Die ebenso güldenen Rosse der Goldenen Reiter des FILMFEST DRESDEN scharren schon mit den Hufen, in einer Woche werden die 17 Preise des 38. International Short Film Festival verliehen. Doch auch abseits des Internationalen, Nationalen und Mitteldeutschen Wettbewerbs gibt es einiges zu sehen.
Als Schwerpunkt hat das Filmfest dieses Jahr die Arbeit gesetzt. In vier speziellen Programmen geht es um Frauen in der Arbeitswelt und ihren Blick darauf; um die Frage, wie Arbeit sich einschreibt in Menschen und ihre Umgebung; wie digitale Welten unsere Arbeitswelt durchdringen und was Arbeit mit Heimat zu tun hat.
Ehrung für Ernst Hirsch
Einer, der zeitlebens seine Heimat dokumentiert und auf Film gebannt hat, ist Ernst Hirsch. 1936 in Dresden geboren und aufgewachsen, überlebt er den Bombenangriff auf die Stadt und beginnt eine Feinoptiker-Ausbildung bei Zeiss Ikon, nebenbei fotografiert er und macht Schmalfilmaufnahmen vom Zwinger. Spätestens in den 1970ern beginnt er, auch fremde Filme zu sammeln, das früheste Werk stammt von 1903. Vor einem Jahr hat Hirsch seine Film- und Kamerasammlung an die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden sowie die Technischen Sammlungen übergeben. Ab 9. Mai wird er anlässlich seines 90. Geburtstags in den Technischen Sammlungen mit einer Ausstellung geehrt, eine kleine Retrospektive zu seinem Schaffen ist nun beim Filmfest zu sehen.
Einen ganzen Kontinent deckt das diesjährige Animated-Programm ab, dass sich 90 Jahren afrikanischer Animationsgeschichte widmet – von einem Film von 1940, in dem es um die militärische Besetzung Ägyptens durch die Nazis geht, über ein Werk des Südafrikaners William Kentridge, der sich mit der Ausbeutung des Landes und der Schwarzen Bevölkerung befasst, bis zu einer afro-futuristischen Geschichte.
Ein Parforceritt durch die (Kurzfilm-)Geschichte
Der diesjährige Diskurs Europa wiederum widmet sich dem filmischen Schaffen im baltischen Staat Lettland – von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Die drei Digestif-Programme versprechen mal wieder bitterböse Gesellschaftskritik – seien es Rachegedanken gegenüber Vorgesetzten, das altbekannte WTF oder „queere Monster und Held:innen“. Der Fokus Québec ist auch in der 20. Ausgabe zu empfehlen und in der Retrospektive könnt Ihr zusammen mit der Filmgalerie Phase IV und dem ZfBK – Zentrum für Baukultur Sachsen „Orte der Arbeit“ erkunden. Und wer auf Musikvideos steht, kann bei der Geburtsstunde eines neuen alten Dresdner Kinos dabei sein.
Text: Nadine Faust
Zum Foto: Ernst Hirsch hat auch mit der Handykamera immer den Durchblick. © Amac Garbe