Einfach Musik machen

LOTTA SLEEPS vereint nicht nur Familienmitglieder. Die Dresdner Band verbindet mittels Postfolk auch ganz unterschiedliche Musiker.

Die Cousins Julius Meyer und Ole Sterz sind im thüringischen Suhl aufgewachsen, kennen sich schon ihr ganzes Leben lang. Bei Julius liegen die musikalischen Anfänge bei der Klarinette, bei Ole war es die Geige. Da waren sie sechs oder sieben Jahre alt. Mit ihren Brüdern Maximilian und Anton hatten sie Ende der 2000er eine Hardcore-Band. „In der Zeit haben wir auch Gitarre und E-Gitarre gelernt. Zusammen zu spielen hat stärker motiviert als alleine zu Hause ‚Wonderwall‘ von OASIS zu covern“, erzählt Julius.

Der heute 27-jährige Julius Meyer ging 2010 dann für sein Lehramtsstudium nach Dresden – Mathematik und Geschichte für Gymnasien. Da ruhte die Musik etwas. 2012 zog Ole Sterz für sein Freiwilliges Ökologisches Jahr nach Leipzig um. Fortan tingelten die beiden hin und her und gründeten das Duo LOTTA SLEEPS – mit Julius als Sänger und an der Akustikgitarre sowie Ole an der Geige, Mandoline und E-Gitarre. Mittlerweile lebt der 24-jährige Ole auch in Dresden und studiert an der TU ebenfalls Lehramt für Gymnasien – in der Endphase. Seine Fächer: Geschichte und Geografie. Julius ist schon fertig und macht gerade sein Referendariat am Kreuzgymnasium. Aus dem Duo ist in dieser Zeit eine Band geworden.

Am Schlagzeug sitzt Felix Berlin, 26 Jahre alt und im Leben abseits der Musik Wirtschaftsingenieur. Anfang August ist er für einen Job nach Hannover gezogen. Die Band muss noch ausprobieren, wie sich das vereinbaren lässt. Der 28-jährige Bassist Philipp Knötig lebt seit Jahren in Leipzig und arbeitet als Chemieingenieur in Bitterfeld. Auch Trompeter Anton, Oles Zwillingsbruder, ist in Leipzig stationiert. Für die Proben in Dresden wollen sie aber spätestens alle zwei Wochen zusammenkommen. Es ist nur nicht mehr ganz so einfach wie zu Studienzeiten.

Ihre Musik hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Zu Beginn klangen Julius und Ole nach Singer-Songwriter. Zusammen mit den anderen entwickelte sich daraus ein Mix aus Indie-Folk und sphärischem Postrock. „Ergo: Postfolk“, erklärt Ole und lacht. Jedes Bandmitglied kann sich damit identifizieren, da sich auch jeder mit seinem Geschmack, seinen Ideen und Instrumenten einbringt. Julius greift beispielsweise mal wieder zur Klarinette, Ole vermehrt zur E-Gitarre. Mehrstimmigen Gesang wollen sie vermehrt einbringen, um noch vielseitiger zu werden – was nicht so einfach ist, wenn man keine Gesangsausbildung hat. Die Liedtexte schreibt dagegen allein Julius – auf Englisch, denn damit sei er stärker sozialisiert.

Die Fünf wollen nicht auf Teufel komm raus erfolgreich werden, es geht ihnen nicht um den großen Durchbruch. „Das sehen wir ganz realistisch“, sagt Julius. Die Konkurrenz wäre heutzutage sehr groß. Mithilfe von zig Medien kann man Musik konsumieren. Um Neues kennenzulernen, ist keiner mehr auf Konzerte angewiesen. Die Liveauftritte bedeuten ihnen aber gerade viel. „Wir wollen auf der Bühne stehen, das beste Klangerlebnis für uns und die Konzertbesucher rausholen, Menschen bewegen“, erzählt Frontsänger Julius. Die Tour durch Deutschland, Tschechien und Österreich nach dem Album-Release von „Are you one of them?“ im Frühjahr 2016 war deswegen auch ein echter Höhepunkt für sie. „Wenn man die Leute mag, mit denen man da tourt, dann ist das auch wie Urlaub“, fügt Ole hinzu. „Es geht uns einfach darum, Musik zu machen“, fasst es Julius kurz und prägnant zusammen.

Woher kommt aber der Name LOTTA SLEEPS? „Das klingt einfach schön“, sagt Ole und schmunzelt – wohlwissend, dass die Frage auf Schwerwiegenderes zielt. Der schön klingende Name hat nämlich einen ernsten Hintergrund. Kurz bevor Julius seinen Schulabschluss machte, wurde seine damals zwölfjährige Schwester Charlotte angefahren und lag zwei Monate im Koma. „Das war haarscharf. Das wünsche ich wirklich niemandem“, erzählt er. Heute werden die Bandshirts manchmal besonders wegen dieses Namens gekauft – weil ein Familienmitglied Lotta heißt oder aber die Freundin. Der Hintergrund ist den meisten wohl unbekannt. Für Julius und seine Familie ging es glücklich aus – und er verarbeitete das Geschehene in einem eigenen Song. Der heißt wie die Band selbst „lotta sleeps“.

LOTTA SLEEPS sind am 19. Oktober wieder live in Dresden zu sehen und zu hören – zusammen mit THE MOONBAND in der Groovestation

Text: Nadine Faust

Foto: Amac Garbe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.