„Star Wars“ im Sommer

Nach dem wärmsten April seit Wetteraufzeichnung 1881 – bestimmt ohne Zusammenhang zur Klimaerwärmung – versprechen auch die letzten Tage des Mais sommerlich zu werden. Wenn man es in den eigenen vier Wänden also nicht mehr aushält und einen die schwüle Sommerluft um den Verstand bringt, hat man nur noch eine Möglichkeit: ins wohlklimatisierte Kino gehen. Zugegeben: Der Vorschlag ist etwas unsommerlich, aber für diesen Film lohnt es sich allemal. Denn am 24. Mai kam „Solo: A Star Wars Story“ in die Kinos.

Ron Howard, der für Filme wie „The Da Vinci Code“ oder „A Beautiful Mind“ bekannt ist, hat mit diesem Film eine schwere Aufgabe übernommen. Zum einen übernahm er von Phil Lord und Christopher Miller eine von Problemen geplagte Produktion. Die beiden verließen das Projekt aufgrund von kreativen Differenzen. Und so musste Howard innerhalb von vier Monaten große Teile des Films neu drehen. Zum anderen geht es um nichts weniger als die Hintergrundgeschichte einer der bekanntesten Filmfiguren aller Zeiten zu erzählen: die von Han Solo. Der Film kann zwar auch ohne Einbettung in den Star-Wars-Kontext bestehen, da er eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, zur vollen Größe wächst er aber erst durch seinen Platz innerhalb des riesigen Star-Wars-Universums an. „Solo“ ist wie „Rogue One“ ein einzelner Filmableger und gehört somit zu keiner serientypischen Trilogie. Die Handlung spielt etwa 14 Jahre vor dem Beginn der originalen Trilogie.

Vor allem Star-Wars-Fans hatten große Erwartungen an diesen Film. Über all die Jahre, die seit Erscheinen des ersten Star-Wars-Films „Eine neue Hoffnung“ im Jahre 1977 vergangen sind, haben sich viele Informationen, Spekulationen und Theorien über das Universum angesammelt. Die Vergangenheit des von Harrison Ford gespielten Charakters Han Solo stellt dabei keine Ausnahme dar. Außerdem war die Sorge groß, wie gut die neuen Schauspieler den Geist der alten Darsteller einfangen und erneut auf die Leinwand bringen können. Dem Film musste also der Spagat zwischen eingefleischten Fans und Neuankömmlingen im Star-Wars-Franchise glücken.

Der Film braucht sich nicht vor diesen Erwartungen verstecken, da er sie sehr gut erfüllt. Diejenigen, die schon immer Antworten auf brennende Fragen wie „Wie konnte Han den Kessel Run in 12 Parsec schaffen?“, „Wie haben sich Han und Chewbacca kennengelernt?“ und „Welche gemeinsame Vergangenheit haben Han und Lando Calrissian?“ haben wollten, kommen voll auf ihre Kosten. Doch damit nicht genug: Der Film beinhaltet außerdem eine Anspielung auf den Star-Wars-Kosmos nach der anderen, so dass man beim ersten Schauen gar nicht alles erfassen kann. Die Anknüpfung an das erweiterte Universum, also die Serien, Comics und Bücher, gelingt ebenfalls. Dadurch schafft es Disney, denen seit 2012 das Franchise gehört, das Interesse an der stetig wachsenden Star-Wars-Welt zu wecken. So bleibt der Film nicht völlig ohne Konsequenzen für die restliche Star-Wars-Timeline.

Auch die Kinogänger, die „nur“ einen guten Star-Wars-Film sehen möchten, werden nicht enttäuscht. Der Anfang des Films birgt jedoch Schwierigkeiten. Einige Charaktere werden eingeführt und verschwinden dann schnell wieder, ohne dass der Zuschauer eine Bindung zu ihnen aufbauen konnte. Generell versucht der Film zu Beginn, seinen eigenen Rhythmus zu finden, tut sich damit jedoch schwer. Erst nachdem sich die Hauptpersonen herauskristallisieren und das Ziel der Reise klar wird, fühlt man sich wie ein Teil des Abenteuers. Und genau das liefert „Solo“: ein spannendes Weltraum-Abenteuer mit dem gewohnten Star-Wars-Humor. Alden Ehrenreich als junger Han Solo schafft es wunderbar, den Charme des verwegenen Schmugglers einzufangen. Seine Beziehung zu den restlichen bekannten Charakteren des Universums, also Lando Calrissian (gespielt von Donald Glover) und Chewbacca (gespielt von Joonas Suotamo), wird gleichermaßen glaubwürdig herausgearbeitet. Dies gilt auch für Donald Glover, der es schafft, den Geist seines Charakters einzufangen und den restlichen Schauspielern teilweise die Show zu stehlen.

Solo steht außerdem im Kontrast zum 2017 erschienenen Teil „Die letzten Jedi“ der neuen Trilogie. Dieser ist bei Fans stark umstritten, da er einiges anders gemacht hat als seine Vorgänger. Allen voran hat er mit einem uralten Star-Wars-Konzept gebrochen: Die (hauptsächlich) männlichen Charaktere retten mit einem wagemutigen Plan den Tag. In „Die letzten Jedi“ gibt es ebenfalls solche Pläne, diese scheitern jedoch oder bleiben ohne Konsequenzen. „Solo“ setzt hier mehr auf Sicherheit und bewährte Konzepte.

Neben all diesen positiven Aspekten, die den Film zu einem unterhaltsamen Abendfüller machen, fehlt „Solo“ die Trag- und Reichweite der Trilogien. Die Welt, in welcher die Handlung spielt, wirkt kleiner und in sich geschlossener. Die intergalaktische Bühne, der Kampf zwischen Gut und Böse, welcher das Schicksal des Universums bestimmt: All das bietet der Film nicht. Aber das hat er sich auch nicht vorgenommen. Es ist gut, dass Disney auch die kleinen Schicksale und Geschichten der Charaktere erzählt und so dem Star-Wars-Universum noch mehr Leben einhaucht. Wer also einen lebensverändernden Film erwartet oder hofft, dass „Solo“ ebenso groß ist wie die Hauptableger, wird leider enttäuscht. Auch hält der Film wenig Unvorhersehbares bereit und folgt größtenteils einem linearen Storytelling. Wer aber zu einem leichten Abenteuer mit einigen grandiosen Szenen, gutem Humor und einem starken Hauch Star-Wars-Nostalgie nicht Nein sagt, wird eine sehr gute Zeit im Kinosessel haben. Der Film stellt eine solide Erweiterung der Star-Wars-Filme dar und macht auf jeden Fall Spaß.

Text: Marius Walther

Foto: Amac Garbe

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