Dresdner Festivals des besonderen Films

Die Dresdner Stummfilmtage und die schmalfilmtage feiern im März Jubiläen, sind dabei aber jung geblieben.

Vom 9. bis 16. März finden die nunmehr 10. Dresdner Stummfilmtage statt. „Wir sind mit dem Kino im Kasten 2021 zu den Stummfilmtagen dazugestoßen. Wir machen ja schon seit unserer Gründung ab und zu Stummfilme mit Live-Begleitung, seit 2018 wurde das verstärkt. Das fiel dann auch dem Kurator der Stummfilmtage Matthias Hirth auf, dem unsere Vorführung von ‚Der Fuhrmann des Todes‘ mit der Dresdner Elektrokombo Søjus 1 sehr gefiel, und da kam die Verbindung zustande“, erzählt Martin Prade, der beim studentischen Kino zusammen mit Dana Bruckner für diese Veranstaltung zuständig ist. Und fügt hinzu: „Stummfilme haben ihre eigenen, ganz besonderen filmischen Qualitäten, die im späteren Kino oft so nicht mehr zu finden sind. Daher reizt die Aufführung von Stummfilmen im Allgemeinen schon sehr, zumal mit der Musik dann immer auch noch eine besondere Note gesetzt werden kann. Solche Abende haben immer eine große Magie.“

Zwei alte Meopton IV 35-mm-Projektoren von Meopta ermöglichen im Kino im Kasten auch die Vorführung von echtem Filmmaterial, worüber sich Martin Prade und Dana Bruckner besonders freuen.
Zwei alte Meopton IV 35-mm-Projektoren von Meopta ermöglichen im Kino im Kasten auch die Vorführung von echtem Filmmaterial, worüber sich Martin Prade und Dana Bruckner besonders freuen.

Aus diesem Grund wurden 2016 auch die ersten Dresdner Stummfilmtage im Museumskino Ernemann VII B in den Technischen Sammlungen aus der Taufe gehoben, um das Kino und die damit verbundene alte Vorführtechnik bekannter zu machen und ein Kinoerlebnis wie vor 100 Jahren zu schaffen. Das kleine Festival ist dem Museumskino aber längst entwachsen. Zum Start ziehen die Macher:innen dieses Jahr in den größeren Emanuel-Goldberg-Saal, der auch den Einsatz elektronischer Musik erleichtert. Zum ersten Teil des Stummfilmklassikers „Dr. Mabuse“ von Fritz Lang erklingt am 9. März eine Uraufführung, die Kurator, Komponist und Musiker Matthias Hirth erschaffen hat und zusammen mit Michael Arnold darbieten wird.

Pianoklänge im KiK

Das Kino im Kasten (KiK) hat die Vertonung von Mel Brooks „Silent Movie“, der am 15. März im studentischen Kino gezeigt wird, abermals „ganz in die Hände der Jazz-Pianistin Ilka Kraske gegeben, die momentan eine eigene musikalische Fassung erarbeitet. Da müssen wir uns also überraschen lassen, was sie sich ausdenkt. Ilka hat sich aber schon als hervorragende Pianistin in der Vertonung des Films ‚Ein Mensch der Masse‘ bewiesen, der unter unserer Ägide bei den Stummfilmtagen 2023 in den Technischen Sammlungen lief. Dieses Mal findet es aber bei uns im KiK statt“, sagt Prade, der sich im KiK u. a. um ebenjene Sonderveranstaltungen mit Stummfilmen kümmert und im Finanzteam ist.

Praktischerweise steht in dem Hörsaal, den das Kino im Kasten nutzt, immer ein Klavier.
Praktischerweise steht in dem Hörsaal, den das Kino im Kasten nutzt, immer ein Klavier.

Am 11. März ist bei den Stummfilmtagen mit Ralph Turnheim sogar ein Preisträger des Deutschen Stummfilmpreises zu Gast. Aber er bringt kein Instrument mit, denn er vertont Filme nur mit der Stimme. Der einzige professionelle Kinoerzähler im deutschsprachigen Raum hat sein Programm „Sherlock und der letzte Hund“ im Gepäck, mit dem er Richard Oswalds Stummfilm „Der Hund von Baskerville“ in Worte fasst. Dabei nimmt Turnheim die Vorlage nicht allzu ernst.

Karten für Veranstaltungen der Stummfilmtage kosten normalerweise zwischen 9 und 15 Euro. „Damit wir ein möglichst niedrigschwelliges Angebot für die Dresdner Studierenden, aber auch alle anderen machen können, haben wir uns für die kostenfreie Variante entschieden, die Dank des Studierendenrates der TU Dresden stattfinden kann. Stummfilme sind ja nicht für jeden etwas, da ist ein freier Eintritt gewiss ein zusätzliches Überzeugungsargument. Es soll aber auch als Einladung zu den Stummfilmtagen mit den vielfältigen Veranstaltungen andernorts verstanden werden“, erklärt Martin Prade.

60 Jahre Super 8

Bei den schmalfilmtagen können Studis wiederum ab sechs Euro in den Genuss von Schmalfilmformaten kommen. Die 26. Ausgabe des Festivals für den schmalen Film findet vom 20. bis 23. März in der Motorenhalle des riesa efau statt. Und es gibt den 60. Geburtstag des Super-8-Film zu feiern. Ursprünglich für den privaten Gebrauch gedacht, inspiriert das Schmalfilmformat Filmemacher:innen bis heute – was sich seit 1997 auch am Programm der schmalfilmtage ablesen lässt.

„Besondere Programme dieses Jahr sind das Super-8-Geburtstagsprogramm ‚Von der Rolle zur Kassette — 60 Jahre Super 8‘ am Samstag um 19.45 Uhr sowie die drei Wettbewerbe Donnerstag, Freitag und Samstag. Diese sind partizipativ gestaltet, da das Publikum für den besten Film abstimmen kann. Auch die Get-together, bei denen die Filmemacher:innen anwesend sein werden, sind lohnenswert“, verrät Laura Demel vom Organisationsteam der schmalfilmtage.

23 Programmpunkte gibt es an den vier Festivaltagen zu erleben. Am 20. März sind wie gewohnt Found-Footage-Filme zu sehen, wobei der Internationale Wettbewerb im Bereich gefundener Filmmaterialien den Abend bekrönt. Am 21. März startet der Super-8-Filmworkshop „Bunt auf acht!“, bei dem Neulinge und alte Hasen sowohl den Umgang mit Super 8 als auch die Entwicklung von (Farb-)Film lernen. Es folgt u. a. ein Filmprogramm mit privaten Aufnahmen zum Prager Frühling und das Geburtstagsprogramm zu Super 8. Das Festival schließt am 23. März mit der Präsentation der Workshopergebnisse oder auch Werken aus dem Filmarchiv Frieslands. Ausstellung und Festivallounge sowie Performances runden das Programm ab.

Text: Nadine Faust

Zum Titelfoto: Martin Prade und Dana Bruckner vorm studentischen Kino im Kasten

Fotos: Amac Garbe

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