„Was hast Du denn da gemacht?“

Es sind die kleinen, harmlosen Fragen, die niemand böse zu meinen scheint, vor denen es manchen Menschen graut, wenn der Sommer beginnt. Aber wieso?

Die Temperatur klettert hoch und die Kleidung wird luftiger. Unabhängig von Körperform, Narben, Pigmentflecken und sonstigen äußeren Erscheinungsbildern sollten wir uns alle so anziehen, wie wir uns wohlfühlen. Dennoch tun das viele Menschen nicht und auch ich zähle mich dazu. Du auch? Nein? Gibt es nicht diese eine Körperstelle, diesen einen „Makel“, den Du immer versuchst mit einer längeren Hose, einem längeren Shirt oder einem auf bestimmte Weise geschnittenen Kleidungsstück zu kaschieren oder zu überdecken?

Oft halten wir das für nötig, um ungewollte Blicke, neugierige Fragen oder sogar fiese Kommentare zu vermeiden. Bodyshaming ist schon lange kein neues Thema mehr, aber es betrifft mehr Bereiche als das Gewicht. Auch Narben geraten oft ins Visier von neugierigen Fremden, die dann im Small Talk wissen wollen: „Oh, was hast Du denn da gemacht?“

Oft ist diese Frage nicht böse gemeint, kann aber extremes Unwohlsein bei der gefragten Person verursachen. Nicht jeder Mensch möchte in einem Small Talk einem Fremden die Geschichte hinter einer Narbe erzählen. Vielleicht ist es unangenehm oder die Geschichte ist schmerzhaft … oder vielleicht ist es auch einfach privat. Aber ist die Frage erst gestellt, gerät man in Erklärungsnot, und würgt man die Frage ab, wirkt es oft unhöflich.

Auch Fragen wie „Oh, hast Du abgenommen?“ mögen vielleicht schmeichelhaft gemeint sein, aber vielleicht steckt hinter dem Gewichtsverlust auch eine Krankheit. Falls Du Dich jetzt ertappt fühlst und auch schon einmal Personen auf ein äußeres Merkmal angesprochen hat: Sowas passiert oft nicht aus böser Absicht. Aber als Faustregel kannst Du Dir merken: Was eine Person nicht innerhalb von wenigen Minuten ändern kann (Spinat zwischen den Zähnen, die Frisur, ein Fleck auf der Hose oder verwischtes Make-up), solltest Du nicht ansprechen, auch wenn die Absicht nicht schlecht ist. Möglicherweise reißt Du damit eine Wunde auf, die Du nicht öffnen wolltest.

Und: Es ist einfach schön, trotz aller Narben, Dellen, Flecken, Rollen, Haare und sonstigem ohne komische Blicke und neugierige Fragen die Sommersonne genießen zu können.

Text: Emilie Herrmann

Foto: Amac Garbe

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