Von Bäumen, die Wunder schaffen

Jahrelang ging der Baumbestand auf dem Campus der TU Dresden zurück. Nun gibt es dank Baumpatenschaften Hoffnung auf eine Trendwende.

Jedes Jahr ist der Frühling ein Wunder der Natur. Diesmal ist es sogar ein außergewöhnliches Wunder. Denn in diesem Jahr verwandelte sich das Grau wegen des warmen Aprils noch schneller als üblich in Grün und Bunt. Hinzu kommen die Pollen der Fichte, die das Betongold in echtes Gelb tauchen. Auch das ist übrigens ungewöhnlich: Die Fichte blüht nur alle vier bis sieben Jahre und dieses Mal ist der Pollenflug sogar besonders stark. Er ist teilweise so dicht, dass er an Nebelwände erinnert.

Schön also, dass Dresden so eine grüne Stadt ist und selbst Stadtmenschen etwas von den Wundern der Natur mitbekommen. Schön zudem, dass der Campus der TU so voller Blattgrün strotzt. Denn was gibt es Schöneres, als sich in der Vorlesungspause ins Grüne zu begeben? Draußen sein Mittagessen zu genießen? Der SLUB mit einem gutem Buch den Rücken zuzukehren?

Nun ist das alles allerdings keine Selbstverständlichkeit – zumindest nicht nach Auffassung der TU-Umweltinitiative (tuuwi). Nachdem nämlich in den Jahren von 2012 bis 2016 rund zweihundert Bäume auf dem Campus abgesägt wurden, regte sich bei den tuuwis Widerstand. Man protestierte, initiierte eine Petition und fragte über die Grünen im Landtag bei der Staatsregierung an, wieso die Fällungen denn notwendig gewesen sind. Die Bäume, so kam heraus, wurden im Auftrag des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) gefällt, weil sie zum Großteil der Verkehrssicherheit nicht mehr genügten. Maik Stramusky, Student der Architektur im zehnten Semester und Mitglied bei der tuuwi, die sich für Baumschutz einsetzt, kritisiert allerdings im Gespräch mit Campusrauschen, dass nach den Abholzungen zu wenig neu gepflanzt wurde. Der Grund dafür sei, dass es kein Gesamtkonzept für den Campus gebe. Das SIB pflanze, so Stramusky, nur im Rahmen von Neubauten oder Sanierungen im Außenbereich an. Alle anderen Nachpflanzungen auf dem Campus seien nicht geregelt. Daher seien die Fällungen zwar gut organisiert, die Neupflanzungen allerdings nicht, was in den vergangenen Jahren zu einem Ungleichgewicht geführt habe.

Da die TU-Umweltinitiative es sich aber nicht nur zur Aufgabe gemacht hat, Wissen über Umweltfragen zu verbreiten und Umweltvorlesungen zu organisieren, sondern sich auch aktiv um die grünen Angelegenheiten auf dem Dresdner Campus kümmern möchte, ließ man sich etwas anderes einfallen. In Zusammenarbeit mit der TU-Stiftung und dem SIB ermöglicht die tuuwi es nun, sogenannte Baumpatenschaften abzuschließen. Das bedeutet, dass die Kosten für Anschaffung, Einpflanzung und erster Pflege eines Baumes – rund 500 Euro – ein Pate oder eine Patin übernehmen kann. Als Gegenleistung bekommt jede/r nicht nur ein grünes Gewissen, sondern es wird auch eine Plakette mit dem jeweiligen Namen angebracht. Bisher wurden über die Kooperation fünf Bäume angeschafft und gepflanzt. Nun, am 18. Mai, findet um 10 Uhr auf der Mommsenstraße vor der Alten Mensa die Einweihungsparty des ersten Baumes statt. Jede/r ist bei dieser Veranstaltung herzlich willkommen, betont Stramusky. Es wird eine Rede des Rektors geben, obendrein werden Mitglieder der Dresdner Umweltinitiative über Freiräume auf dem Campus informieren und für die Baumpatenschaften werben. Neben Musik von der Singer-Songwriterin Ines Herrmann wird es zudem, na klar, Baumkuchen geben.

Den Baum, der bei der Feier am 18. Mai eingeweiht wird, hat übrigens der Rektor der TU Dresden, Prof. Hans Müller-Steinhagen, von seinem Geburtstagsgeld gestiftet. Auch der zweite Baum ist bereits vermacht – und zwar an Prof. Stefan Gumhold, Professur für Computergraphik und Visualisierung. Den dritten sponsern die tuuwis selbst, das Geld für die anderen beiden Bäume wurde erst einmal vom SIB vorgestreckt. Noch sind also Patenschaften zu vergeben, zumal in der nächsten Zeit noch mehr Bäume angeschafft werden sollen. Laut Stramusky sind auch Studierende willkommen, so eine Patenschaft abzuschließen. Möglicherweise auch im Verbund mit anderen Studis.

Für die TU-Umweltinitiative geht es allerdings nicht nur um ein paar mehr Bäume, nicht nur um eine bessere Klimabilanz und auch nicht nur um mehr Grün auf dem Campus. Stramusky betont: „Unser immer noch sehr grüner Campus ist nichts Feststehendes, sondern Ergebnis der Arbeit früherer Generationen. Dafür braucht es aber ein entsprechendes Bewusstsein. Wir wollen nicht nur das SIB für dieses Thema weiter sensibilisieren und zu einem Gesamtkonzept für den TU-Campus beitragen, sondern wir wollen auch Studierenden zeigen, dass es an uns ist, unsere Umwelt zu schützen. Denn wenn wir es nicht tun, wird es kein anderer tun.“

Übrigens sagt nicht nur der gesunde Menschenverstand, dass der Aufenthalt im Grünen gut für Körper und Gemüt ist, sondern auch für die Wissenschaft: Die Zahl der Depressiven geht zurück, die Heilung Kranker geht schneller und wirksamer voran, Stress und Konzentrationsmangel werden deutlich schneller und effektiver abgebaut. Eine naturnahe Universität hat also mindestens zwei Vorteile: Zum einen haben Studierende die Chance, sich auch mal zwischendurch vom Unialltag zu erholen. Zum anderen –  man möge sich an die Geschichte von der Genese des Gravitationsgesetzes Isaac Newtons erinnern –  könnte auch uns zufällig eine Baumfrucht auf den Kopf fallen. Bäume schaffen offensichtlich Wunder.

Text: Martin Linke

Foto: Amac Garbe

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