Campuskolumne

Morgen ist der 25. Mai 2017 und darüber hinaus ein Feiertag. Da ist er also schon wieder, dieser seltsame Tag, der viele verschiedene Namen trägt, an dem per Gesetz in Deutschland niemand arbeiten muss und der auf unterschiedlichste Weise begangen wird. Als christliches Hochfest namens Christi Himmelfahrt ein wichtiges Datum im katholischen Kalender, wird der 39. Tag nach dem Ostersonntag im weltlichen Sinne entweder als Vatertag, Herrentag oder schlicht als Männertag bezeichnet – wenn denn der Bezeichner zum entsprechenden Zeitpunkt überhaupt noch in der Lage ist, dieses Wort (einigermaßen sauber) auszusprechen.

In seiner Form als Vatertag scheint dieses stets auf einen Donnerstag fallende Event noch heimelige Züge zu tragen: Die Familie verbringt gemeinsam einen netten Tag zu Ehren des männlichen Familienoberhaupts. Hierbei werden auch noch die Kinder, die Mutti und vielleicht sogar noch die eigene Mutti geduldet, im Idealfall endet es in einem Fahrradausflug bei herrlichem Sonnenschein. In seinen beiden anderen, nicht-christlichen, Wortbedeutungen dreht es sich ganz einfach nur um alles, was männlich ist oder sich zumindest so vorkommt, und alles andere sollte sich möglichst schnell in Sicherheit bringen.

Denn es treibt die werten männlichen Herren im ganzen Land traditionell vor die Haustür, was auch so ein bisschen ist wie ein idyllischer Familienausflug. Es geht hinaus in die Natur und Mann ist gewappnet: Einen lässigen Schlapphut als Schutz vor dem Wetter, ein lustiges Wägelchen, um sich daran festzuklammern, und kästenweise erfrischende alkoholische Getränke gegen den ständigen Durst im Schlepptau. Im Falle, dass der illustren Truppe während ihrer Herrenpartie doch einmal kein unterhaltsames Volksliedchen mehr einfallen sollte, sind ja auch noch andere Grüppchen unterwegs, mit denen man sich dann lautstark beschäftigen kann – zum Beispiel die eine oder andere friedlich vorbeifahrende Radfahrerfamilie. Und wenn der Tag dann wirklich einmal so weit fortgeschritten sein sollte, dass die Prachtkerle, vor lauter Anstrengung vom ganzen Hochleistungswandern, noch nicht einmal mehr „Männertag“ zueinander sagen können, verbleiben genügend non-verbale Verständigungsmittel.

Sicherlich, diese skizzenhaften Beschreibungen der verschiedenen Aktivitäten am morgigen Tag umfassen keinesfalls alle Eventualitäten und es gibt bestimmt ganz andere Betätigungsmöglichkeiten. Es sind lediglich die persönlichen Erfahrungen, die aus den ganzen vergangenen Jahren hängen geblieben sind. Wenn mich jedenfalls morgen wer suchen sollte: Ich befinde mich an einem fernen und ruhigen Ort und denke bei geschlossenen Augen darüber nach, ob es sich überhaupt lohnt, noch weiter über diesen Feiertag nachzudenken. Oder ich mache einfach mal gar nichts. Wie herrlich!

Text: Carl Lehmann

Foto: Amac Garbe

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