Filmtipp des Monats: Lieber Thomas

Es ist gewaltig, was da heute ins Kino kommt. Und das nicht nur wegen der 150 Minuten. Ist man dies angesichts der CGI-geschwängerten Blockbuster aus Hollywood auch längst wieder gewöhnt.

Der Film „Lieber Thomas“ von Regisseur Andreas Kleinert nach einem Drehbuch vom Dresdner Thomas Wendrich überzeugt vor allem wegen des interessanten Typen, der da porträtiert wird und heute leider viel zu unbekannt ist. Aber auch wegen des Hauptdarstellers Albrecht Schuch, der momentan alles wegspielt, was ihm vors Schauspielerherz kommt. Als Schulbegleiter Micha in „Systemsprenger“ überzeugt er genauso wie als schmieriger Drogendealer Reinhold in „Berlin Alexanderplatz“ wie jetzt als Literat zwischen den Stühlen, als Thomas Brasch.

„Er war eine Kerze, die an beiden Enden gebrannt hat.“ So beschreiben die Produzenten des Films, Michael Souvignier und Till Derenbach, den Menschen Thomas Brasch. In der DDR aufgewachsen und vom eigenen Vater an die Staatssicherheit verraten, begehrt er stets auf und liebt doch sein Land. Nur widerwillig emigriert er in den Westen, kommt auch dort nie an und kehrt nach der Wende zurück nach Ostberlin, wo er 2001 an Herzversagen stirbt.

Zwischen den Frauen schwankt er und liebt – neben der Provokation – die Drogen. Anzukommen scheint er niemals. So heißt es doch in seinem Stück „Der Papiertiger“: „Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber/wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber/die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber/die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber/wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber/wo ich sterbe, da will ich nicht hin:/Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“

Diese Zeilen gliedern als Zwischentitel den in Schwarzweiß gehaltenen Film, der wenig Längen aufweist und die DDR einmal nicht in tristgrauen Bildern mit Selbstmordgefahr malt. Hier wird getanzt, getrunken, gevögelt. Und doch eckt Brasch stets an, wird von der Hochschule geschmissen, landet im Knast. Was Innenwelt ist und was real passiert, erfahren Zuschauer:innen manchmal erst nach Minuten, wechselt der Film doch zwischen diesen verschiedenen Ebenen, ohne vollends aufzuklären.

Ohnehin soll dies nicht der ultimative Film über Brasch sein, sondern eher eine Annäherung, ein Neugierigmachen. Viel zu weit war er schon in der Versenkung verschwunden, zu unbekannt sein Gesicht und Werk. Wendrich, Kleinert und Schuch holen ihn aus der Versenkung. Und Jella Haase steht die Brasch-Freundin Katharina Thalbach auch nicht schlecht.

Am 17. November (17.30 Uhr) sind Thomas Wendrich und Andreas Kleinert bei der Körners Corner im Programmkino Ost zu Gast und stehen vor und nach dem Film Rede und Antwort. Die Vorstellung ist nahezu ausverkauft.

Text: Nadine Faust

Zum Foto: Ein glückliches Paar: Thomas Brasch (Albrecht Schuch) bringt Katarina (Jella Haase) zu ihrer Theaterprobe. © Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany (Foto: Peter Hartwig)

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