Campuskolumne

Schon in der Schule gab es „Lehrerschleimer*innen“. An der Uni ist das nicht anders – leider. So sitze ich seit einigen Semestern mit Menschen im gleichen Kurs, die sich – so oft es geht – bei den Lehrkräften einschmeicheln. Sie sagen zum Beispiel: „Herr Professor, ich gehe mir einen Kaffee holen. Soll ich Ihnen einen mitbringen. Sie trinken den immer mit einem Schluck Milch, oder?“ Wenn wir im Seminar Fragen diskutieren, haben sie selten eine eigene Meinung. Stattdessen wenden sie sich an den Dozenten mit der Frage: „Wie ist eigentlich Ihre persönliche Meinung dazu?“ Später im Semester reden sie dann vor der ganzen Klasse amüsiert mit dem Professor darüber, wo sie sich demnächst auf einem Vortrag begegnen werden. Im Seminar sagen sie gern pseudo-kritische Sachen, lassen sich von der Lehrkraft korrigieren und nicken eifrig mit den Worten: „Ja, stimmt. Wenn sie das so sagen – da haben sie natürlich Recht!“

Dieses Verhalten einiger Mitstudent*innen ist nicht nur mir aufgefallen. Die Hälfte des Kurses tauscht inzwischen vielsagende Blicke aus, wenn eine Kommilitonin in die Runde winkt und ungefragt verkündet: „Ich mache dazu eine Excel!!!“

Das alles wäre mir herzlich egal, würden uns die Dozent*innen nicht bewerten. Denn Mitarbeit fließt zu großen Teilen in die Note ein. Wird der Kommilitone, der dem Professor einen Kaffee brachte, nun besser bewertet? Oder die Kommilitonin, die sich für die persönlichen Meinungen der Lehrkräfte besonders interessiert? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Nachprüfen kann ich es nicht. Trotzdem hinterlässt dieses Verhalten ein komisches Gefühl. Fakt ist: Die Dozent*innen, die das betrifft, kennen die Studierenden im Kurs nicht mit Namen – ausgenommen ist die Schleimer*innen-Gruppe. Deren Namen kennen sie genau und nutzen sie auch. Was kann man dagegen tun? Bisher ist mir nichts Sinnvolles eingefallen. Spricht man es an, werden die Betroffenen es leugnen. Die Dozent*innen werden das Verhalten der Kommiliton*innen wahrscheinlich anders wahrnehmen. Was bleibt also? Selber rumschleimen ist mir jedenfalls zuwider und den meisten anderen Studierenden im Kurs auch.

Text: Sabrina Winter

Foto: Amac Garbe

2 Gedanken zu “Campuskolumne

  1. Was studiert ihr denn? Mitarbeit darf mWn nicht bewertet werden. Zumindest nicht negativ sondern maximal in Form von extra Noten / Punkten. Auch das sollte man mit seiner Studienordnung und dem FSR derartiges Verhalten kritisch hinterfragen. Also statt hier nur rumzukotzen: Erstmal selber aktiv werden und schauen, ob man die Situation ändern kann.

    Auf der anderen Seite darf man auch als Student/Schüler Menschen gern haben und mit ihnen gut klar kommen. Schleimen ist nicht gleich schleimen. Ich selbst kam mit einigen wenigen Dozenten richtig gut aus. Kaffee habe ich nie geholt, aber hätten diese Dozenten mich gefragt, weil Sie ihren vergessen, nur 4h geschlafen und noch 3 Seminare vor sich haben, hätte ich auch sofort ja gesagt.

    Was ich damit sagen will: Es ist nicht alles schwarz und weiß. Auch wenn die genannten Beispiele schon sehr extrem sind. Der Text ist einfach ein riesengroßes “Mimimi” zum Frustabbau dran Autors. Das kann man mit Kommilitonen beim Bierchen machen, gehört doch aber hier nicht her. Es hat keinen Mehrwert für den Leser, außer, er sitzt im Seminar des Autors. Dann hat endlich jemand ausgesprochen, was man gedacht hat.

    1. Danke für deinen Kommentar. In dem Fall betrifft das nicht die TU Dresden, sondern eine andere Uni. Klar kann man sich mit Dozent*innen gut verstehen, spricht nichts dagegen, aber in den geschilderten Fällen ist es leider nicht nur das…
      Die Studienordnung erlaubt es in diesem Fall auch, dass Mitarbeit Noten “hochziehen” bzw. “runterdrücken” kann. Das Problem ist dem FSR bekannt, leider hat er (bisher) nichts weiter unternommen.

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