Kino: Dafür werden Filme gemacht

Als ich in den vergangenen Wochen die Nachrichten verfolgte, konnte ich seit langer Zeit mal wieder überwiegend erfreuliche Überschriften lesen. Die Infektionszahlen sinken, immer mehr Menschen haben die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, und zahlreiche Einschränkungen werden langsam gelockert. Restaurants dürfen ihre Außenbereiche öffnen, Theater verkünden vorsichtig ihre Spielpläne und auch die ersten Konzerte laufen in den kommenden Wochen wieder über die Bühne.

Doch während ich durch die frohen Botschaften scrollte und mir im Kopf ausmalte, wohin es mich als erstes verschlagen würde, merkte ich, dass eine Kultureinrichtung fast vollständig fehlt – das Kino. Klar, es gibt wieder Autokinos, bei denen man sich für eine ordentliche Summe Geld irgendwelche alten Marvel-Blockbuster oder Til-Schweiger-Komödien ansehen kann. Aber die richtigen Kinosäle, seien es Mainstream- oder Programmkinos, öffnen noch nicht, obwohl sie es rechtlich könnten.

Mein letzter Kinobesuch ist schon fast ein Jahr her und während ich mich gerade nach dem Gefühl sehne, mit Popcorn in der Hand und voller Vorfreude auf den Film im Kinosessel zu sitzen, wird mir klar, wie lang diese verdammte Pandemie schon andauert und dass es mit meinem Kinobesuch auch erst mal weiterhin nichts wird.

Der ersten Enttäuschung und Verwunderung wich jedoch schnell Erkenntnis. Denn, was sollen die Kinos auch zeigen? Neue Filme werden immer wieder verschoben oder direkt bei einem Streamingdienst veröffentlicht. Und Filme wie Chrisopher Nolans „Tenet“, die versuchten, im vergangenen Sommer das Kino zu retten, endeten zumeist in einem finanziellen Desaster. Kein Filmverleiher scheint aktuell gewillt, ein solches Wagnis erneut einzugehen. Zudem ist ein rentabler Betrieb oftmals gar nicht möglich, wenn sich aufgrund von Hygienevorschriften nur 20 statt 100 Menschen ins Kino setzen können und staatliche Hilfe ausbleibt.

So bleiben die Vorhänge vorerst geschlossen und ich muss mich weiterhin nur mit meinem heimischen Bildschirm und Netflix, Disney und Co. begnügen, bei welchen ich mich nach 15 Minuten abwägen wieder nur für einen mittelmäßigen Film entscheide, dessen Inhalt ich schon am nächsten Tag zum großen Teil vergessen habe.

Doch um diesen Text genauso positiv zu beenden, wie die Aufmacher der Zeitungen beginnen, erscheint auch bei den Filmtheatern so langsam ein Ende der Zwangspause am Horizont. Einige Dresdner Kinos haben bereits angekündigt, dass sie am 1. Juli wieder mit ihrem Betrieb beginnen. Und auch wenn die Blockbuster noch ausbleiben, werde ich ganz sicher unter den ersten sein, die sich wieder in den Kinosessel schwingen.

Text: Julius Titz

Foto: Amac Garbe

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