Campuskolumne

Ich erinnere mich noch gut an die studentischen Proteste gegen die bonding-Messe 2013. Damals äußerte eine Gruppe Kritik am Stand der Bundeswehr, indem sie sich mit roter Farbe bedeckt davor auf den Boden legte. Seitdem ist es ruhig geworden. Dabei kümmert sich das bonding-Team doch jedes Jahr um zweifelhafte Firmenstände. Eine Auswahl:

Auch 2017 darf das deutsche Traditionsunternehmen Rheinmetall natürlich nicht fehlen. Im vergangenen Jahr machte die Firma knapp drei Milliarden Euro Umsatz mit Rüstungsgütern und ist mit mehr als 10.000 Mitarbeiter_innen in diesem Bereich eines der größten europäischen Rüstungsunternehmen. Zuletzt sorgten Panzer-Deals mit der Türkei für Schlagzeilen um Rheinmetall. Nicht nur bei Pazifisten hat sich das Unternehmen aber auch durch Bestechungsaffären oder umstrittene Waffenlieferungen an Saudi-Arabien unbeliebt gemacht.

Der Fahrzeughersteller MAN dürfte sich auf der Firmenkontaktmesse neben Rheinmetall auch ganz wohlfühlen. Beide Firmen stellen zusammen nämlich militärische Fahrzeuge her. Und mit dem Unternehmen Diehl wird auch ein deutscher Raketenproduzent auf der Dresdner bonding-Messe vertreten sein. Immerhin, das Geschäft mit Waffen & Co. boomt. Wer einen Job in der Rüstungsindustrie bekommt, kann sicherlich bis zur Rente durcharbeiten.

Die Liste der Firmen, die sich auf universitärem Grund nun als mustergültige Arbeitgeber präsentieren, kann natürlich noch erweitert werden. Unilever versorgt uns jeden Tag mit unter menschenverachtenden Bedingungen erzeugten Palmöl-Produkten, Lidl hat sich besonders in Sachen Mitarbeiter_innenfreundlichkeit einen guten Ruf aufgebaut. Und Vattenfall sucht auf der Firmenkontaktmesse nach Angestellten, obwohl man gerade 200 Stellen gestrichen hat. Warum nicht?

Sicher haben schon einige Student_innen einen Job, Praktika oder ähnliches durch bonding gefunden. Und es ist ja keiner gezwungen, sich bei Rheinmetall zu bewerben oder sich kostenfreie Kulis von Diehl mitzunehmen. Kritik verdient die bonding-Initiative aber allemal. Und die Uni sollte Rüstungskonzernen auch nicht unbedingt den roten Teppich ausrollen.

Keine der Dresdner Hochschulen hat übrigens eine Zivilklausel. Unis, die sich zu dieser bekennen, schließen Rüstungsforschung aus und verschreiben sich allein ziviler Forschung. Nicht, dass diese Zivilklausel nicht auch schon gebrochen wurde. Und neben der Rüstungsforschung gibt es ja auch noch so viele andere Dinge, die es zu bekämpfen gilt. Durch Firmen bezahlte und gesteuerte Forschung, befristete Verträge, Stellenabbau … Fortsetzung folgt …

Text: Marie-Therese Greiner-Adam

Foto: Amac Garbe

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