Von Angelika Overath, erschienen im März 2026 beim Luchterhand Verlag.
Angelika Overath, die mit ihrem Roman „Unschärfen der Liebe“ bereits für den Deutschen Buchpreis nominiert war, erzählt in „Calanda oder Alvas Antwort“ eine sehr leise, fast nachdenkliche Geschichte über das Leben und darüber, wie man sich vom Leben verabschiedet.
Im Mittelpunkt steht Alva. Sie ist Mutter, Alpinistin und jemand, der viel erlebt hat. Ihr Ziel: ein letztes Mal den Haldensteiner Calanda besteigen. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass da etwas mitschwingt. So ein Gefühl von Rückblick und gleichzeitig einem tapferen Nach-vorne-Schauen. Ausgelöst durch einen Igel im Garten.
„Und wieder fragte sie sich, ob Igel lächeln können oder ob sie es war, die seine Mundpartie als ein Lächeln verstand. Und ob ein Lächeln, das kein Lächeln war, doch ein Lächeln sein konnte.“
Ein Leben, das nicht geradlinig war
Während Alva den Berg hinaufgeht, entfaltet sich nach und nach ihre Geschichte. Da ist Cla, ihre große Liebe. Zehn Jahre sind sie zusammen, wollen ein Kind und genau dann, als sie schwanger ist, verliebt er sich in Istanbul in einen Mann. Cla entscheidet sich für ein Leben mit Baran.
Ihr Leben bleibt kompliziert, aber nicht unglücklich. Später lebt sie in Chur, bekommt ihre Kinder, die sie liebevoll „Glück 1“ und „Glück 2“ nennt. Ihre Kinder sind von zwei sich liebenden Vätern. Eine unkonventionelle Familie entsteht, aber eine, die trägt und Halt gibt. Vielleicht gerade, weil sie nicht perfekt ist.
Erinnerungen, Natur und die großen Fragen
Der Roman lebt von den Rückblicken: an ihre Großmutter, die aus dem Sudetenland geflüchtet ist. An Peter, der eher Vater als Stiefopa war. An Geschichten über Wölfe, Kräuter, den Waldbrand am Calanda. Alles greift ineinander, während Alva Schritt für Schritt den Berg hinaufgeht.
Und dabei wird klar: Das ist kein normaler Aufstieg. Es ist ihr letzter. Alva weiß, dass sie sterben wird. Sie stellt sich Fragen, auf die es keine richtigen Antworten gibt: Wie stirbt man eigentlich? Kann man das lernen? Und wenn nicht, kann die Natur einem vielleicht etwas zeigen? Die Berge, die Wölfe, das Feuer?
Trotzdem bleibt das Buch nicht nur schwer. Es hat auch etwas Tröstliches. Am Ende steigt Alva wieder hinab, in Gedanken bei alten Erinnerungen, bei ihrer Freundin Seraina und bei diesem kleinen Igel. Weil sich ja jemand um ihn kümmern muss.
Still, besonders und irgendwie nah
„Calanda oder Alvas Antwort“ ist kein lautes Buch. Angelika Overath schreibt ruhig, klar und sehr nah dran am Leben.
Ein Roman über Abschied, aber auch über das, was bleibt: Liebe, Erinnerungen, Natur und diese kleinen, unscheinbaren Dinge, die am Ende doch zählen. Perfekt für alle, die Bücher mögen, die einen nicht anschreien, sondern eher leise begleiten.
Text: Alexandra Caspar
Foto: Amac Garbe