Campuskolumne

Vor ein paar Tagen war ich mit Freundinnen in der Stadt. Es war ziemlich heiß und wir hatten alle kurze Hosen an. Eine meiner Freundinnen trug seit Jahren zum ersten Mal wieder Hotpants. In den Jahren zuvor war sie immer der Meinung, sie könne keine tragen, weil sie dafür zu dick wäre. Sie hat allerdings für ihr Wohlfühlgewicht in den vergangen Monaten regelmäßig Sport gemacht, gesünder gegessen und tatsächlich ihr Wunschgewicht erreicht. Allerdings fühlte sie sich trotzdem noch unsicher, ob sie sich in der Hose zeigen „darf“. Das haben auch zwei andere Mädchen mitbekommen und uns frech ausgelacht. Das hat meine Freundin sofort gemerkt und sich gleich völlig unwohl gefühlt.

Warum fühlen wir uns von der Gesellschaft immer so unter Druck gesetzt? Im einen Moment finden wir uns schön und im nächsten sind wir mit unserem Körper nicht mehr zufrieden. Das nur wegen eines Kommentars oder einer Reaktion von fremden Menschen. Es scheint so, als würde der „perfekte“ Körper das sein, worauf es im Leben ankommt. Schon zeitig lernt man in unserer Gesellschaft, man dürfe bestimmte Kleidungsstücke nur tragen, wenn man einem speziellen Körpertyp entspricht. Das führt dazu, dass die wenigsten Menschen zufrieden mit sich selbst sind. Denn jeder Mensch ist anders. Das bedeutet auch, jeder hat andere Voraussetzungen und kann vielleicht gar nicht aussehen wie die Models bei Instagram & Co. Aber warum sucht man immer das, was „schlecht“ am eigenen Körper ist? Warum suchen wir nicht das, was schön ist und worauf wir stolz sein können? Warum lassen wir uns überhaupt vorschreiben, was schön ist? Jeder Mensch definiert Schönheit anders. Du findest Dein kleines Bäuchlein niedlich? Super! Ein Thigh Gap ist Deiner Meinung nach schrecklich? Wer hat gesagt, dass Du falsch liegst?

Ganz einfach: Wenn man sagt, man findet zum Beispiel seine Beine schön, wird man sofort als arrogant und selbstverliebt eingestuft. Scheinbar ist es in unserer Gesellschaft eine schlechte Angewohnheit, sich selbst gut zu finden und zufrieden mit sich zu sein. Obwohl das die Grundlage für ein gesundes Selbstvertrauen ist, was wiederum als gute Eigenschaft gilt.

Es ist also etwas ganz schön schiefgelaufen in der Gesellschaft und es wird Zeit, das wieder geradezubiegen. Das kann schon damit beginnen, dass man guckt, was man an sich selbst super findet. Das macht einen stark und man bekommt gleich eine bessere Ausstrahlung. Und wenn man eine positive Ausstrahlung hat und mit sich selbst im Einklang ist, über seine Stärken und Schwächen Bescheid weiß, ist die Meinung anderer Menschen sowieso egal. Denn ein Mensch ist nie nur das Äußere, sondern immer das Gesamtpaket. Wer einen miesen Charakter hat, wirkt automatisch unattraktiv auf uns. Hingegen wirken selbstbewusste Menschen meistens auch gleich viel anziehender. So normal wie das eigentlich sein sollte oder vielleicht auch scheint: Ich finde gerade in den letzten Jahren mit dem Boom von Instagram und Snapchat ist das eine wichtige Message, die man sich immer wieder vorhalten sollte.

Text: Jasmin Scholz

Foto: Amac Garbe

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