„Denken ohne Geländer“

Seit dem 23. April verfügt das Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung (HAIT) über einen eigenen Blog, der den Namen „Denken ohne Geländer“ trägt. Was hat es damit auf sich? Und welche Motivation steckt dahinter? Diesen und weiteren Fragen gehen wir im Gespräch mit den beiden frisch gebackenen Redakteuren des Blogs, Maximilian Kreter und Sebastian Paul, auf den Grund.

„Denken ohne Geländer“ wurde ursprünglich von Hannah Arendt, einer politischen Theoretikerin des 20. Jahrhunderts, geprägt und bezeichnet ihre Art, entgegen vorherrschender Traditionen zu denken. Das HAIT selbst wurde 1993 auf einen Beschluss des sächsischen Landtages hin gegründet und ist der Technischen Universität Dresden angegliedert. „Die Namenswahl ist naheliegend gewesen, da das Institut nach Hannah Arendt benannt ist und ‚Denken ohne Geländer‘ einen konzeptionellen Rahmen bietet“, erklärt Maximilian Kreter, Politikwissenschaftler und Forschender zum Thema Rechtsextremismus am Institut, zur Benennung des Blogs. Gemeinsam mit dem Geschichtswissenschaftler Sebastian Paul leitet er die redaktionelle Arbeit.

Ursprünglich sei die Veröffentlichung erst in mehreren Monaten geplant gewesen. „Die Corona-Krise hat die Umsetzung des Blogs jedoch beschleunigt“, erzählt Sebastian Paul. „Diese Beschleunigung war nötig, um zum Beispiel Kolloquien zu ersetzen, die sonst aufgrund der Corona-Krise ausfallen würden“, fügt Kreter hinzu. Bei diesen Kolloquien handelt es sich um Veranstaltungen, die den fachlichen Gedankenaustausch zu aktuellen Forschungsthemen fördern. Der Besuch dieser Veranstaltungen steht in der Regel jeder Person offen.

Laut Kreter sei ein weiteres zentrales Anliegen, neue Formate wie zum Beispiel Grafiken und Videos zu aktuellen Forschungsthemen des HAIT experimentell umzusetzen. „Das Erscheinen von Beiträgen ist im Groben bereits auf ein Jahr vorausgeplant. Schließlich wissen wir als Institut in etwa, wann die laufenden Forschungsprojekte voraussichtlich abgeschlossen werden“, ergänzt Paul. In Bezug auf die Blogbeiträge solle es sich aber nicht nur um reine Vorstellungen dieser Projekte handeln.

Bei der technischen Umsetzung verwendet das HAIT die offene Wissens-Plattform Hypotheses, wie bereits das TextLab der SLUB. Dabei handelt es sich um ein Blogportal für Geistes- und Sozialwissenschaften, das unter anderem ein kostenloses Hosting für die Blogs wissenschaftlicher Einrichtungen anbietet. Hintergrund der Nutzung von Hypotheses sei laut Kreter die einfache Bedienung sowie die verbesserte „Social Shareability“ der Beiträge. Am oberen Webseitenrand befindet sich daher eine Leiste, die Verlinkungen zu weiteren Hypotheses-Angeboten und -diensten enthält. „Einer der Beiträge unserer Sonderreihe zum Notbetrieb wurde zum Beispiel von der Dachplattform Hypotheses geteilt, weshalb er häufiger aufgerufen wurde als andere Artikel unseres Blogs“, erklärt Kreter.

 „Ab Sommer 2020 ist ebenso die digitale Umsetzung eines TU-Dresden-Seminars für den Blog geplant“, sagt Paul. Im Verlauf dieses Seminars sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, eigene Beiträge für den Blog zu verfassen. Zukünftig seien weitere Sonderreihen geplant, wie zum Beispiel die kommende Beitragsserie zum Thema Frauen – Forschung – Feminismus. Sie ersetzt die ursprünglich in Präsenz geplante Kolloquiumsreihe mit gleichem Schwerpunkt.

Text: Johannes Knop

Foto: Amac Garbe

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