sächsische Ökobier. Zu haben ist das Gebräu im hauseigenen Brauereiladen, in der Dresdner Gastronomie und im ausgewählten Handel.

In Laubegast braut Thomas Böhme seit 2008 sein eigenes Bier und schenkt es hauptsächlich in „Zum Gerücht – Die letzte Kaschemme“ aus. Aber auch Siphons und Fässchen zum Mitnehmen sind zu haben. Im Angebot: mindestens 125 Hektoliter Helles und 60 Hektoliter rotes Festbier im Jahr.

Ganz neu im Reigen: die Brauerei Trachennowe BrauKunst. Alexander Thieme sowie Anton Jenssen verbinden Bier- mit Kunstgenuss und brauen in Trachau in der Regel 35 Hektoliter Hell, Alt und Indian Pale Ale im Jahr. Zu haben u. a. in der Planwirtschaft oder auch im Rewe, Meißner Straße 5, in Radebeul.

Zudem in Dresden viel getrunken und deswegen im Test: Radeberger aus der Radeberger Exportbierbrauerei; Vier Vogel Pils als Nebenerwerb ehemaliger Dresdner Studenten, aber gebraut in der Brauhaus Hartmannsdorf GmbH; Quartiermeister als soziales Berliner Projekt mit Projektförderungen in Dresden.

Die Testbedingungen

Was passt besser zum Grillen als ein erfrischendes Bier? Welches Bier gibt es überhaupt in Dresden und wie schmeckt es? Das haben wir uns auch gefragt und direkt einen Test daraus gemacht.

Die Testsituation

Wir: Das sind unerfahrene bis erfahrene Biertrinker*innen mit gefährlichem Halbwissen, am Testabend zwischen vier und sieben Personen schwankend – wie das so ist bei einem Grillabend. Pils, Zwickel, Schankbier, Rotbier und Radler wurden kunterbunt durcheinander getrunken, was die Beurteilung nicht einfacher macht. Wir konnten auch nicht alle Dresdner Biere verkosten, weil einige nur in größeren Mengen verkauft werden oder in einer Schankwirtschaft getrunken werden müssen. Auch hätten alle Sorten jeder Marke den Rahmen gesprengt. Jede Person durfte pro Bier eine Punktzahl zwischen 1 und 5 zur Bewertung abgeben, halbe Punkte waren erlaubt. Die Summe der Punkte wurde durch die Anzahl der trinkenden Personen dividiert. Den Namen des aktuell getrunkenen Bieres kannte bis zum Ende der Verkostung nur der Einschenker, der natürlich trotzdem absolut neutral gewertet hat.

Notizen müssen sein.

Wer sich auf unser laienhaftes Urteil nicht verlassen möchte, sollte einen ordentlichen Biertest im Craft Beer Store Hopfenkult, in der Zapfanstalt, im Bautzner Tor oder bei Schwingenheuer machen. Auch ein Bierfestival hat Dresden seit diesem Jahr. Zudem bieten einige Brauereien Führungen an. Am besten kauft man sich aber selbst das eine oder andere Bier, lädt ein paar Freunde ein und fachsimpelt dann zusammen ein bisschen über Geruch, Farbe und Geschmack des beliebten Getränks. Achtung: Einige Biere sind nur kurzzeitig haltbar und müssen gekühlt werden! Alkoholfreies Bier gibt es übrigens nur bei Feldschlösschen.

Unsere Biere im Test.

Das Ergebnis

Biere

  1. Vier Vogel Pils: 3,63 Punkte
    0,99 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    sehr hell, erinnert an Radler, sehr erfrischend, perlt nicht so sehr, leicht trüb, leichter Ananas-Geschmack
  2. Quartiermeister*in Rotbier: 3,58 Punkte
    1,39 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    bernsteinfarben, riecht malzig, nicht so erfrischend, fast ein bisschen schwer, trotzdem süffig, passt vermutlich gut zu dunklem Fleisch
  3. Schwingenheuer Bio Neustadt Hell: 3,5 Punkte
    2,59 Euro + 80 Cent Pfand in der Verbrauchergemeinschaft Schandauer Straße 34, Dresden (als Mitglied 1,85 Euro)
    hellbraun, trüb, riecht süß, erfrischend, aber auch leicht bitter, leichter Bananen-Geschmack, deutlich eigener Charakter
  4. Waldschlösschen Zwickel: 2,93 Punkte
    3,90 Euro inkl. Pfand im Brauhaus am Waldschlösschen, Dresden
    gelblich, leicht trüb, etwas herb, leicht perlend, süffig
  5. Schwingenheuer Bio Mittagsbier: 2,92 Punkte
    2,59 Euro + 80 Cent Pfand in der Verbrauchergemeinschaft Schandauer Straße 34, Dresden (als Mitglied 1,85 Euro)
    bernsteinfarben, malzig, etwas herber als andere, aber trotzdem vollmundig und sanft, Wiedererkennungswert
  6. Dresdner Felsenkeller: 2,75 Punkte
    0,55 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    gelb, mild, süffig, im Abgang etwas herber, erfrischend, perlt
  7. Coschützer Pils: 2,75 Punkte
    0,55 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    gelb, klar, leicht bitter, perlt
  8. Quartiermeister*in Bio-Pils: 2,5 Punkte
    1,39 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    gelb, klar, riecht nach Zitrone, leicht bitter, perlt
  9. Quartiermeister Pils: 2,25 Punkte
    1,09 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    gelblich, sehr klar, etwas herb/würzig, nicht so erfrischend oder süffig, wenig Wiedererkennungswert
  10. Radeberger Pils: 1,75 Punkte
    0,85 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    gelb, klar, leicht bitterer Geschmack
  11. Feldschlösschen Pils: 1,5 Punkte
    0,65 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    gelblich, klar, herb, wenig Wiedererkennungswert

Radler

  1. Ka-Radler: 3,88 Punkte
    0,95 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    nicht so süß, riecht und schmeckt frisch, zitronig
  2. Feldschlösschen Radler: 3,42 Punkte
    0,69 Euro + 8 Cent Pfand im Rewe, Königsbrücker Straße, Dresden
    süß, süffig, riecht nach Zitrone, schmeckt wie leicht bittere Limo, übertönt Biergeschmack/Hopfen

Text: Nadine Faust

Fotos: Amac Garbe

Dieser Artikel wurde am 12.8.2018 um 23.30 Uhr geändert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.