Campuskolumne

Die Dresdner Neustadt – Sorgenkind der Landeshauptstadt, Drogen, Kriminalität und Lärm. All das verbinden viele mit dem „Szeneviertel“ und haben damit teilweise recht. Gemessen an der Anzahl der Straftaten liegt die Äußere Neustadt im Vergleich ziemlich weit vorne und auch in den Nachrichten hört man selten etwas Gutes. Doch es geht auch anders. Gerade im Sommer versammelt sich hier gefühlt die halbe Stadt und belebt die Straßen, Kneipen und Cafés. Am Assi-Eck zwischen Louisen- und Rothenburger Straße bekommt man am Wochenende nicht mal einen Sitzplatz auf dem Bürgersteig und muss am Späti anstehen. Irgendwo kursiert immer eine Gitarre, die Menschen musizieren gemeinsam und das alles größtenteils friedlich. Auch kulturell blüht die Neustadt im Sommer auf. Sei es die Sächsische Staatskapelle, die „Ohne Frack“ durch die Kneipen tourt und Klassik in einem ganz besonderen Rahmen präsentiert, oder die vielen kleinen Festivals, die jeden musikalischen Geschmack treffen dürften. Auch die Anwohner sorgen immer mehr dafür, dass der Stadtteil lebenswert bleibt. Der Haus- und Hofflohmarkt oder auch die BRN, die in diesem Jahr wieder mehr zu ihren Wurzeln zurückkehren soll, leben vom Engagement der Menschen.

Deshalb sehe ich auch schon mit Wehmut meinem baldigen Weggang aus Dresden entgegen. Nirgendwo anders habe ich bisher solch eine Atmosphäre erlebt und so viele neue Leute kennengelernt. Und gerade jetzt, wo sich meine Zeit hier dem Ende neigt, scheint sie nur so zu fliegen! Auf einmal ist schon Mai, obwohl doch gefühlt vor zwei Wochen noch Januar war? Und warum entdecke ich erst jetzt so viele tolle Sachen, für die mir doch die Zeit fehlt? Deshalb hoffe ich, dass ich irgendwann einmal hierher zurückkommen kann, um all das zu erleben. Bis dahin nutze ich meine letzten Monate in Dresden und der Neustadt und lege Euch ans Herz, den Sommer zu genießen, so weit es Studium und Arbeit zulassen.

Text: Hans Leonhardt

Foto: Amac Garbe

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