Manchmal reicht ein Atemzug und der Stress ist weg, oder? Im Buch „Einatmen. Ausatmen“, das im März bei Kiepenheuer & Witch erschienen ist, nimmt Maxim Leo genau diese Klischees der Achtsamkeitstrainings auf die Schippe. Humorvoll, leicht zu lesen und mit einem Augenzwinkern.
Im Mittelpunkt steht Marlene. Struktur, Ordnung, Karriere sind ihr Ding. Ihr Job bedeutet ihr mehr als ihr Partner, Gefühle oder Chaos passen eigentlich nicht in ihren Plan. Doch ausgerechnet an ihren sozialen Kompetenzen soll Marlene jetzt arbeiten. Also schickt ihr Chef sie in ein Achtsamkeits-Retreat in ein Brandenburger Schloss. Tage voller Selbstfindung, Meditation und Gruppengesprächen.
Wenn der Ernst ans Schloss klopft
Der Leiter des Ganzen ist Alex Grow, ein landesweit bekannter Achtsamkeitscoach. Nur hat Alex gerade selbst ganz andere Probleme. Er ist kurz vor dem Burnout, kämpft mit Panikattacken und steht finanziell ziemlich unter Druck. Wenn er es nicht schafft, Marlene „firmenkonform zu heilen“, bekommt er einen wichtigen Auftrag aus ihrem Unternehmen nicht und ihm droht der Bankrott. Blöd nur, dass sich mit ruhigem Atmen allein die Rechnungen schlecht bezahlen lassen.
Während Marlene innerlich ziemlich zynisch auf ihre Mitteilnehmer blickt und das ganze Coaching-Gerede eher belächelt, versucht Alex verzweifelt, die Situation irgendwie unter Kontrolle zu halten. Daraus entstehen viele komische, manchmal auch überraschend ehrliche Momente. Denn hinter all den Atemübungen und Lebensweisheiten steckt bei beiden Figuren doch mehr Unsicherheit, als sie zugeben wollen.
Neben all dem Atmen auch noch Leben
Maxim Leo erzählt das Ganze in einem flotten, unkomplizierten Stil. Das Buch liest sich schnell weg, ist stellenweise richtig witzig und trifft dabei ziemlich gut den Nerv unserer Zeit: Selbstoptimierung, Achtsamkeit, Karriere und die Frage, ob wir dabei nicht manchmal komplett vergessen, einfach nur zu leben.
„Einatmen. Ausatmen“ ist kein schwerer Roman, aber einer mit viel Charme. Perfekt, wenn man gerade in einer Leseflaute steckt und einfach mal wieder ein Buch lesen möchte, das unterhält und einen zwischendurch auch ein bisschen über sich selbst schmunzeln lässt.
Text: Alexandra Caspar
Foto: Amac Garbe