Wenn sich die Wege zweier einsamer Wesen kreuzen, dann kann daraus eine Gemeinschaft wider Willen entstehen. In „Bomben Brüten Tauben“ an der BÜHNE verhandelt Karla Schröder dies zwischen einem Menschen und einem Vogel.
Alles hat seine Ordnung
Am Anfang begegnen wir Tom. Tom (Helena Marek) hat einen Job, aber zu den Kolleg:innen findet er keinen Zugang. Und er hat eine Ex-Frau, die er gern zurückhätte. Als nun auf dem Dach des Hauses eine Taube brütet, stört dies sein strukturiertes Leben. Tom will die Taube vertreiben. Doch je mehr er versucht, das Tier loszuwerden, desto mehr Sympathie entwickelt er.
Die Taube (Cedric Decker) wiederum beschützt ihr Ei und versteht nicht, was Tom gegen sie hat. Und sie hat ein anderes Problem: Bereits über 30 Eier hatte sie schon unter sich, aus keinem ist ein Küken geschlüpft. Das trennt sie von der anderen Gruppe um die Obertaube (Franziska Körner).
Geglückte Dramaturgie
„Bomben Brüten Tauben“ entwickelt sich langsam, doch Langeweile kommt nicht auf. Erwartet man anfangs, dass sich das Stück mit dem verzweifelten Leben eines von Arbeit zerfressenen, ansonsten aber einsamen Menschen beschäftigt, offenbart sich die Geschichte der Taube erst nach der Hälfte.
Das Ensemble der Zugvögel bildet einen guten Kontrast zu Toms Einsiedler-Leben. Denn die Gemeinschaft gibt nicht nur, sie fordert auch – sich anzupassen und gleiche Werte zu vertreten. Dieser Wechsel der Schwerpunkte; die Figuren, die immer wollen, was der andere hat, das macht das Stück so interessant.
Gut gespielt ist halb gewonnen
Die Hauptdarsteller:innen erweisen sich als Glücksgriffe. Cedric Decker als Taube verleiht seiner Figur eine majestätische Erscheinung und einen stoischen Blick, in den langsam Bewegung kommt. Helena Mareks Tom dagegen wirkt klein, schlaksig und unsicher, dennoch fest in dem Willen, den Störenfried zu vertreiben. Den beiden beim Spiel im minimalistischen Bühnenbild zuzusehen, das macht Spaß. Auch Franziska Körner, die u. a. in „Madame Gris“ mitwirkte und 2023 „Nimmerland“ selbst inszenierte, führt die Tauben mit starker Stimme durch den Text. In einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle zu sehen ist Maike Prüter, die seit dem „Amateur I“ unter Andreas Mihan in zahlreichen Stücken zu sehen war.
Für Karla Schröder, die an der Bühne auch im Bereich Fotografie tätig ist, ist „Bomben Brüten Tauben“ die erste große Regiearbeit. Ihr Debüt feierte sie 2021 mit „Star to Paradise“, 2024 folgte „Schwein“. In diesen Stücken war die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft ein zentrales Thema, gewürzt mit Situationskomik, die auch in „Bomben Brüten Trauben“ zum Tragen kommt.
Am Ende steht der Anfang
Die Komik ist es auch, die dem Höhepunkt des Stücks den nötigen Schwung gibt, da man am Ende nicht weiß, ob man sich freuen, weinen oder lachen soll. Und obwohl der Text in jeder Stadt spielen könnte, verlieht ihm Dresden als Aufführungsort eine ganz eigene Note. Denn auch hier werden noch Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
Das Stück läuft am 27. und 28. Februar sowie am 1. März an der BÜHNE, dem Theater der TU Dresden. Karten kosten normal neun Euro, ermäßigt fünf Euro.
Text: Vivian Herzog
Foto: Die Tauben auf Kurs © Sebastian Lay
Transparenzhinweis: Die Autorin ist aktives Mitglied des Vereins DIE BÜHNE e. V.