Fest oder flüssig?

Zu meinem Geburtstag im Oktober wagte ich endlich den Schritt – ich kaufte mir ein festes Shampoo für die Haare und eine Duschpflege für den Körper. Lange hatte ich damit gehadert, trotz all der Vorteile. Nach neun Monaten und insgesamt vier Waschstücken ist es Zeit für ein kleines Fazit.

Ein Unterschied am Anfang

Wichtig zu wissen ist, dass feste Duschen und Haarshampoo Tenside in gepresster Form enthalten, durch die sie besser schäumen und einen neutralen ph-Wert haben. Im Gegensatz dazu stehen Seifen, bei denen in der Herstellung Lauge und Fette reagieren und einen basischen ph-Wert ergeben, der die (saure) Haut reizen kann. Bei Haarseifen kann mit einer Essiglösung nachgespült werden, damit die Schuppenschicht geschlossen wird. Außerdem verhindert das Ablagerungen, die bei stark kalkhaltigem Wasser entstehen können.

Grün, aber nicht immer gut

Laut meinen Recherchen hält ein Stück dreimal länger als eine Flasche Shampoo. Außerdem sind sie meist in Pappe verpackt oder sogar lose. Für die Herstellung festen Shampoos muss weniger Wasser aufgewendet werden. Und sie sind leichter und verursachen daher weniger CO₂ beim Transport.

Allerdings kommt es auf die Inhaltsstoffe an. Manche Hersteller verwenden noch immer das als hautreizend geltende Natriumlaurylsulfat oder setzen verseiftes Palmöl ein, was umstritten ist. Ähnlich wie bei anderen Kosmetika gilt daher, sich mit den Inhaltsstoffen zu beschäftigen und zu überlegen, was tragbar ist.

Warum ich solange haderte

Ein wesentlicher Punkt war für mich die Anwendbarkeit: Ich hatte Angst, dass die Seife nicht schäumen und nach dem Waschen in der Dusche nicht gut trocknen würde und Keime entstehen. Ob sie mir in der Wanne aus der Hand rutschen und ich hinfallen würde. Da ich eine empfindliche Kopfhaut habe, war mir nicht klar, wie meine Haut auf die Reibung reagieren würde.

Und, ehrlich gesagt: Ein schimmerndes Shampoo, das über den Körper gleitet und eine Duftwolke verbreitet, das erschien mir vertrauensvoller.

Kleines Sortiment

Die Auswahl an festen Duschen und Haarshampoos in der Drogerie ist größer geworden, aber nicht so riesig. Oft gibt es Produkte für normale und empfindliche Haut. Wem Düfte nicht so wichtig sind und wer nur sauber werden will, findet sicher etwas. Da ich mich aber freue, wenn’s morgens im Bad gut riecht, habe ich beim zweiten Duschstück einen Seifenladen in Dresden aufgesucht. Denn natürlich kann man auch normale Handseife zum Duschen verwenden, wenn sie mild formuliert ist. Die Auswahl ist größer und meistens findet man dort regionale und fair hergestellte Artikel. Die Verkäufer:innen des Vertrauens beraten gern.

Anwendung für den Körper

Für meinen Körper habe ich mir ein Seifensäckchen gekauft. Das hat mehrere Vorteile: Ich kann die Kordel um das Handgelenk schlingen und die Seife rutscht nicht aus der Hand. Danach kann ich sie in die Dusche hängen. Außerdem kann ich, wenn die Seife weniger wird, ein neues Stück hineintun und das alte mit aufbrauchen. Durch die raue Struktur wird die Haut sanft gepeelt.

Allerdings braucht es ein paar Anwendungen, bis das Shampoo in den Stoff eingezogen ist und problemlos schäumt. Bei meiner Seife muss ich immer ein bisschen nachhelfen, was ein Zeitfaktor ist.

Ich habe festgestellt, dass ich weniger verbrauche, weil ich nur über den Körper reibe. Schaumberge lassen sich damit nicht gut erzeugen.

Kein Problem beim Haarewaschen

Bei meinen Haaren ist es einfacher: Ich feuchte die Haare an und reibe damit über den Haaransatz. Für den Oberkopf rolle ich das Seifenstück scheitelweise über die Haut. Das ist ein bisschen leichter als bei der Flüssigvariante, weil man es nicht mit den Händen verteilen muss, besonders bei dicken oder dichten Haaren.

Insgesamt verbringe ich morgens genauso viel Zeit wie vorher damit, aber ich habe das Gefühl, dass nicht so viel Produkt aus meiner Hand ungenutzt in den Abfluss tropft. Es wird nur das verbraucht, was auf der Haut landet. Und bisher gab’s keine Unfälle.

Schwere Umstellung

Wenn ich mein Umfeld frage, warum sie feste Duschstücke nicht nutzen, kommt meistens eine klare Antwort: Gewohnheit. Man hat sein Duschgel gefunden und will das nicht ändern. Außerdem scheint Duschen als Form der Hygiene einen hohen Stellenwert zu haben, nicht aber als etwas, dass man bewusst und mit Genuss tut.

Daher wäre es eine Möglichkeit, dass man seine Plastik-Shampoo-Flasche im Laden nachfüllen lässt. Das wäre ein Zwischenweg.

In den Alltag integriert

Für mich ist das Duschen und Haarewaschen mit festen Stücken zur Routine geworden. Es geht schnell und ich weiß, dass ich nicht mehr verbrauche als notwendig. Trotzdem vermisse ich manchmal die Vielfalt, was die Düfte betrifft.

Text: Vivian Herzog

Foto: Amac Garbe

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