Hochschulgruppen vs. Corona

Der Shutdown ist vorerst vorbei und Goethe würde wohl sagen: „Überall regt sich Bildung und Streben“, wiedererwacht denn das städtische Leben? Auch dieses Jahr lockt der warme Sommer viele Menschen an die frische Luft, selbst die Badesaison ist mit Einschränkungen eröffnet. Aber an der Frage, wie viel Normalität wieder erlaubt sein sollte, scheiden sich immer häufiger die Geister. Doch wie geht es eigentlich den Dresdner Hochschulgruppen, die vor dem Corona-Ausbruch Veranstaltungen organisiert oder Konzerte gegeben haben?

Die WU5 und die sächsische Corona-Hotline

Alexander Opitz, der Veranstaltungsorganisator des Studierendenclubs WU5, berichtet: „Im Vergleich zu anderen Hochschulgruppen haben wir wohl noch mal Glück im Unglück gehabt. Wir konnten in den vergangenen Monaten unter anderem unsere Website modernisieren und können mittlerweile schon wieder jeden Donnerstag und Freitag aktiv werden. Allerdings war die Absage aller Veranstaltungen der letzten Monate trotzdem mit viel Stress verbunden.“

Da die WU5 offiziell ein Verein zur Förderung der studentischen Kultur ist, der zur Erfüllung dieses Zwecks einen Barbetrieb unterhält, konnte sie nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen letzteren wieder anbieten, während unter anderem Diskotheken weiterhin geschlossen bleiben. Laut Alexander sei es allerdings ein großes Problem gewesen, die genauen Hygiene-Auflagen für Bars und Hinweise zur Umsetzung in Erfahrung zu bringen. Grund dafür sei die häufige Überlastung der sächsischen Corona-Hotline gewesen. „Ärgerlich ist, dass man bei zu starker Auslastung dauernd aus der Leitung geworfen wurde“, sagt er.

Trotz dieser Anlaufschwierigkeiten habe der Club die Auflagen mittlerweile erfüllen können. Der Bereich hinter der Bar sei durch einen Plastik-Schutz abgeschirmt. Auch achten sie auf die Einhaltung der Mundschutzpflicht. Ein deutlich größeres Problem sei das abendliche Kulturprogramm. Alexander erzählt: „An Live-Konzerte ist aktuell wegen der Abstandsregeln jedenfalls nicht zu denken. Wir haben uns daher erst mal mit Karaoke-Abenden und einer Online-Jam-Session beholfen.“

Nicht genug Raum für das Werkstattorchester

Auch Maximilian Nicolai, langjähriger Vorstandvorsitzender des Werkstattorchesters e. V., erzählt, dass das Jubiläumskonzert zum Ende des Sommersemesters ausfallen wird. Zu unsicher sei die Raumsituation. Denn der Konzertsaal für große Ensembles an der Hochschule für Musik in Dresden ist noch nicht wieder freigegeben. Aus diesem Grund werde das Werkstattorchester das Konzert zu seinem 20-jährigen Bestehen wohl erst am Ende des kommenden Semesters auf die Bühne bringen können.

Untätig waren die MusikerInnen in den vergangenen Monaten aber nicht. Während des Shutdowns haben sie bisher zwei Stücke produziert, die nun auf ihren Social-Media-Kanälen verfügbar sind. „Damit wollen wir vor allem unseren Orchestermitgliedern ein Alternativprogramm bieten und mit den Ergebnissen unsere Fans erreichen“, erzählt Maximilian. Die große Schwierigkeit bestand laut ihm darin, dass jedes Orchestermitglied zu Hause die eigene Tonspur zu einem Rhythmustrack aufnehmen musste, damit ein Mitglied am Ende alle passgenau übereinanderlegen konnte.

„Auch fand jede Woche online ein Dienstagabendtreff statt, um sich trotz Ausgangsbeschränkungen etwas auszutauschen. Doch selbst gemeinsame digitale Kochabende können das Gemeinschaftserlebnis der gemeinsamen Proben und Ausflüge nicht vollends ersetzen“, so sein Resümee.

DIE BÜHNE frei – auf fremder Bühne

DIE BÜHNE, ihres Zeichens Theater der TU Dresden, hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Ihr künstlerischer Leiter Max Schumacher schätzt die Möglichkeit digitaler Proben ebenfalls als sehr begrenzt ein. Das Entwickeln neuer Texte funktioniere zwar gut, allerdings seien Mimik- und Gestik-Übungen nicht wirklich umsetzbar.

Die Zeit haben die SchauspielerInnen genutzt, um auf ihrer Homepage unter der Rubrik „Theater für Zuhause“ einen themenungebundenen Podcast aufzusetzen. Neben Inhalten des Theaters greife er auch ganz Alltägliches auf.

Mittlerweile sind aber Auftritte an anderen Orten wieder möglich. So präsentierte sie im Mai und Juni ein Abstands-Special in den Räumlichkeiten des Projekttheaters Dresden. Dieses stand jedoch vor dem Problem, dass die ZuschauerInnenplätze auf 20 limitiert waren.

Das eigene Theater der BÜHNE, die Blackbox, ist am Weberplatz angesiedelt. Das wurde in den vergangenen Monaten zwar modernisiert, aber bislang noch nicht wieder freigegeben. Aufgrund der strengen Hygiene-Auflagen sei es aktuell auf kleinen Bühnen sowieso nicht möglich, viel mehr als einen Monolog aufzuführen, sagt Max wehmütig. Er ergänzt: „Zukünftig planen wir aber in einigen größeren Hörsälen der TU Auftritte, da die Platzsituation dort besser ist. Das bedeutet für uns natürlich jede Menge Arbeit beim Hin- und Hertragen der Technik.“ Max erklärt: „Ein notwendiger Aufwand. Unser Anspruch an Theater ist schließlich, dass es nicht nur gesetzeskonform, sondern auch lustbringend sein soll. Wir hoffen aber trotzdem, dass wir unsere Blackbox ab dem Wintersemester wieder benutzen können, weil sie für unsere Aufführungen einfach die besten Voraussetzungen bietet.“

Eine Chorprobe auf Abstand

Ebenfalls ohne Raum, aber trotzdem nicht untätig war der Universitätschor. Mit seinen über 200 aktiven Mitgliedern ist er eine der größten Hochschulgruppen in Dresden.

Chorleiterin Christiane Büttig erzählt: „Während des Shutdowns haben wir jeden Mittwoch etwa drei Stunden über Zoom geprobt und uns ausgetauscht. Nach einer vorherigen Stimmpflege für alle SängerInnen haben wir meistens zwei bis vier Breakout-Räume genutzt. Diese waren entweder in einen Damen- und Herrenchor oder nach den vier verschiedenen Stimmlagen aufgeteilt.“ Das Ziel dieser Proben sei es gewesen, wichtige Grundlagen für das nächste Semester zu legen und neue Stücke einzustudieren.

Ähnlich wie das Werkstattorchester habe aber auch der Chor mit dem digitalen Übereinanderlegen verschiedener Stimmen experimentiert. Hierfür habe jedes Chormitglied einem zuvor besprochenen Lied seine Stimme verliehen sowie sich selbst dabei aufgenommen. „Wir haben versucht, die einzelnen Stimmen dann zu einem Chor zusammenzufügen, weil wir sonst nicht in großer Besetzung singen durften. Das Übereinanderlegen dieser Aufnahmen war in der technischen Umsetzung besonders aufwändig“, erzählt Büttig.

Aktuell sei es unter Einhaltung der Sicherheitsabstände von sechs Metern nach vorn und zweien zur Seite sowie zwischenzeitlichem Desinfizieren des Bodens aber wieder möglich, in kleinen Gruppen zu proben. Büttig sagt: „Als Proberäume haben wir dafür unter anderem die Alte Mensa und den Dülfersaal nutzen können.“ Sie ergänzt: „Im kommenden Wintersemester fänden wir es schön, wenn es wieder möglich wäre, unsere Chorproben halbwegs normal stattfinden zu lassen. Denn auch unser Chor lebt von der Kontinuität in der Probenarbeit, von Freundschaften und von einem gemeinsamen Klangerlebnis.“ Sollte die zweite Welle ausbleiben, sei für Dezember schon das alljährliche Weihnachtskonzert in Planung.

Kino im Kasten – Out of the Box und Open Air

Beim Kino im Kasten flimmern hingegen wieder die ersten Filme über die Leinwand. „Out of the Box“-Denken heißt es für das Studierendenkino jetzt, nachdem die Mitglieder während des Shutdowns nur digital in Kontakt bleiben konnten.

Martin Prade erzählt: „Da die Universität uns für unsere Filmvorführungen bisher noch keine Räume zur Verfügung stellen konnte, finden diese aktuell im Innenhof des Studierendenclubs Bärenzwinger statt.“ Für dessen Hilfe sind die jungen Kinoschaffenden sehr dankbar. „Unsere Vorführungen dort sind zwar technisch ziemlich abgespeckt, finden dafür aber unter freiem Himmel statt“, merkt Lukas Stracke an. Martin ergänzt: „Zur Einhaltung der Abstandsregeln wurden außerdem verschiedene Sitzgruppen aufgebaut, sodass insgesamt 37 Plätze pro Vorführung verfügbar sind.“ Aktuell seien sie jedoch weit davon entfernt, diese zu füllen.

„Beim Umräumen der Technik sind wir übrigens zu sechst mit Leinwand, Boxen und dem restlichen Equipment unter den Armen in der Straßenbahn unterwegs gewesen“, sagt Martin und schmunzelt. Dass ihr Hörsaal auf der August-Bebel-Straße noch nicht wieder freigegeben ist, sei trotzdem ein schwerer Schlag.

„Neue Mitglieder finden wir ohne die Vorführungen dort jedenfalls nicht. Denn wer soll sich schon für das Kino-Machen begeistern, wenn niemand es sehen kann?“, erklärt Lukas. „Für die Zukunft hoffen wir trotzdem, dass Universität und Rektorat uns nicht vergessen.“

Text: Johannes Knop

Foto: Amac Garbe

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