Für eine bessere Gegenwart in der Zukunft

Ende der Woche (8. und 9. Juni) findet zum zweiten Mal das Festival :progressive des Studentenrates (StuRa), genauer: des Referates WHAT, der TU Dresden statt. Wie 2017 wird es zahlreiche Workshops, eine Ausstellung, Küche für alle (Küfa) und Musik geben – kostenfrei (Essen und Getränke gegen Spende), unter freiem Himmel auf der Trefftz-Wiese und ohne Anmeldung. 

Wer kennt ihn nicht, den Spruch: „Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 40 Kommunist ist, keinen Verstand“? Winston Churchill soll ihn gesagt haben. Über Theorien,  Ideologien und Utopien mag man sich streiten. Wichtig ist, dass man sich streitet – egal, wie alt man ist. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass irgendwann jeder Mensch sicher und selbstbestimmt aufwachsen und leben kann. Wahrscheinlich ist aber, dass das Erwachsenwerden einhergeht mit einem Lernprozess. Das Referat WHAT im StuRa der TU Dresden begleitet junge Menschen bei diesem Prozess, der Wissen, Handeln und Aktives Teilnehmen an der Gesellschaft einschließt.

„Das Referat WHAT hat sich gegründet, um viele Menschen für gesellschaftliches und politisches Engagement auf eine niedrigschwellige Art zu begeistern“, erzählt Friederike, die sich seit mehr als einem Jahr bei WHAT engagiert. Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Student_innen organisiert die 21-jährige Medizinstudentin das Festival :progressive. „Das Festival am Wochenende ist dafür ein Musterbeispiel“, erklärt sie weiter. „Es richtet sich auch an Menschen, die sich noch nicht ausdrücklich mit politischen Themen oder Inhalten beschäftigen.“ Tatsächlich ist es relativ leicht, sich zum Festival zu verirren — zum Beispiel, wenn man auf GOSSENBOSS MIT ZETT steht, der am Freitagabend (22 Uhr) am Start sein wird. Vielleicht lernt man beim kollektiven Mitwippen die neue beste Freundin kennen, die sich zufällig bei den Kohlegegner_innen von Ende Gelände Dresden engagiert und am nächsten Tag einen Workshop zum Thema „Klimagerechtigkeit und Aktionsformen des zivilen Ungehorsams“ leitet (12.15 Uhr).

„Wenn man niemanden kennt, ist die Hemmschwelle groß, Menschen anzusprechen und sich zu organisieren“, weiß Felicitas. Wie Friederike ist sie junge 21 Jahre, TU-Studentin und seit etwa einem Jahr bei WHAT aktiv. Die angehende Medieninformatikerin verrät auch das Motto des Festivals: „Für eine bessere Gegenwart in der Zukunft“. Innerhalb dieses Rahmens sollen die Workshops verstanden werden. „Wir wollen verschiedenste progressive Ideen ansprechen, aus verschiedensten Themenbereichen“, erklärt Friederike. So sind beispielsweise der Gerede e.V., Viva con Agua, Tierbefreiung Dresden oder die studentische Initiative Freie Software und Freies Wissen vor Ort, um ihre Arbeit vorzustellen und dafür zu werben, ebenfalls aktiv zu werden. Aktiv wurden sicher auch einige der rund 200 Menschen, die im vergangenen Jahr beim Festival dabei waren. Weil dieser Vernetzungsaspekt dem Orga-Team besonders wichtig ist, werden die verschiedenen Initiativen sich und ihre Arbeit auch 2018 wieder vorstellen. Um die Zahl neuer Vereinsmitgliedschaften geht es am Ende jedoch nicht: „Wir würden uns freuen, wenn wir mit dem Festival viele Menschen erreichen. Auf der anderen Seite wäre es auch schon ein Erfolg, ein oder zwei Menschen dafür zu begeistern, sich politisch zu engagieren“, wünscht sich Friederike ganz bescheiden. Und was sangen TON STEINE SCHERBEN: „In dem Land, in dem wir wohnen// Sind aber ’n paar Millionen// Wenn wir uns erst mal einig sind// Weht, glaub ich, ’n ganz anderer Wind“…

Text: Marie-Therese Greiner-Adam

Foto: Amac Garbe

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