Campuskolumne

Mitten im Seminar zwischen 15 verschiedenen Menschen kommt ein brisantes Thema auf. Es ist ein Thema, über das alle automatisch nachdenken, bei dem sie automatisch handeln, jedoch spricht es selten jemand an. Die typischen Schubladen, welche uns Sicherheit bei der Einschätzung anderer Menschen geben. Weiter im Seminarverlauf kommen wir zur Frage, warum wir bei einer geliebten Person keine Schubladen öffnen und wie wir auf sie reagieren, wenn wir sie treffen – egal ob im Park, auf Arbeit oder Zuhause. Stelle ich mir vor, wie ich auf meinen besten Freund treffe, dann umarme ich ihn, sage „Hola!“ und weiß ihn einzuschätzen. Und genau darum geht es. Ich kann mir gut vorstellen, wie er sich fühlt, wie seine Laune gerade ist und kann ihn allgemein gesagt gut einschätzen. Warum ist das so? Mir scheint es auf der Hand zu liegen: Weil ich ihn kenne. Doch der Seminarleiter fragt weiter nach. „Warum kennst du ihn?“, hakt er nach.

Die Lösung ist das Kommunizieren und Miteinanderreden. Logisch, wenn wir uns mit Fremden unterhalten, verschieben sich unsere inneren Schubladen im Kopf oder lösen sich auf. Warum schreibe ich das nieder? Ich empfinde es für wichtig, darauf einzugehen, weil es Konflikte lösen kann und die Empathie fördert.

Der Seminarleiter zeichnet zwei Inseln an das vor uns stehende Flipchart, welche für zwei Personen stehen sollen. Wie baut man eine Brücke und ist erfolgreich dabei? Wenn wir eine Person sehen, dann bewerten wir sie aufgrund ihres Äußeren und dies steht mit unserer Erfahrung in Verbindung. Denn es gibt vieles, das uns hinsichtlich der Schubladen prägt. Wissen wir dies, reflektieren das und halten es in unserem Bewusstsein, wenn wir auf eine Person treffen, dann können wir sie kennenlernen, peu à peu besser einschätzen, und über diese schön gebaute Brücke laufen. Folgende Einflüsse sammeln wir in unserer Seminargruppe: Werte, Vergangenheit, Erziehung, Bildung, Religion, Glaube, Erinnerung, Erfahrung, Herkunft, Gene … Blickt vielleicht nicht nur über den Tellerrand, sondern aus der Küche hinaus!

Text: Anne Pollenleben

Foto: Amac Garbe

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