„Fairreisen“ leicht gemacht

Viele Menschen machen sich Sorgen um die Umwelt, achten darauf, ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Wenn es aber um den Urlaub geht, möchte kaum jemand auf Annehmlichkeiten verzichten. Zu verlockend sind oft die niedrigen Flugpreise, All-inclusive-Angebote & Co.. Campusrauschen hat sich Gedanken gemacht: über faire Alternativen.

Natürlich ist der Gedanke, auch im Urlaub an die Umwelt zu denken, nicht neu. Genauso wie die Bio- oder die vegane Industrie in den vergangenen Jahren gewachsen sind, kann man auch im Tourismusbereich mit dem Label „fair“ Geld verdienen. Nicht nur faire Reisebüros, Blogs und Ratgeber finden sich – online wie offline – zuhauf, auch können Urlauber_innen Ausgleichszahlungen leisten, wenn die eigene Entspannung doch mal wichtiger war als die Vermeidung umweltschädlicher Treibhausgase und CO2-Emissionen. Dienste gibt es viele, zum Beispiel climatefair.de oder atmosfair.de. Mit einem Rechner kann man bei climatefair sehen, wie viel Kilogramm CO2 bei der Reise freigesetzt werden. Wer beispielsweise den Jakobsweg nicht erlaufen möchte, sondern von Dresden aus mit dem Wohnmobil nach Santiago de Compostela will, bezahlt nicht nur für den Sprit mehrere hundert Euro, sondern auch die Kompensierung der etwa 4500 Kilo CO2 kosten etwa 350 Euro, will man mit reinem Gewissen reisen. Das Geld fließt in Projekte, die sich für Klimaschutz, Energiesparen und Nachhaltigkeit einsetzen. Günstiger ist es, sich selbst innerhalb eines solchen Projekts zu engagieren oder einfach nach Spanien zu trampen. Wie das am besten gelingt und andere Arten, günstig zu reisen, darüber haben wir in der „ad rem“ bereits berichtet.

Slow Travel – der Weg ist das Ziel?

Der Weg ist das Ziel. Was für ein Klischee. Wessen größter Wunsch es ist, Paris zu sehen, und wer dafür nur eine Woche Zeit hat, wird sicher nicht einen ganzen Tag (und einen weiteren für die Rückreise) dafür aufwenden wollen, von Dresden nach Paris zu trampen, um damit das ökologische Gewissen rein zu halten. Bei einer kurzen Distanz wie Dresden – Paris muss man allerdings nicht mit dem Flugzeug fliegen, Busse und Bahnen sind erschwinglich und besser für die Umwelt. Bei Slow Travel geht es allerdings nicht nur darum, alle Etappen eines Urlaubs bewusst zu genießen. Was tun, wenn man am Wunschort angekommen ist? Anstrengend: von einer Sehenswürdigkeiten zur nächsten hetzen. Besser: Sich treiben lassen, Einheimische kennenlernen, eine Stadt zu Fuß erkunden und nur wenige Meilensteine setzen. Warum sollte ein Reiseführer EUREN individuellen Urlaub planen? Das Gehirn kann zu viel Information ohnehin nicht speichern. Wie viele Gemälde im Louvre hängen? Von wann bis wann und von wem Notre-Dame gebaut wurde? Was wir uns merken: Wie schnell die fliegenden Händler_innen am Eiffelturm ihre „Schätze“ zusammenpacken und rennen können, wenn die Polizei vorbeikommt oder den Duft der Croissants in der Boulangerie um die Ecke, die natürlich in Frankreich um Längen besser schmecken als hierzulande. Solche Gefühle sind mit der Kamera ohnehin nicht einzufangen, also kann man alle Technik auch getrost zu Hause lassen und stattdessen versuchen, die Sinne zu schärfen.

Vermeintlich Altbekanntes neu entdecken

Eine Überlegung wert ist sicherlich auch, was man mit der eigenen Heimat verbindet. Viele werden jetzt an das Elternhaus denken, die Region, in der man groß geworden ist. Oftmals geht die Verbindung mit der Heimat über Wochenendbesuche nicht mehr hinaus. Manchmal lohnt es sich aber, zurückzuschauen, um zu sehen, was aus dem Geburtsort geworden ist, nachdem man ihn zum Beispiel für die Ausbildung verlassen hat. Empfand man ihn damals als verschlafen, wurde er zu klein und spießig, kann man sich heute noch einmal ganz ohne Vorurteile, als Tourist_in, an den Heimatort herantasten – man muss ja nicht mehr da wohnen. Und die Oma freut sich auch. Idee: Neue Freund_innen ins vermeintlich Altbekannte mitnehmen und alles zusammen neu erkunden. Und wenn es sich anbietet, einfach zu Fuß losgehen. Hamburger_innen können zum Beispiel an der Elbe entlang in die Heimat wandern, „ad rem“-Autor Finn Robin Schufft hat die Wanderung ins nordische Zuhause getestet („ad rem“ vom 4.11.2015, Seite 6) und viel Schönes erlebt. Auch am Rhein oder an der Mosel entlang gibt es eindrucksvolle Wanderwege.

Urlaub von sich selbst

Wem es nicht darum geht, in den Ferien an ferne Orte zu reisen, sondern wer einfach nur dem Alltag entfliehen möchte, dem_der sei noch eine andere Form des Urlaubs ans Herz gelegt: der Urlaub von sich selbst. Urlaub soll jede_r schließlich für sich selbst definieren. Klingt erstmal esoterisch, meint aber: Neues testen, über sich hinauswachsen. Ein hauptberuflicher Zahlenjongleur könnte beispielsweise lernen, Käse herzustellen. Oder eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, die den ganzen Tag vor dem Rechner sitzt, einen Segelkurs belegen. Etwas selbst machen können, bedeutet immer ein Stück Freiheit erobern. Etwas weniger kostspielig, als das Segeln zum Hobby zu machen, wäre Klettern. Das Elbsandsteingebirge ragt direkt vor der Dresdner Haustür auf und Kletter_innen gelangen an Orte, die das Fußvolk nur aus der Ferne bestaunen kann.

Ferien auf Balkonien

Im Herbst dieses Jahres kommen im Übrigen die Gewinnerspots des Filmwettbewerbs des Dresdner Vereins Sukuma arts in die Kinos, Campusrauschen berichtete im vergangenen Herbst. Thema für dieses Jahr war: „Wie cool ist ‚Urlaub auf Balkonien‘ wirklich?“ Der Verein beleuchtet immer wieder Themen rund um Nachhaltigkeit. Und da weite kostspielige Reisen unseren ökologischen Fußabdruck auf Dinosauriergröße anwachsen lassen, ist es ratsam immer mal wieder unsere Gewohnheiten zu hinterfragen. Sonst blüht uns am Ende noch dasselbe Schicksal wie den Dinosauriern.

Text: Marie-Therese Greiner-Adam

Foto: Amac Garbe

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