Campuskolumne

Ach BRN! Wohl kein anderes Fest in Dresden sorgt jedes Jahr für so viele Diskussionen wie die Bunte Republik Neustadt.

Auch in diesem Jahr stürzte ich mich, erstmals als Anwohner, ins Getümmel und erlebte die zwei Gesichter der Bunten Republik. Am Samstagnachmittag waren durchaus schon einige Menschen unterwegs, aber auf den Straßen gab es noch mehr als genug Platz. Vor allem für Familien oder Hundebesitzer die einzige Möglichkeit für einen Ausflug auf die BRN. An jeder Ecke gab es etwas zu entdecken: Traumhaft schöne Innenhöfe, fantasievolle Stände, ein Donald Trump („Make BRN great again“) und viele tolle Bands sorgten für eine ausgelassene, aber trotzdem friedliche Stimmung. Allerdings musste man schon wissen, wo man zu suchen hat. Die Alaunstraße beispielsweise war selbst am Nachmittag nicht zu ertragen, denn alle fünf Meter dröhnte einem Musik entgegen, jede schlimmer als die vorherige. Allein die Scheune stach aus dem Einheitsbrei hervor und bot im Hinterhof eine zauberhafte Atmosphäre mit Hängematten und guter Musik.

Am Abend dann änderte sich das Bild. Die Straßen füllten sich, so dass ein Durchkommen teilweise kaum möglich war und die Musik wurde noch mal ordentlich aufgedreht. Bands, die das Pech hatten, in der Nähe der Boxentürme spielen zu müssen, die gefühlt an jeder Ecke standen, wurden übertönt. Das ist natürlich schade, denn einige Besucher hatten vermutlich keine Lust, durchgängig mit Techno beschallt zu werden. An dieser Stelle hätte ich mir ein bisschen mehr gegenseitige Rücksichtnahme gewünscht. Doch die fehlte auch an anderen Stellen. So gab es einige Besucher, die meinten, in Hauseingänge pinkeln zu müssen, obwohl es genügend öffentliche Toiletten gab. Natürlich finde auch ich es fragwürdig, dass man 50 Cent oder sogar einen Euro für das stille Örtchen bezahlen soll, aber so etwas geht einfach nicht.

So, genug gemeckert! Auch der Samstagabend bot schöne Momente abseits der „Hauptstraßen“ und am Sonntag ließ es sich wieder entspannt bummeln. Aber trotzdem bleibe ich am Ende dieses Wochenendes mit gemischten Gefühlen zurück. Irgendwie ist mir das alles zu groß, zu viel und zu laut. Auf der anderen Seite ist es immer wieder toll zu sehen, mit wie viel Mühe und Kreativität viele Menschen versuchen, Akzente zu setzen und die BRN zu etwas Besonderem zu machen. Um sie zu unterstützen, werde ich auch nächstes Jahr wieder dabei sein und die Unbeschwertheit genießen, die hier und da noch aufblitzt. Denn das ist es, was die Bunte Republik Neustadt für mich ausmacht, und ich hoffe, dass dieses Gefühl erhalten bleibt, egal wie viele Bierwagen und Boxentürme noch kommen mögen.

Text: Hans Leonhardt

Foto: Amac Garbe

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