Clubkultur zwischen Museumswänden

DAVE – das Festival für Clubkultur kooperiert erstmals mit der Hochschule für Musik Dresden und überschreitet bis 29. Oktober abermals die Grenzen zwischen Sub- und Hochkultur.

„Mit der Hochschule für Musik Dresden als neuem Kooperationspartner können wir der Wissensvermittlung noch viel mehr Raum geben“, erklärt Kai-Uwe Reinhold. Der 38-Jährige ist freier Journalist, Student, Musikliebhaber und einer von etwa 20 Organisatoren von DAVE. Das Festival für Clubkultur mit dem wohlklingenden Namen steht für Dresden Audio Visual Experience. Es sprengt Alltagsgrenzen und präsentiert die hiesige sowie internationale Subkulturszene in ihrer Breite und Vielfältigkeit. Zu Partys gesellen sich Theater, Film und ebenjene Workshops zur Wissensvermittlung.

Einen Teil dieser Workshops leitet Christoph Mann, der im Studio für Elektronische Musik der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (HfM) Dresden arbeitet. Wer sich für einen Workshop interessiert, der sollte nicht zögern, ein Teil ist nämlich schon ausgebucht. Allerdings gibt es auch Angebote, für die man sich nicht anmelden muss. Zusätzlich sorgen Meet & Greets sowie Diskussionen dafür, dass das Publikum ins Geschehen eingreifen kann.

Eingriffe wagt auch DAVE selbst. Denn die Elbe teilt Dresden eben nicht in Alt und Neu, in Hoch- und Subkultur, in Oper und Techno. Dafür sorgt u. a. dieses Festival, das sich nicht nur immer wieder neue Räumlichkeiten sucht, um den Horizont zu erweitern. „Wir wollen diese Räume auch abseits vom üblichen Konzept bespielen und beziehen uns auf die Themen, die in diesen Räumen vorherrschen“, erzählt Kai-Uwe Reinhold. Im Deutschen Hygiene-Museum ist beispielsweise noch bis Ende Februar die Ausstellung „Das Gesicht. Eine Spurensuche“ zu sehen. „Faces of Sound“ heißt dementsprechend das dortige DAVE-Livekonzert am 25. Oktober.

Doch wie widmet sich elektronische Musik dem Thema Gesicht? Zum Beispiel verweigert das Posttechno-Duo SHXCXCHCXSH aus Schweden sich nicht nur mittels der Unaussprechlichkeit seines Namens jedem Personenkult, sondern auch durch die Verhüllung der eigenen Gesichter. Wiederum will RROSE aus den USA mit dem eigenen femininen Auftreten auf die Randexistenz von Frauen und sexuellen Minderheiten im Technogenre aufmerksam machen. Und Landsmann ROBERT A. A. LOWE kreiert mithilfe von Patches und einem MIDI Sprout einen Sound, der auf den Biodaten von Gesichtern beruht.

Auch das Militärhistorische Museum beherbergt erneut eine DAVE-Veranstaltung. Dabei wird am 23. Oktober der Stummfilmklassiker „Die Passion der Jungfrau von Orléans“ von 1928 in neuer Vertonung gezeigt. Die Aufführung macht damit u. a. auf die Verbindung von Gewalt und bestimmten Geschlechtern aufmerksam. Filmische Dokumentationen zur Clubkultur werden derweil im kleinen Neustädter Thalia-Kino auf die Leinwand gebannt.

Wen es eher ins Theater zieht, der sollte sich noch weiter in Dresdens Norden begeben. Im Objekt Klein A in der Meschwitzstraße 7 zeigt die JuWieDance Company „Addiction to …“. Mittels zeitgenössischem Tanz, Sprache, Livevideo und -musik wird untersucht, wovon der Mensch abhängig sein kann.

Die Wurzeln des DAVE-Festivals liegen im Übrigen im Soli-Konzert Musikfreunde im Jahre 2012, nachdem der Neustädter Plattenladen Fat Fenders abgebrannt war. 2014 entstand aus dem Gemeinschaftsgefühl heraus die erste Festivaledition, die 2017 in die vierte Runde geht. Die Verbindung von Sub- und Hochkultur auf Augenhöhe war der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Stadt Dresden in den vergangenen beiden Jahren eine Förderung wert. Den Rest muss das zum Teil ehrenamtlich arbeitende Team aus Sponsoren- und Eintrittsgeldern finanzieren.

Am 29. Oktober findet das Festival dann zumindest für dieses Jahr in der Martin-Luther-Kirche ein sakral-kontemplatives Ende.

Text: Nadine Faust

Foto: Amac Garbe

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