Ein Bundeskongress im Kastenkino

Kommunale Kinos. Eine Bezeichnung, die im Osten Deutschlands eher unbekannt ist. Entstanden sind sie wohl im Westen. Der Bundesverband kommunale Filmarbeit e. V. (BkF) weist als erstes Kommunales Kino das filmforum in Duisburg aus, eröffnet am 27. September 1970. Der Verband selbst sitzt in Frankfurt am Main, die meisten Mitgliederkinos und Initiativen verzeichnet er in Baden-Württemberg. 52 sind es dort, in den sogenannten neuen Bundesländern (Stand 2024) insgesamt acht – Berlin ausgenommen. In Sachsen-Anhalt ist dabei kein einziges zu finden, in Sachsen sind es immerhin vier. Nun war der alljährliche Bundeskongress der Kommunalen Kinos im November 2025 in Dresden zu Gast – u. a. im studentischen Kino im Kasten.

Mit dem Kongressthema „Zusammen•Wachsen. Kinokultur in Ost & West“ sollte der unterschiedlichen Ausprägung von Kommunalen Kinos Rechnung getragen werden. Dabei stand „Die Zukunft der kulturellen Kinoarbeit in Ost und West“ 2009 in Neubrandenburg schon mal im Zentrum. Doch allein der Mitgliederstand zeigt immer noch gravierende Unterschiede. Und denen konnte man bei drei Kongresstagen nur bedingt auf den Grund gehen.

Man hätte sich mehr mit der unterschiedlichen Finanzierung, der Infrastruktur und der Lokalpolitik beschäftigen müssen, wurde am letzten Kongresstag resümiert. Natürlich wären die unterschiedlichen politischen Systeme und die entsprechende Kinopolitik während der deutschen Teilung ursächlich zu sehen. Doch auch nach der Wende gehen die verschiedenen Bundesländer unterschiedliche Wege – nicht nur in Ostdeutschland. Zu nennen wäre etwa die institutionelle Förderung der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH, „deren Höhe sich an der Förderung durch die jeweilige Gemeinde bzw. den Landkreis orientiert“. Das wäre sehr effektiv, wenn die Kommunen die Kinos unterstützen, in Zeiten massiver Kürzungen aber doppelt schmerzlich.

Vom Mitglied zum Veranstalter

Was Kommunale Kinos überhaupt sind und wann welche Institution dem Verband angehören kann, war dabei mehrfach Thema. Im Zentrum stehen nicht-gewerbliche Spielstätten, bei denen nicht das finanzielle Interesse im Vordergrund steht. Darunter finden sich Träger von Filmfestivals, Filmarchive und -museen oder auch Unikinos. Zu letzteren gehört das Dresdner Kino im Kasten (KiK), das als Mitveranstalter auftrat. „Ich hatte vor zwei Jahren das Vergnügen, einen Bundeskongress in Oldenburg besuchen zu dürfen. Das hat mir richtig gut gefallen, weil spannende Themen besprochen wurden und man tolle Kinoleute aus ganz Deutschland kennenlernen durfte. Ich hatte mich damals schon gefragt, ob so ein Kongress auch bei uns funktionieren würde, aber die Idee schnell verworfen, da wir das nie alleine hätten stemmen können“, erzählt der ehemalige Theaterleiter Oliver Effland. Nachdem auch das Clubkino im Lingnerschloss dem Verband beigetreten war, nahm die Idee dann doch Gestalt an.

Wie das KiK in den Verband kam, erklärt Effland so: „Im Zuge der MDM-Kinoprogrammpreisverleihung 2018 wurden wir vom damaligen BkF-Geschäftsführer Fabian Schauren angesprochen, ob wir uns nicht vorstellen könnten, dem Bundesverband beizutreten. Wir kannten den Verband vorher nicht und hatten noch weniger auf dem Schirm, dass Unikinos dafür zugelassen sind.“ Aus finanziellen Gründen dauerte es eine Weile, im Oktober 2022 stellten sie schließlich ihren Mitgliedsantrag. Der bald 31-Jährige sieht noch ein anderes Problem: „Danach dürfte sich auch die Frage stellen, ob man im Team überhaupt die Kapazitäten hat, sich mit so etwas zu beschäftigen. Kleine ehrenamtliche Vereine sind ja gut ausgelastet mit dem eigentlichen Spielbetrieb.“

Gemeinsam statt einsam

Die Abgrenzung oder auch Kooperation mit gewerblichen Kinos stellte ein großes Streitthema des Kongresses dar. Oliver Effland und das KiK grenzen sich dabei nicht so sehr von ihnen ab: „Unser Selbstverständnis ist, nicht mit ihnen in Konkurrenz zu treten. Wir wissen ganz gut, wie schwer das Leben vom Kinobetrieb ist, wir stehen auch freundschaftlich in Kontakt mit anderen Betreibern. Da achten wir in der Programmgestaltung schon darauf, dass wir filmische Überschneidungen vermeiden.“ Es hätte sogar mal den Fall gegeben, dass sie einen Filmabend mit einem Programmkino zusammengelegt hätten. „Das Programmkino hat sich über eine Filmeinführung gefreut und unsere Gäste über eine zusätzliche musikalische Livebegleitung.“

Neben Vergünstigungen bei der GEMA oder bei Verleihern, Workshops oder Akkreditierungsmöglichkeiten bei großen Festivals sieht Effland einen anderen Vorteil in der Verbandsmitgliedschaft: „Viel wichtiger ist die Vernetzungsmöglichkeit in der Branche. Das ist schwer zu beziffern, welche Eindrücke und Ideen man durch den Austausch mit anderen Kinomenschen bekommt. Möglichkeiten, auf die man alleine nicht gekommen wäre, oder auch Hinweise, wo potenzielle Problemfälle lauern könnten. Außerdem hat man im Verband immer ein offenes Ohr für sämtliche kinorelevante Fragen. Er hält uns auch gut auf dem Laufenden, was kinopolitisch passiert, und setzt sich für unsere Interessen ein.“ Effland hat es jedenfalls sehr gereizt, so einen Kongress mitzugestalten. „Da ich an so einer großen Veranstaltung vorher noch nie mitgewirkt habe, durfte ich einiges lernen.“

Unikinos als Mittler zwischen den Welten

Seit zwei Jahren gibt es zudem eine eigene AG für die Unikinos des Verbands: „Die Idee zur stärkeren Vernetzung kam auf dem Bundeskongress 2023 in Oldenburg. Dort waren einige Unikinoleute aus verschiedenen Städten vor Ort und wir haben schnell gemerkt, dass wir noch mehr Redebedarf hatten. Es gab vorher bereits einen gemeinsamen Unikinodiscordserver, wo bereits Tipps und Tricks der bestehenden Unikinos per Chat ausgetauscht wurden. Im Nachgang haben wir uns dann zu einem Vernetzungsvideocall verabredet, woraus inzwischen halbjährlich stattfindende Onlinetreffen geworden sind“, erzählt Effland.

2025 gab es sogar einen ersten Unikinokongress in Darmstadt. „Aus den diversen Gesprächen sind einige Projektideen entsprungen, z. B. ein Unikinoleitfaden für den Fall, dass sich an einer Universität Leute zusammenfinden und ein eigenes Unikino gründen wollen. Bisher ist die AG aus meiner Sicht vor allem untereinander aushelfend und unterstützend. Sie hat aber das Potenzial, in Zukunft eine wichtige eigene Stimme innerhalb des Verbandes zu entwickeln.“

In der sächsischen Landeshauptstadt und sogar in Mitteldeutschland hat das Kino im Kasten jedenfalls eine gewichtige Stimme. Oliver Effland sagt: „Innerhalb der Kinolandschaft Dresdens ist unsere Aufgabe eher, eine breite Programmvielfalt abzubilden und für einen schmalen Taler anzubieten. Wir wollen einen Diskussionsraum für lokale Initiativen bieten und arbeiten häufig und gerne mit uninahen Institutionen zusammen, um so auch einen Link zwischen Universität und Zivilgesellschaft zu bilden und insgesamt das Filmerlebnis in einen größeren Kontext zu stellen.“

Zudem kann das Kino dank der beiden alten Meopta Meopton IV 35-mm-Projektoren noch analog vorführen. „Da sehen wir uns schon ein bisschen als Ausbildungsstätte, um das Wissen um diese Kulturtechnik aufrechtzuhalten, weil das ja leider nicht mehr so viele Kinos abspielen können. Und vermutlich schwingt auch ein bisschen der Anspruch mit, eine junge Generation an die Vielfalt der Filmwelt abseits des Mainstreams heranzuführen.“ Für letzteres haben sie schon mehrere Kinoprogrammpreise der Mitteldeutschen Medienförderung eingeheimst.

Text: Nadine Faust

Zum Foto: Oliver Effland im da leeren, aber zum Kongress gut gefüllten Kino im Kasten.

Foto: Amac Garbe

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