Literaturtipp des Monats: Das Buch der verlorenen Stunden

„Es ist kein Ort. Mehr eine Vorstellung … Hier endet die Zeit.“

Hayley Gelfusos Roman „Das Buch der verlorenen Stunden“, der im November 2025 beim dtv Verlag erschienen ist, ist eine Symbiose aus Vergangenheit, Gegenwart und Erinnerung. Mit einem Mix aus Historienepos, Mystery-Thriller und philosophischer Zeitreise liest es sich, als würde man selbst durch die Stunden wandern.

Zwischen den Zeiten

1938 in Nürnberg: Der jüdische Gelehrte Ezekiel liest seiner Tochter Lisavet jeden Abend Geschichten über den „Raum zwischen der Zeit“ vor. Einen Ort, an dem Erinnerungen überdauern. Doch als draußen die Scheiben klirren und Gewalt in den Straßen tobt, versteckt Ezekiel seine Tochter hinter einer Tür an einem geheimen Ort.

Dort bleibt Lisavet gefangen. Bis sie eine Stimme hört. Ein Unbekannter fragt, ob sie eine Zeithüterin sei und Lisavet begreift: Die Geschichten ihres Vaters waren wahr.

Erinnerungen als Macht

1965 in Boston: Die junge Amelia wird von Moira für ein geheimes CIA-Programm namens TRP (Temporal Reconnaissance Program) rekrutiert. Ihre Aufgabe: durch die Zeit reisen und Erinnerungen einfangen. Jene, die „erhaltenswert“ sind, und jene, die man lieber verschwinden lässt. Als Amelia tiefer in die Arbeit des TRP eintaucht, entdeckt sie, dass die Organisation Erinnerungen nicht nur bewahrt, sondern auch manipuliert. Inmitten dieser politischen und moralischen Verstrickungen stößt Amelia auf „Das Buch der verlorenen Stunden“, in dem Lisavet all jene Erinnerungen gesammelt hat, die niemand sehen sollte.

Lisavet, die einst durch die Zeit wanderte, hat in Ernest, einem amerikanischen Zeithüter, einen Verbündeten und Geliebten gefunden. Doch als seine Vorgesetzten des TRPs ihn zwingen, Lisavet zu verraten, löscht sie seine Erinnerungen.

Liebe, Verlust und der Kampf um die Wahrheit

Die Autorin gibt allen Personen tiefgründige Charaktere. Ihre Zeithüter sind keine Superhelden, sondern Menschen, die mit der Verantwortung ringen, Geschichte zu bewahren oder zu vernichten.

„Das Buch der verlorenen Stunden“ ist keine einfache Zeitreise. Es geht um Prioritäten, die wir in unserem Leben setzen, und um die verschiedenen Blickwinkel einer Geschichte und Erinnerung.

Ein Roman für alle, die „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig geliebt haben und sich fragen, was mit den Stunden passiert, die verloren scheinen.

Text: Alexandra Caspar

Foto: Amac Garbe

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