Filmtipp des Monats: Contra

Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq liefern sich ein Duell. Okay, sie debattieren. Ausgangspunkt ist seine Jura-Vorlesung als Professor Richard Pohl an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, zu der sie als Ersti Naima Hamid zu spät kommt. Wegen seiner Reaktion des Rassismus bezichtigt, droht Pohl die Suspendierung. Doch Präsident Lambrecht hat eine Idee: Pohl soll Naima für einen Debattierwettbewerb vorbereiten, um seinen Ruf zu retten. Denn auch wenn er ein Arsch ist: Rhetorik kann er.

Widerwillig nimmt Naima das Angebot an – und lernt Pohl von einer anderen Seite kennen. Diese Entwicklungen – sowohl die zwischenmenschlichen als auch die persönlichen – gehen vielleicht doch etwas schnell und generell wurde die Geschichte ein My zu sehr auf Hollywoodglanz oder wahlweise -drama poliert. Dennoch wirkt der aktuelle Kinofilm von Sönke Wortmann alles in allem rund und unterhaltsam, nicht zuletzt wegen der beiden Duellant:innen.

Vor allem aber spricht der Film, der auf das französische Original „Le Brio“ zurückgeht, wichtige Themen an. Nicht nur, dass Rassismus mit vermeintlich kleinen Bemerkungen im Alltag anfängt, obwohl Pohl für seine Attacke hier sogar einen vollen Hörsaal wählt. Er stellt auch die Kunstform des Debattierens in den Vordergrund, in der man nicht nur seinen eigenen Standpunkt und seine Argumente vorträgt, sondern vor allem auch seinem Gegenüber zuhört, um seine Seite zu hören.

Nicht zuletzt spricht „Contra“ aber vor allem eine Problematik an, um die sich auch Initiativen wie Arbeiterkind.de bemühen: Dass Menschen aus „bildungsferneren Schichten“ diese Grenzen überwinden und ihre Träume verwirklichen. Das ist oft mit einigen Hürden verbunden, aber dennoch machbar. Und dafür ist dieser Film ein schönes, wenn auch fiktionales Vorbild.

Text: Nadine Faust

Zum Foto: Shake it off: Prof. Dr. Richard Pohl (Christoph Maria Herbst, r.) und Naima (Nilam Farroq, l.) versuchen die Anspannung vor dem Wettbewerb abzuschütteln.

Foto: © 2020 Constantin Film Verleih GmbH

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