Arbeiten, wo andere abfeiern

Fast jeder war schon auf einem Festival oder ist der mehrtägigen Ekstase gleich komplett verfallen. Deshalb geht es im heutigen Teil unserer Sommerserie um Arbeiten auf Festivals.

Wie kommt man an einen Festivaljob?

So zahlreich wie die Festivals sind auch die Möglichkeiten und Chancen, an einen Job dort zu kommen. Die großen Events wie zum Beispiel Rock am Ring, Highfield oder das Hurricane werden unter Leitung einer Produktionsfirma von einem kaum überschaubaren Konstrukt aus Dienstleistern durchgeführt. Hier lohnt es sich, eine Suchmaschine mit entsprechenden Begriffen zu füttern. Es finden sich Eventlogistiker wie HKES, Personalagenturen wie Spektralwerk oder in der Getränkegastronomie tätige Firmen wie Matzke – Professional Bartending und Team 412 Festivalgastronomie, um ein paar Namen zu nennen. Neben den Dienstleistern bieten auch viele Konzertveranstalter direkt Arbeit an: so zum Beispiel die Festival Crew auf dem Deichbrand (ESK-Events) oder die Festivaljobs von FKP Scorpio (u. a. Highfield, Hurricane & Southside). Auch bei ehrenamtlich organisierten Festivals wie dem Open Flair kann man sich inzwischen unkompliziert online auf Jobs bewerben.

Was bekommt man?

Das Wichtigste: Es gibt freien Eintritt zum Festival! Wenn die Arbeitsschichten passen, kommt man so ohne teures Ticket zu den Konzerten der Lieblingsbands. Manchmal werden Mitarbeiter auch ohne langes Warten in die vordersten Reihen vor der Bühne gelassen. Dann steht dem Konzerthighlight nichts mehr im Wege. Außerdem gilt auch auf Festivals der Mindestlohn. Allerdings nicht bei ehrenamtlich organisierten. Hier reicht das Budget meist nur für die Verpflegung der Mitarbeiter. Auch An- und Abreisekosten müssen grundsätzlich selbst getragen werden.

Was gibt es zu tun?

Auf ein paar Wiesen muss innerhalb kürzester Zeit eine kleine Stadt entstehen. Neben der Gastronomie wird man dafür vor allem als zuarbeitender Helfer eingesetzt. Tätigkeiten, für die kein großes Anlernen erforderlich ist: Bauzäune müssen dekorativ verhangen und Einlässe gebaut werden. Auch die Müllentsorgung während des Festivals wird mit der Arbeit vieler Festivaljobber sichergestellt. Am Anreisetag gilt es, Kolonnen von Autos auf die richtigen Parkplätze zu weisen und tausende Tickets gegen Bändchen zu tauschen. Wer schon Erfahrung oder Kenntnisse wie einen Gabelstapler-Schein hat, bekommt Aufgaben mit mehr Verantwortung.

Wem begegnet man?

Festival-Mitarbeitende sind wie eine große Familie. Man wohnt zusammen im Crew-Camp und isst zusammen beim Catering. Viele sind die gesamte Saison zusammen unterwegs. Auch unter den Gelegenheitsjobbern trifft man auf Wiederholungstäter. Einige opfern sogar einen Teil ihres Jahresurlaubs vom Büroalltag für die Arbeit auf dem Festival. Man begegnet also Freunden.

Lohnt es sich?

Persönliches Fazit: Ja! Wer große Konzerte liebt, ist als Festivaljobber richtig aufgehoben. Von Konzert zu Konzert durch den Backstage-Bereich, immer vorne in der ersten Reihe dabei. Auch das Crew-Camp mit Ruhe, warmen Duschen und größtenteils sauberen Toiletten möchte man nicht mehr missen. Aber selbst wenn man den Massen zwischendurch entfliehen kann, ist man doch Teil eines kontroversen Riesenevents. Das spürt man am Anreisetag, wenn sich einem im Minutentakt verschwitzte Arme angetrunkener Gäste entgegenstrecken und ihr Bändchen wollen. Am Abreisetag steht man dann nicht selten auf einem Campinggelände, das einem Schlachtfeld nach einer Unwetterkatastrophe gleicht, und findet zwischen Müllbergen noch ein voll funktionstüchtiges Zelt oder einen Stuhl für das nächste Mal.

Text: Richard Rudat

Foto: Amac Garbe

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