Campuskolumne

Neulich sprach ich mit einem Freund, der der Überzeugung ist, es sei nicht mehr möglich, einen Film zu schauen, der uns nicht auf mehr oder weniger subtile Weise manipulieren will. Und natürlich hat er Recht – über Product-Placement wird unendlich viel Geld gemacht. Zufall ist es jedenfalls nicht, dass beispielsweise in Netflix-Serien so häufig Apple-Produkte zu sehen sind. Da lobe ich mir die gute alte Werbung im Fernsehen. Da kann man wegschalten.

Wenn man nicht so oft fernsieht, muss man sich aber erst einmal wieder daran gewöhnen, wie häufig man wegschalten will. Es ist schon irgendwie krank, wie viele und lange Werbepausen man auf den privaten Sendern ertragen muss, um einen Film – der oftmals an sich schon werbeverseucht ist – von vorne bis hinten schauen zu können. Aber darauf lässt man sich ja ein, wenn man den Fernseher einschaltet.

So richtig dreist fand ich allerdings, dass gefühlt die Hälfte der vorweihnachtlichen Werbung aus Amazon-Spots bestand. Wirklich wahr: Innerhalb eines Werbeblocks liefen drei Amazon-Werbespots. Etwa die Hälfte des Onlinehandels in Deutschland kontrolliert Amazon bereits.

Scheinbar reicht das aber noch nicht. Wahrscheinlich ruht die Werbeabteilung der milliardenschweren Firma nicht eher, bis nicht jede_r eine Alexa zu Hause hat. Um zu wissen, wie wir ticken und was wir brauchen, dafür benötigt Amazon allerdings keine Alexa, die unsere Gespräche aufzeichnen und dauerhaft speichern kann. Auch Facebook liefert Amazon genug Daten. Neben der Auswertung unserer Käufe helfen diese, noch treffsicherer Produkte und Werbung auf unsere Bedürfnisse zuzuschneiden.

Dank der zahlreichen Mitarbeiter_innen in den Logistikzentren, von denen trotz schlechter Arbeitsbedingungen nur wenige dem Aufruf zum Streik vor Weihnachten gefolgt sind, braucht es nur einige Stunden, bis die Objekte unserer Begierde bei uns zu Hause sind. Noch scheinen die Vorteile der Amazon-Dienste für die meisten Menschen also zu überwiegen.

Aber: Wer noch keine Angst vor Amazon hat, der sollte sich das Buch „Schnauze, Alexa! Ich kaufe nicht bei Amazon“ besorgen, in dem ganz eindrucksvoll gezeigt wird, was passieren kann, wenn die Politik nichts dagegen tut, dass Jeff Bezos seine Vormachtstellung in so vielen Bereichen immer weiter ausbaut. Witzigerweise kann man es bei Amazon kaufen. Vielleicht stolpert ja mal jemand darüber.

Text: Marie-Therese Greiner-Adam

Foto: Amac Garbe

Ein Gedanke zu “Campuskolumne

  1. Wahrheit ist schwer zu ertragen. Ich hoffe, dass diese im Text gesetzten Worte viele erreichen und Sie auch Tropfen für Tropfen wachrütteln. Danke – Marie-Therese Greiner-Adam.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.