Wie wurde das Model und die Mama Niki Matthews zu einer der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, zur „Terroristin der Kunst“? Dieser Frage geht die französische Schauspielerin und Regisseurin Céline Sallette in ihrem Regiedebüt „Niki de Saint Phalle“ nach.
Am 29. Oktober 1930 als Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle in einem Vorort von Paris geboren, wächst Niki de Saint Phalle hauptsächlich in den USA auf. Noch bevor sie 20 ist, heiratet sie ihren Jugendfreund, den US-amerikanischen Autor Harry Matthews, zieht mit ihm nach Paris und bekommt zwei Kinder. Und hier setzt Céline Sallette ein. Sie zeigt Nikis Jobs, ihren Kampf mit der Mutterschaft, vor allem aber das Aufbrechen alter Traumata. Laut eigener Aussage wurde die Künstlerin ab ihrem elften Lebensjahr mehrere Jahre von ihrem Vater sexuell missbraucht, was sie zunächst verdrängt, was sich in der Ehe mit Matthews aber Bahn bricht. Sie kommt in die Psychiatrie – und entdeckt alsbald die Kunst für sich. Sie emanzipiert sich, begehrt auf. Mit ihren Schießbildern macht sie 1956 erstmals auf sich aufmerksam. Sie trennt sich von ihrem Mann, ja der ganzen Familie, und lernt ihren späteren Ehemann Jean Tinguely kennen.
Die Frau hinter der Kunst
An diesem Punkt steigt Sallette wieder aus. Doch das macht den Film interessant. Denn wer den Namen Niki de Saint Phalle hört, hat sofort ihre Nanas im Kopf. Ihre Kunstwerke sind in Europa und den USA nahezu omnipräsent. Doch wer war diese Frau wirklich? Sallette bleibt 98 Minuten ganz nah dran an ihrer Protagonistin, richtet auch bei der Entstehung der Kunstwerke die Kamera nur aufs Gesicht, auf die Emotionen. Das ist indirekt ein Spiegel ihrer Kunst, die auch voller Gefühle ist. Die Kunst ist ihr Mittel, ihre Traumata zu überwinden.
Die kanadische Hauptdarstellerin Charlotte Le Bon ist Niki de Saint Phalle dabei fast wie aus dem Gesicht geschnitten. Eine Ähnlichkeit, die Sallette erst zu ihrem Film inspirierte. Und der sollte Kunstfreund:innen neue Einblicke in ein doch bekanntes Leben geben. Allen anderen sei er erst recht ans Herz gelegt.
Text: Nadine Faust
Foto: Geburt einer großen Künstlerin: Niki (Charlotte Le Bon) entdeckt Freiheit und Erlösung im künstlerischen Schaffen. © Neue Visionen Filmverleih
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