Filmtipps des Monats I: „Je suis Karl“ und „Saw: Spiral“

Der Monat September platzt in Sachen Kinostarts aus allen Nähten. So verwundert es nicht, dass sich darunter auch einige Perlen finden, die auf unser Wohlwollen treffen. Heute stellen wir Euch zwei Filme vor, die beide auf ihre Art hochpolitisch sind – und beide auf ihre Art radikal.

Je suis Karl

Diese deutsch-tschechische Ko-Produktion schlägt ein wie eine Bombe. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Maxi und ihr Vater Alex verlieren durch einen Anschlag ihre engsten Familienmitglieder. Während sich Alex ganz der Trauer hingibt, ist Maxi unbändig vor Wut. Sie muss raus und folgt der Einladung von Karl, der sie nach Prag zu einem Treffen für junge Menschen lockt. Die proklamieren ein neues Europa, ganz klar trifft sich hier die Neue Rechte. Maxi hat nur Augen für Karl, lässt sich von seinem Charme verführen – und schließlich für die rechte Sache vereinnahmen. Dabei merkt sie gar nicht, was hinter ihrem Rücken wirklich passiert.

Regisseur Christian Schwochow und Drehbuchautor Thomas Wendrich, der übrigens aus Dresden stammt, haben schon für den ersten Teil der ARD-Trilogie „Mitten in Deutschland: NSU“ zusammengearbeitet und viel Lob geerntet. Nun sind sie mit dem Drama „Je suis Karl“ im Jetzt oder der nahen Zukunft angekommen – so, wie es schlimmstenfalls sein könnte. Denn die Realität, die die beiden da konstruieren, ist alles andere als undenkbar. Im Gegenteil, sie wirkt erschreckend möglich, wie das sprichwörtliche Damoklesschwert, das über uns schwebt.

Einzig: Mit Milan Peschel als Vater, Jannis Niewöhner als Karl und Luna Wedler als Maxi sind zwar tolle Schauspieler:innen am Start, aber bei der vielleicht manchmal zu rasanten Entwicklung der Ereignisse kommen ihre Figuren nicht mit – man kauft ihnen die emotionalen Wendungen nicht ab, kommt ihnen nicht nahe, alles wirkt zu behauptet. Zumal Luna Wedler seit ein paar Monaten als Sophie Scholl in den sozialen Medien omnipräsent ist. Das liegt wie eine Folie unter Maxi und lässt ihren Wandel manchmal noch weniger glaubhaft erscheinen.

Nichtsdestotrotz wird dieser Film für Diskussionsstoff sorgen. Und das ist sein größtes Plus. Er legt den Finger in die Wunde, wenn wir zu oft weggucken. Und er hallt damit lange nach.

Die Möglichkeit zum Gespräch habt Ihr beispielsweise am 26. September um 18.15 Uhr bei Körners Corner im Programmkino Ost, bei der Thomas Wendrich zu Gast sein wird. Davor läuft „Je suis Karl“, im Anschluss „Mitten in Deutschland: NSU. Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“.

Text: Nadine Faust

Zum Titelfoto: Luna Wedler (Maxi), Jannis Niewöhner (Karl)

Foto: Sammy Hart © Copyright Pandora Film

Saw 9: Spiral

Wie ist es möglich, das Polizeisystem zu verändern, damit Korruption und Ungerechtigkeit bekämpft werden? Während Anonymous-Hacker im wahren Leben die Onlinekanäle von Attila Hildmann übernehmen und eine Videobotschaft hinterlassen, nutzt ein Killer korrupter und gewalttätiger Polizist:innen in „Saw: Spiral“ ebenfalls die aktbekannten Botschaften.

Die berühmte US-amerikanische Filmreihe „Saw“ startet heute mit Teil 9 von Regisseur Darren Lynn Bousman in den Kinos. Der Film beginnt mit dem Angriff einer anonymen Gestalt mit einer Maske auf den Polizisten Marv Boswick, indem er betäubt wird. Wenige Minuten später erwacht der Polizist in einem U-Bahn-Tunnel. Er steht vor der Herausforderung, sich entweder zu befreien oder zu sterben. Die Ermittlungen werden von Detective Ezekiel Banks, gespielt von Chris Rock, und seinem Kollegen William Schenk, gespielt von Max Minghella, übernommen. Vom unbekannten Killer wird ein Zeichen in Form einer Spirale hinterlassen. Die Spirale trägt eine Botschaft vom Mörder, was Veränderungen bedeutet, weil der Killer das Polizeisystem ändern will.

Detective Ezekiel Banks ist schwarz und versucht, für Gerechtigkeit zu kämpfen, was in der amerikanischen Gesellschaft seit der „Black Lives Matter“-Bewegung öfter vorkommt. Er versucht zu beweisen, dass er nicht nur bei der Polizei gelandet ist, weil sein Vater dort arbeitet. Der wird von Samuel L. Jackson gespielt.

Die gruselige Idee zur Geschichte stammt von Chris Rock selbst, der auch die Hauptrolle spielt. Er ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Komiker. Seine besondere Art gibt dem Film seinen „schwarzen Humor“. Hinter der Horrorgeschichte und den berühmten Videobotschaften vom Killer, die in allen Teilen der Filmreihe vorkommen, stecken in „Saw: Spiral“ aber noch mehrere Themen: Korruption, Politik und ein Vater-Sohn-Konflikt.

Die Musik im Film unterstützt den Nervenkitzel, der Soundtrack stammt von Charlie Clouser. Obwohl der Film im Vergleich zu den anderen Teilen nichts wirklich Neues zeigt, ist „Saw 9“ eine dunkle, brutale und mit viel Gewalt verbundene Geschichte, was zur Story sehr gut passt.

Text: Anna Shtutina

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