Neu im Kino: Die progressiven Nostalgiker

Früher war alles besser. Oder etwa nicht? Michel und Hélène fallen jedenfalls erst mal aus allen Wolken, nachdem die 1958 gerade neu ins Eigenheim eingezogene Waschmaschine einen Kurzschluss verursacht und sie 67 Jahre in die Zukunft katapultiert werden. Saugroboter, E-Scooter und Hundekackbeutel sind aber auch zum Verrücktwerden. Und besonders diese Emanzipation, mal ganz zu schweigen von anderen politischen Veränderungen.

Kaum im Jahr 2025 angekommen und nicht mal ansatzweise von den Veränderungen erholt, muss Hélène zur Arbeit, während ihr Mann Michel nun den Hausmann gibt. Dabei macht ihm das Smarthome so richtig zu schaffen, während ihn das Reality-TV regelrecht einsaugt. Und dann sind da auch noch die Hochzeitspläne der Tochter …

Zurück in die Vergangenheit

Die französische Regisseurin Vinciane Millereau legt mit „Die progressiven Nostalgiker“ ihren ersten Kinofilm vor und hat damit in Frankreich große Erfolge gefeiert. Nun geht die französisch-belgische Komödie in Deutschland an den Start und punktet mit einer Mischung aus „Barbie“ und „Zurück in die Zukunft“, wie Hauptdarstellerin Elsa Zylberstein es nennt. Denn Hélène findet alsbald Gefallen an der neuen Identität mit eigenem Job, eigener Kreditkarte und Unabhängigkeit.

Michel hingegen hadert mit den Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte und möchte dringend zurück in die Vergangenheit. Dass das innerfamiliäre Konflikte verursacht, versteht sich von selbst. Denn neben all den Veränderungen steht vor allem die Paarbeziehung im Zentrum, das gegenseitige Aushandeln ihrer Positionen und die Möglichkeit, sich neu zu entdecken – eben unter völlig anderen Voraussetzungen. Das ist ein interessantes Gedankenexperiment, driftet aber manchmal ins Klischee ab und die Figuren überspringen dabei das eine oder andere mal eine Entwicklungsstufe. Aber es ist erfrischend, dass die beiden Zeitebenen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Einen Blick kann man also durchaus mal riskieren.

Text: Nadine Faust

Foto: Früher war alles besser! Familienidylle in den 1950ern: Hélène (Elsa Zylberstein), Michel (Didier Bourdon) und die beiden Kinder Jeanne (Mathilde Le Borgne, nicht im Bild) und Lucien (Maxim Foster) beim gemeinsamen Frühstück. © Neue Visionen Filmverleih

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert